Kriegerdenkmäler und ihre Bedeutung
Kampfbereit und siegesgewiss

Sassenberg -

In loser Folge berichten wir in unseren Lokalteilen über Denkmäler und ihre Intentionen. Diesmal geht es unter anderem um eine neue Form der Totenehrung, die besonders im Nationalsozialismus ihre eigene Symbolik hatte.

Dienstag, 10.11.2020, 06:25 Uhr
Das Kriegerdenkmal am Rathaus zeigt im Relief „Kampf“ (oben links) das Aufeinandertreffen feindlicher Soldaten im Ersten Weltkrieg. Im Foto darunter sind Bauern und Arbeiter als Pfeiler der lokalen Sassenberger Wirtschaft zu sehen. Foto: Fotos: Michèle Waßmann

Der Nationalsozialismus schuf eine neue Form der Totenehrung mit eigener Symbolik. Von nun an wurde am „Heldengedenktag“, dem ehemaligen und heutigen Volkstrauertag, der Opfer, vor allem jedoch der „tapferen Soldaten“ des Ersten Weltkrieges gedacht.

Inhaltlich und stilistisch knüpften die nach 1933 errichteten Kriegerdenkmäler an die Vorbilder der 1920er Jahre an, wurden aber in ihrer Aussage meist aggressiv zugespitzt. Vor allem die Forderung nach Opferbereitschaft stand im Mittelpunkt der Denkmalsgestaltung. Die verwendete Symbolik verwies somit häufig auf Kampfbereitschaft, Mut und Siegesgewissheit. Vermehrt wurden die Denkmale an zentralen Orten, abseits von Kirchen errichtet, um das „Heldengedenken“ von religiösen Traueraspekten zu lösen und stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.

In Sassenberg gab es von Seiten der Gemeinde bereits 1921 erste Pläne für die Errichtung eines Denkmals. Angedacht war ein Monument mit christlichen Motiven, das neben der Kirche zur Aufstellung gelangen sollte.

Aufgrund der durch die Inflation fehlenden finanziellen Mittel und der im Rat umstrittenen Standortfrage wurden die Planungen immer wieder verworfen und zogen sich über mehrere Jahre hin. Erst im Jahr 1937 kam es schließlich zu einer verspäteten Denkmaleinweihung, die damit in die Zeit der NS-Herrschaft fiel. Zur Ausführung gelangte ein Entwurf des Bildhauers Albert Mazzotti aus Münster, der 5500 Reichsmark kostete. Mazzotti schuf 1938 auch das Kriegerdenkmal in Drensteinfurt. Als Aufstellungsort diente ein Platz neben dem damaligen Amtshaus, an dessen Stelle das heutige Sassenberger Rathaus steht.

Das Denkmal wird durch eine halbrunde Bruchsteinmauer eingefasst, in die zehn Tafeln mit den Namen der Toten eingelassen sind. Die raumgreifende Anlage bildet dadurch einen über drei Stufen zugänglichen Ehrenhof. Mittig befindet sich ein Sockel, der von einem steinernen Adler bekrönt wird. Unter dem einst aus Metall gefertigten Wappentier, das während des Krieges für Rüstungszwecke eingeschmolzen wurde, prangte bis 1945 ein Hakenkreuz. Die Seiten des Sockels zieren Reliefs mit bildlichen Szenen, welche symbolisch die Themen „Kampf, Trauer und Wiederaufstieg“ behandeln. Das letzte Relief sollte gemäß den Entwurfszeichnungen durch die Darstellung von Hitlerjungen und Parteianhängern den Wiederaufstieg des Deutschen Reiches unter nationalsozialistischer Führung versinnbildlichen. Jedoch zeigt das heute vorhandene Relief in deutlich abgeschwächter Form Bauern und Arbeiter als Pfeiler der lokalen Sassenberger Wirtschaft. Warum der ausführende, namentlich nicht bekannte Bildhauer letztlich von den vorgegebenen Plänen abwich, lässt sich nicht mehr ermitteln.

Im Jahr 1952 wurde das Denkmal um Tafeln mit den Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ergänzt. Gleichzeitig wurde auf dem bis dahin leeren Sockel wieder die steinerne Nachbildung eines Adlers und an beiden Enden der Mauer zwei Bronzeschalen aufgestellt. Die bis heute am Denkmal erhaltenen Elemente aus der Erbauungszeit machen es zu einem mehrschichtigen Mahnmal und können zu einer kritischen Auseinandersetzung anregen.

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