Rinderzucht auf dem Hof Stiepermann
Mit Kuhbürsten zum Erfolg

Ladbergen -

Morgens melken, abends melken und zwischendurch mehr als genug Arbeit. Dirk Stiepermann schreckt das nicht. Der 25-Jährige ist auf dem Bauernhof seiner Eltern groß geworden und möchte ihn später übernehmen.

Montag, 02.11.2020, 06:08 Uhr
Dirk Stiepermann kennt jede Kuh auf dem Hof beim Namen. Die Rinderzucht ist seine große Leidenschaft. Foto: Luca Pals

2300 Euro – eine wirklich stattliche Summe, auf die sich Dirk Stiepermann an diesem Tag freuen durfte. „Das kommt eher selten vor. Der durchschnittliche Preis liegt eigentlich bei 1580 Euro“, gibt der Ladberger unumwunden zu. Soeben hatte er ein Rind seines Hofes auf einer Auktion in Hamm versteigert. Der Erfolg gibt ihm Recht: „Das war immer schon meine große Leidenschaft. Ich bin mit unseren Tieren groß geworden.“ Nach seinen Eltern will er den Hof übernehmen. Mit den Westfälischen Nachrichten sprach er über die Rinderzucht.

Immer weniger junge Menschen übernehmen den Hof. Das hat Gründe.

Dirk Stiepermann

Aktuell hat die Familie Stiepermann 45 Milchkühe, im Normalfall werden die Tiere auf dem Hof geboren: „Die ersten 14 Tage bekommen sie nur Milch, die Ernährung der Tiere stellen wir danach auf Futter, zum Beispiel Maissilage, um“, erklärt der 25-Jährige. Bis die Tiere zehn Wochen alt werden, bekommen sie ein spezielles Pulver, welches mit heißem Wasser angerührt wird. Ab 14 Tagen werden sie außerdem mit sogenanntem „Kälbermüsli“ zugefüttert. Verschiedene Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass sich der Pansen der Kuh weiter ausdehnen, somit mehr Futter aufnehmen und im Umkehrschluss mehr Milch produzieren kann.

Sind die Kühe 15 Monate alt, werden sie besamt. Zu diesem Zeitpunkt, so Stiepermann, würden die Tiere bereits 450 Kilogramm auf die Waage bringen. Mit gesextem Sperma soll dann ein Zuchtfortschritt gelingen, erklärt er. Dieses Sperma ist nach den X- und Y-Chromosomen getrennt: „Das dient dazu, dass das unerwünschte Geschlecht in der Nachkommenschaft ausgeschlossen werden kann.“ Die Besamung eines Tieres würde im Schnitt 45 bis 60 Euro kosten. Je nach dem in welche Richtung man züchten möchte, gibt es übrigens einen Katalog, in dem zahlreiche Zuchtarten beschrieben werden. Übrigens: Die Familie züchtet vier Rinderarten auf ihrem Hof: Holstein Frisian, Fleckvieh, Braunvieh und Jersey.

Ich bin mit all dem hier aufgewachsen. Das ist meine Berufung.

Dirk Stiepermann

Zur Familie Stiepermann gehören neben Sohn Dirk Vater Jochen (57) und seine Mutter Annette. Während Jochen sich in erster Linie um den Schweinebereich kümmert, ist Annette Stiepermann mit der Aufzucht der Kälber betraut. Bernd Stiepermann gibt daher zu: „Ich bin mit all dem hier aufgewachsen. Schon früher kannte ich jede Kuh beim Namen, mittlerweile kenne ich auch alle Väter und Mütter von ihnen.“ Angefangen hat bei ihm alles mit seinem Großvater Karl-Heinz Budde: „Der hat mich früher schon immer mit an die Hand genommen.“ Es wird klar: „Das ist mein Beruf. Deswegen will ich den Hof auch später übernehmen.“

Dass sich junge Menschen immer weniger für die Übernahme des familieneigenen Hofes entscheiden, weiß er auch. Er sagt: „Das hat viele Gründe. Zum einen wird die Arbeit nicht einfacher, weil die Ernteerträge durch zunehmende Hitzeperioden und unregelmäßigen Regen schlechter werden. Und zum anderen werden die Regularien und Bestimmungen seitens der Regierung für einen Betrieb immer strenger.“

Die optimale Kuh ist gesund, wird alt und bringt fünf bis sechs Kälber.

Dirk Stiepermann

Erst im Sommer 2019 baute die Familie einen Stall um. Bestückt ist dieser unter anderem mit einer neuen Melktechnik. Ein Boxenlaufstall bietet den Kühen große Bewegungsfreiheit. Außerdem haben die Tiere eine Kuhbürste, jederzeit Zugang zum Futter, dazu Kraftfutterboxen und Wasserbetten zum ausruhen. Diese schonen unter anderem die Gelenke. Um weiterhin erfolgreich zu sein, ist all dies notwendig.

Von „einem sehr schönen Tier“ redet der Experte erst bei gewissen Kriterien: Gerade Rückenlinie, kräftiger Euter und gute Bewegungen, zählt Stiepermann auf, der mit „mal einem, mal bis zu vier Tieren“ auf den Auktionen in Hamm auftritt. Dort kommen Züchter von Osnabrück bis ins Sauerland zusammen. Die optimale Kuh sei außerdem „ein gesundes Tier, das gleichzeitig viel Milch bringt und alt wird. Das bedeutet fünf bis sechs Kälber bringt.“

Eine ganzjährige Anbindehaltung sei ohnehin verboten, der Hof der Familie Stiepermann hat aber noch etwas, das immer seltener sei und bei dessen Anblick Dirk Stiepermann „das Herz aufgehe“: Eine große Weide für den Freigang der Kühe. Was selten ist, wird beim Milchpreis allerdings nicht honoriert, bedauert der Landwirt. Schriftlich hält er fest, dass seine Tiere täglich sechs Stunden auf die Wiese kommen. Dafür würde es Zuschüsse geben.

Hinter all dem steckt eine Menge Arbeit. Er meint: „Wenn nicht die ganze Familie da zusammenarbeitet, macht das alles keinen Sinn. Es ist quasi ein 24-Stunden-Dienst, für große Hobbys bleibt da wenig Zeit.“ Morgens um sechs geht es mit dem Melken los, zum Frühstück kommt die Familie jeden Tag um Acht zusammen, danach wird das Futter gemischt. Und am Abend muss noch einmal gemolken werden.

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