Weihnachten auf dem Wendehammer
61 dezentrale Heiligabend-Gottesdienste in Lüdinghausen geplant

Lüdinghausen -

Dieser 24. Dezember wird in die Geschichte eingehen. Krippenfeiern für Kinder und Familiengottesdienste wird es in der katholischen und evangelischen Gemeinde werde in Lüdinghausen noch in Seppenrade geben – dafür 61 (!) dezentrale Freiluft-Gottesdienste. Stand: 30. November

Dienstag, 01.12.2020, 07:34 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 16:55 Uhr
So soll es funktionieren – auch an Heiligabend: Genügend Abstand wahren und einen Mund-Nasen-Schutz tragen, auch draußen. Ruth Reiners, Alice Zaun und Silke Niemeyer (v.l.) haben ein dezentrales Heiligabend-Gottesdienstkonzept entwickelt. Foto: Bettina Laerbusch

An Weihnachten Gottesdienste feiern – jetzt in der Pandemie, in der jeder möglichst zu Hause bleiben soll und an Weihnachten sich höchstens zehn Menschen treffen dürfen, Kinder unter 14 Jahren nicht mit eingerechnet? Ja, in Lüdinghausen wird es Gottesdienste geben. Viele. Stand: jetzt. „Wir müssen die Zahlen im Blick behalten. Entscheidend ist, wie hoch die Inzidenzzahl zu Weihnachten in Lüdinghausen ist“, sagt Silke Niemeyer.

 Zusammen mit Alice Zaun und Ruth Reiners, Pastoralreferentinnen in St. Felizitas, macht sich die evangelische Pfarrerin seit Wochen Gedanken darüber, wie Weihnachtsgottesdienste 2020 laufen können – in enger Abstimmung mit dem Ordnungsamt der Stadt, wie alle drei betonen. Nach jetzigem Stand halte Fachbereichsleiter Michael Pieper das, was die beiden Kirchengemeinden vorhaben, für vertretbar, sagt Reiners. „Er hat keine Bedenken“, sagt Niemeyer.

Keine Bedenken

Aber wie genau werden die Menschen in Lüdinghausen und Seppenrade in drei Wochen feiern, das Gottes Sohn geboren ist?

Um 16 Uhr Beginn

Es wird Heiligabend – Stand jetzt – an 61 Orten um 16 Uhr unter freiem Himmel Gottesdienste geben (am Donnerstag waren es noch 48). „Das ist einfach nur schön, das ist Wahnsinn“, freute sich Alice Zaun am Montagmorgen. Laien werden diese vielen Gottesdienste leiten. Bisher, berichten Niemeyer, Zaun und Reiners, hätten sich mehr als 70 Frauen und Männer bereiterklärt, in ihrer Nachbarschaft einen „Freiluft-Gottesdienst“ an Heiligabend zu leiten. All diejenigen, die 2020 einen Weihnachtsgottesdienst feierten, ständen dieses Mal „nicht außen. Sie sind mittendrin im Geschehen“, sagt Silke Niemeyer. Und meint: Eine Herberge haben Josef und Maria nicht gefunden, „ursprünglich ist auch von keinem Stall erzählt worden, nur von einer Krippe“, erläutert sie. Die Menschen 2020 Jahre später haben zwar theoretisch eine Herberge: die Kirchen. Doch wenn alle dieses Haus betreten, würden höchstwahrscheinlich etliche krank, einige sogar schwer.

Kein Dach über dem Kopf

Die dezentralen ökumenischen Feiern, die alle Familiengottesdienste und Krippenspiele ersetzen, werden auf Spielplätzen stattfinden, an nicht frequentierten größeren Kreuzungen, auf großen Plätzen, einem Schulhof, einem Bauernhof – „auf keinen Fall am oder unterm Carport oder im privaten Garten“, erläutert Ruth Reiners. 20 bis 50 Personen könnten dabei sein – je nachdem, wie groß der jeweilige Platz sei, ergänzt Silke Niemeyer auf Nachfrage.

Niemand darf dabei einfach kommen. Diejenigen, die die Federführung bei einem Wortgottesdienst übernehmen, werden Einladungskarten in die Briefkästen der Nachbarn werfen. Wer eine Einladung bekommt, kann sich anmelden. Die über 70 Männer und Frauen stehen wiederum eng in Verbindung mit den drei Hauptorganisatorinnen, die wiederum mit dem Ordnungsamt. Anleitungen – Texte, Lieder, Fürbitten – erhalten die Laien vom Vorbereitungsteam. Es dürfe auch gesungen werden, sagen alle drei Frauen auf Nachfrage – nicht in der Kirche, aber draußen. Doch es müsse während der ganzen Zeit jeder ein Mund-Nasen-Schutz tragen. Darüber hinaus seien die Abstände einzuhalten.

Bedürfnis nach Geborgenheit

„Dass wir zusammenkommen, ist praktizierte Hoffnung“, unterstreicht Niemeyer. Mit „wir“ meint sie diejenigen, die an Weihnachten Gottesdienste zusammen feiern. Dass das auch jetzt – so wie geplant – absolut vertretbar ist, davon sind alle überzeugt. Niemeyer: „Weihnachten spricht ganz tiefe Bedürfnisse von Menschen an: das Bedürfnis nach Geborgenheit, nach Gemeinschaft, dass wir zusammen den Frieden aufführen, den wir so vermissen.“ Reiners: „Es fehlt, dass den Menschen jetzt in der Pandemie Hoffnung gemacht wird und nicht nur Angst – genau das vermittelt die Weihnachtsgeschichte.“ Jesus werde geboren – „da steckt so viel Hoffnung drin, die brauchen wir gerade jetzt“.

Menschen haben Sehnsucht

„Die Menschen haben Sehnsucht“, sagt Alice Zaun. Weihnachten erinnere viele an ihre Kindheit, das gebe Sicherheit.“ Ohne das Feiern des Gottesdienstes sei Weihnachten wie ein normaler Geburtstag von Freunden oder Angehörigen: Es geben etwas zu essen und zu trinken, es werde gefeiert – mit Weihnachten habe das nichts zu tun.

Alle Gottesdienstbesucher seien sich sicherlich bewusst, dass „das etwas Wertvolles ist, dass man nicht aufs Spiel setzt“, ist Reiners sicher, dass die Regeln bei den Feiern alle einhalten werden. „Fürchtet euch nicht – dass das jemand sagt, das habe wir noch nie so gebraucht“, sagt Niemeyer.

Gottesdienst an der Borg

Neben den derzeit 61 Gottesdiensten unter freiem Himmel wird es Heiligabend um 18 Uhr einen großen ökumenischen Weihnachtsgottesdienst (ohne Anmeldung) an der Burg Vischering geben. „Die Wiese dort ist so groß, da werden wir Abstand halten können“, sagt Niemeyer. Und wenn es regnet? Es habe ja schon Gottesdienste zu Heiligabend an der Burg gegeben – auch im Regen. Die Leute hätten Schirme aufgespannt. Auch in den Kirchen werden mit wenigen Gläubigen (siehe Artikel unten) Gottesdienste gefeiert – aber nur mit Anmeldung und ohne Gesang.

Anmeldungen für Gottesdienste

Aufgrund der Corona-Auflagen ist die Anzahl der Sitzplätze in den Kirchen an den Weihnachtstagen sowie über den Jahreswechsel begrenzt: 46 etwa sind es in St. Dionysius, 96 in St. Felizitas. Für die Gottesdienste sind deshalb Anmeldungen erforderlich.

Neben den dezentralen Freiluft-Gottesdiensten (siehe Artikel oben) gibt es auch in den Kirchen Gottesdienste. In der katholischen Gemeinde diese: Heiligabend um 18 und um 20 Uhr (St. Dionysius) sowie um 19 Und um 21 Uhr (St. Felizitas); am ersten Weihnachtstag um 9 und um 11 Uhr (St. Dionysius) sowie um 10.30 und um 18 Uhr (St. Felizitas); am zweiten Weihnachtstag um 10 Uhr (St. Dionysius) und um 10.30 Uhr (St. Felizitas); an Silvester um 18 Uhr (St. Dionysius) und um 17.30 Uhr (St. Felizitas); an Neujahr um 10 Uhr (St. Dionysius) und um 10.30 Uhr (St. Felizitas).

Die Online-Anmeldung erfolgt unter www.stfelizitas. de. Sollten Besucher besondere Bedürfnisse haben, etwa einen Stellplatz für den Rollstuhl, kann das angegeben werden. Nach der Registrierung erhalten die Bewerber innerhalb von 24 Stunden eine Zu- oder Absage. Sollte in diesem Zeitraum keine Rückmeldung kommen, mögen sich die Interessenten im Pfarrbüro St. Felizitas melden. Wer einen weiteren Hausstand mit anmelden will, wiederhole denselben Vorgang.

Die Anmeldung ist verbindlich. Sollten die Besucher ihre Planung ändern, werden sie gebeten, sich umgehend im Pfarrbüro abzumelden (' 0 25 91/7 95 70, E-Mail stfelizitas-luedinghausen@bistum-muenster.de). Eine telefonische Anmeldung ist unter derselben Nummer seit gestern bis zum 23. Dezember (Mittwoch) ausschließlich im Pfarrbüro St. Felizitas möglich. Um Aerosolverwirbelungen zu vermeiden, wurden die Lüftungsanlagen der Heizungen in den Kirchen abgestellt. Die Temperatur ist dadurch abgesenkt. Die Gottesdienstbesucher werden gebeten, sich entsprechend darauf einzustellen.

Gottesdienste in der evangelische Gemeinde sind: 18 Uhr Heiligabendsgottesdienst vor allem für Senioren, die sich nicht zutrauen draußen zu feiern, im Stephanus-Gemeindezentrum; 23 Uhr Christmette in der Kirche „an der Burg; 10 Uhr am ersten Weihnachtstag in Seppenrade; 18 Uhr am 31. Dezember in Seppenrade und in Lüdinghausen. Am 1. Januar 2021 beginnt um 11.30 Uhr einen ökumenischer Gottesdienst an der Burg Vischering. Für alle Gottesdienste in den Kirchen sind Anmeldungen nötig: ' 0 25 91/66 44 (Pfarrbüro) oder per Mail an ms-kg-luedinghausen-1@kk-ekvw.de

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