Stefanie und Tobias Hamer rechnen mit Kino-Schließung bis Ende des Jahres
Optimismus schwindet zusehends

Steinfurt -

Stefanie und Tobias Hamer, Betreiber-Ehepaar des Steinfurter Kinos, öffneten erst Anfang Juli nach den Lockerungen des ersten Lockdowns ihr Lichtspielhaus für Kinobesucher wieder. Vorher konnten sie noch Umsatz durch ihre Kino-Bar generieren. Jetzt mussten sie das Kino und die Gastronomie wieder schließen. Beide sind pessimistisch und davon überzeugt, dass sie in diesem Jahr keine Filme mehr zeigen können.

Mittwoch, 04.11.2020, 14:36 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 13:44 Uhr
Grabesstimmung bei Stefanie und Tobias Hamer. Beide sind sich sicher, dass ihr Kino in diesem Jahr coronabedingt nicht mehr geöffnet werden kann. Foto: Matthias Lehmkuhl

Anfang Juli wagten die Burgsteinfurter Kino-Betreiber Stefanie und Tobias Hamer nach einer mehrmonatigen Corona-Pause einen vorsichtigen Restart in ihren Vorführsälen. Bis es dazu kam, hielten sich beide mit ihrem gastronomischen Angebot, dem Außer-Haus-Verkauf und der Kino-Bar, über Wasser. Doch seit Anfang der Woche sind die Hamers wieder auf dem Stand von Mitte März.

„Dass wir aufgrund der steigenden Infektionen das Kino schließen müssen, damit haben wir gerechnet. Aber nicht mit der Schließung unserer Kino-Bar“, meinte Stefanie Hamer. Vor allem, weil die Hygienekonzepte gut funktionierten und die Sperrstunde eingerichtet worden sei.

Außerdem sind die ganzen Pläne für die Weihnachts- und Adventszeit über den Haufen geworfen worden. „Wir wollten ein Weihnachtskino draußen vor der Tür ohne Eintritt anbieten, damit die Gäste sicher und coronakonform mit Abstand und Rückverfolgungszetteln auf Biertischen Weihnachtsfilme sehen können. Wir gehen davon aus, dass unser Kino in diesem Jahr nicht mehr öffnet“, gibt sich Stefanie Hamer keiner Illusion hin. Darüber hinaus fehlen auch neue Filme, die die Verleiher kurzfristig bewerben können. „Es muss künftig eine einheitliche Ansage bundesweit für alle Kinos gemacht werden und am besten zwei Wochen im Voraus“, fordert Stefanie Hamer. Viele Filme seien zwar schon vor Corona fertig gewesen, werden aber im Pay-TV und nicht im Lichtspieltheater veröffentlicht. Früher seien neue Filme mindestens für drei Monate exklusiv nur im Kino zu sehen gewesen. Als die Corona-Pandemie einsetzte, wurde das auf vier Wochen reduziert. So richte sich die Kinobranche selbst zugrunde. Diese Zeitspanne werde wohl nie wieder kommen. „Weltweit hat sich bisher noch keiner im Kino nachweislich mit Corona infiziert“, weiß Tobias Hamer. Als die Infektionszahlen sprunghaft nach oben stiegen, habe die Kinonachfrage schon merklich abgenommen, weil die Leute trotz guter Lüftungsanlagen Bedenken hatten.

Die Kinobetreiber werden wieder versuchen, Tickets für Geistervorstellungen an die Kinofans der Region zu verkaufen und den Außer-Haus-Verkauf ihrer Gastronomie vorantreiben. „Die Leute wollen uns helfen. Aber wir haben nicht mehr die Kraft wie noch im März. Damals waren wir noch motivierter und sagten uns, wir schaffen das. Physisch und psychisch sind wir müde. Es fällt schwer, sich wieder darauf einzustellen, zu kämpfen und betteln zu gehen.“

Klagen gegen die Schließung beim Verwaltungsgericht wie andere Kinobetreiber wollen die Hamers nicht. „Wir persönlich halten nichts davon. Wir sind der Überzeugung, dass man etwas gegen das Virus machen muss, um die Zahlen herunter zu kriegen. Das ist natürlich Mist, dass es uns gerade trifft. Wir gehen davon aus, dass es künftig mehr Shutdowns geben wird.“

Auch wenn doch wieder mittelfristig eine Öffnung möglich werden sollte, bringt Tobias Hamer noch ein weiteres Problem ins Spiel: „Die Frage ist, wie lange wir brauchen, um unserer Gäste davon zu überzeugen, dass es nicht gefährlich ist, uns zu besuchen.“

Gerade haben sie ihre Außenstände beglichen und auch fast alle ihrer Stundungen. Ob sie wieder auf staatliche Hilfen zurückgreifen werden und dadurch erneut einen Schuldenberg aufbauen und vor sich herschieben, wollen die Hamers noch abwarten. Stefanie Hamer: „Ich glaube an gar nichts mehr, bis etwas auf unserem Konto ist.“

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