Die Lage im Clara-Stift und im Ludgerus-Haus
Warten auf den Schnelltest

Lüdinghausen -

Vom 14. Oktober ist die Coronavirus-Testverordnung des Landes NRW. Der zufolge soll unter anderem in Altenheimen derjenige per Schnelltest getestet werden, der „unklare Beschwerden“ wie Husten oder Halsschmerzen hat. Doch die Tests kommen nicht. Das Ludgerus-Haus hat bestellt. Das Clara-Stift auch.

Mittwoch, 04.11.2020, 09:48 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 09:50 Uhr
So sieht er aus, der Corona-Schnelltest PoC. Im Ludgerus-Haus und im Clara-Stift ist er noch nicht angekommen. Foto: dpa

1240 Schnelltests stehen dem Clara-Stift in Seppenrade zur Verfügung, 1600 dem St. Ludgerus-Haus in Lüdinghausen – monatlich! Das entspricht 20 Tests pro Bewohner. Doch bis dato hat keine dieser Pflegeeinrichtungen auch nur einen einzigen Test bekommen.

„Vor 14 Tagen habe ich sie bestellt – von verschiedenen Herstellern. Da hieß es, die Lieferfrist betrage eine Woche. Jetzt heißt es, drei bis fünf Wochen“, sagt Sascha Schikofski, Leiter des Altenzentrums Clara-Stift. Er und auch seine Kollegin Anja Tembaak, Leiterin des St.-Ludgerus-Hauses, haben je einen Arzt sozusagen abrufbereit im Hintergrund, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort an und mit diesen Test schulen wird, wenn diese denn eingetroffen sind.

Leichte, unklare Beschwerden

Vom 14. Oktober stammt die Coronavirus-Testverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie besagt, dass unter anderem Pflegeeinrichtungen „entsprechend den Richtlinien und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts ein tägliches Symptommonitoring“ bei Bewohnern, Mitarbeitern und Besuchern durchführen müssen. „Werden leichte, unklare Beschwerden wie Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Geschmacksverlust, erhöhte Temperatur oder Übelkeit festgestellt, hat eine weitere Abklärung der Symptome vor Ort mittels eines Antigen-Schnelltestes zu erfolgen“, heißt es weiter – nur diese Tests lassen bisher auf sich warten.

Tembaak und Schikofski haben das erforderliche „Test-Konzept“ für ihre Einrichtung selbstverständlich fertig; Anja Tembaak hat es bereits dem zuständigen Gesundheitsamt des Kreises Coesfeld zugesandt. Kommen von dort innerhalb von 14 Tagen keine Einwände, gilt es – auch ohne Benachrichtigung – als genehmigt. Auch das steht in der Coronavirus-Testverordnung des Landes vom 14. Oktober.

Betreuerteam zuerst

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben bei der Schnelltestung Vorrang. Erst danach, so Schikofski und Tembaak in Telefongesprächen mit dieser Zeitung, würden Bewohner und schließlich Besucher getestet – je nachdem, wie viel Tests zur Verfügung ständen.

Das bedeutet auf der anderen Seite: Das Screening am Eingang, bei dem bei den Besuchern unter anderem Fieber gemessen wird, ist nach wie vor die zentrale Maßnahme, um das Risiko, dass das Virus in eine Einrichtung getragen wird, zu minimieren – neben den AHA-Regeln: Abstand halten, Hände desinfizieren, Atemschutzmasken tragen.

Zwischen 9 und 18 Uhr können Angehörige – auch jetzt nach der Verschärfung der Corona-Regelungen – Eltern oder Partner im Clara-Stift besuchen. Schikofski hat einen Sicherheitsdienst beauftragt, der die Besucher an der Tür empfängt und unter anderem bei ihnen Fieber misst. Er geht fest davon aus, dass er die Kosten dafür zurückbekommt, dass ein Corona-Schutzschirm diese abdecken wird.

Im St.-Ludgerus-Haus können Angehörige zwischen 10 und 11.30 sowie 14.30 und 17 Uhr besucht werden. 450-Euro-Kräfte nehmen sie in Empfang, aber auch die regulären Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Pflegeeinrichtung.

„Ich ziehe meine Hut davor“

Wenn die Schnelltests zur Verfügung stehen, werden Sicherheitsmitarbeiter und 450-Euro-Kräfte die Betreuungsteams aber nicht mehr entlasten können; diese Tests müssen von den Altenheim-Mitarbeitern, die geschult worden sind, durchgeführt werden. Fällt einer dann positiv aus, wird das Gesundheitsamt informiert, das dann weitere Schritte einleiten muss; unmittelbar muss mittels eines PCR-Tests das Ergebnis zunächst überprüft werden.

„Wir werden das irgendwie hinkriegen. Wir haben schon so eine Menge geschafft“, sagt Anja Tembaak – und lobt ihr Team: „Ich bin erstaunt, wie gut alle Mitarbeiter dabei sind. Ich ziehe meinen Hut davor.“ Es gebe ja genug Leute, die ob der monatelangen Unsicherheit und Gefahr müde seien.

Bisher hat es in keiner der beiden Einrichtungen einen positiv Getesteten gegeben. Die Angst davor aber hätten alle im Nacken. „Man fragt sich: Wann ist es bei uns?“ Anja Tembaak macht eine kleine Pause und fügt besorgt hinzu: „Hoffentlich trifft es uns nicht.“

Mitarbeiter schränken sich freiwillig ein

Sascha Schikofski berichtet davon, dass seine Mitarbeiter sich die vergangenen Monate freiwillig „deutlich eingeschränkt“ hätten, um das Virus aus dem Haus zu halten – ohne dass es da staatliche Verbote gegeben habe. Auch die Angehörigen lobt er: Sie seien „durchweg verständnisvoll und vernünftig“. Einer führe mit dem Angehörigen nach wie vor Fenstergespräche – aus Angst, das Virus vielleicht doch hineinzutragen.

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