Patrick Dornbusch ist Notfallmanager
Vorsorgen für den Fall der Fälle

Lengerich -

Alle Vorkehrungen für jeden denkbaren Unglücksfall getroffen haben werden nur ganz wenige Menschen. Was es alles zu beachten gibt, weiß Patrick Dornbusch. Er hat eine Fortbildung zum Notfallmanager gemacht und wird im nächsten Jahr Kurse in der Volkshochschule anbieten.

Freitag, 06.11.2020, 05:48 Uhr aktualisiert: 06.11.2020, 05:50 Uhr
Patrick Dornbusch plant, im kommenden Jahr an der Volkshochschule in Lengerich Kurse zum Notfallmanagement anzubieten. Foto: Gernot Gierschner

Wer entscheidet über meine Angelegenheiten, wenn mir etwas zustößt? Das Thema ist heikel und es wird gerne verdrängt, aber was ist, wenn ein Unglücksfall eintritt – habe ich dafür alle Vorkehrungen getroffen?

Mit der effizienten Hilfe im Notfall, von der Patientenverfügung bis zu Details wie dem Aufbewahrungsort des Ersatzschlüssels für die Wohnung, befasst sich das Notfallmanagement. Patrick Dornbusch ist Notfallmanager und bietet zusammen mit der Volkshochschule Lengerich im Frühjahr 2021 erstmalig Kurse zu diesem Thema an.

Der Glaube, dass dann der Partner oder andere Familienangehörige automatisches Vertretungsrecht haben, ist leider ein weit verbreiteter Irrtum.

Patrick Dornbusch

Der 34-Jährige Lengericher ist unabhängiger und freier Finanz- und Versicherungsmakler und hat sich als „zertifizierter Notfallmanager im Familienverbund“ weiterbilden lassen. Diese vom TÜV Rheinland geprüfte Qualifikation umfasst das Notfallmanagement für die ganze Familie. „Dieses Thema ist mir auch aus persönlichen Gründen ein Herzensanliegen“, sagt Patrick Dornbusch: „Jeder von uns kennt das, lästige Dinge schieben wir vor uns her“. Rund zwei Drittel der Deutschen haben keine oder eine lückenhafte Patientenverfügung und nur etwa jeder Siebte einen Organspendeausweis.

Wenn also wirklich etwas passiert, belasten bürokratische Hürden oder fehlende Dokumente die Angehörigen in dieser Ausnahmesituation zusätzlich. Dabei geschieht es täglich: Durch Krankheit oder Unfall erleiden Menschen jeden Alters Schicksalsschläge, in denen sie sich nicht mehr selbst vertreten können. „Der Glaube, dass dann der Partner oder andere Familienangehörige automatisches Vertretungsrecht haben, ist leider ein weit verbreiteter Irrtum“, klärt der Experte auf. Im Betreuungsfall ohne Vollmacht setzt das Gericht einen Betreuer von Amts wegen ein. Das kann – muss aber nicht – ein naher Angehöriger sein.

Im Betreuungsfall setzt das Gericht einen Betreuer ein

Die Szenarien, die Patrick Dornbusch wählt, um sein Anliegen deutlich zu machen, sind eindrücklich – der Sohn, der im Urlaub verunglückt und ins Koma fällt, oder das Kleinkind, das durch einen Autounfall beide Eltern verliert – und lassen Einen ins Grübeln kommen. Ebenso Patrick Dornbuschs Frage, ob man mit den eignen Eltern darüber gesprochen hat, wie sie sterben möchten. „Wenn dann wirklich darüber entschieden werden muss, ob die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt werden sollen, ist es einfach besser, wenn diese Dinge schon im Vorfeld festgelegt worden sind“, sagt der Notfallmanager.

Sehr detailliert und umfassend ist die Erstellung eines sogenannten Notfallordners, der sowohl haptisch als auch digital erstellt werden kann. Einer „To-do-Liste“ gleich geht der Berater mit Mandanten alle relevanten Punkte durch und dokumentiert die getroffenen Entscheidungen.

Alle Fragen werden ausführlich und diskret besprochen.

Patrick Dornbusch

Wer entscheidet für mich? Dies ist dabei die wohl wichtigste Frage. Bedeutsam sind auch die Festlegung: Wer bekommt Auskünfte bei den Ärzten, Behörden oder Banken? Wo liegen die Unterlagen, Ersatzschlüssel, Mietverträge? Für den Selbstständigen gilt es zu klären: Wie läuft mein Unternehmen weiter? „Diese und viele weitere Fragen werden ausführlich, diskret und in Ruhe besprochen“, versichert Patrick Dornbusch. Dass auch an das digitale Erbe gedacht werden sollte, macht der Berater an einem Beispiel aus seinem persönlichen Umfelddeutlich: „Da die Passwörter fehlen, können die Sozial-Media-Accounts zweier Verstorbener nicht mehr gelöscht werden“.

Patrick Dornbusch hofft, dass bis zum Frühjahr 2021 die Volkshochschulen wieder öffnen dürfen, damit er das Notfallmanagement möglichst vielen Menschen nahebringen kann. In der VHS Lengerich ist der Kursus Notfallmanagement für den 11. März geplant.

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