Einstimmige Dringlichkeitsentscheidung
Cabrio schließt bis kurz vor Ostern

Senden -

Als erste Gemeinde im Kreis zieht Senden die Reißleine: Das „Cabrio“-Bad schließt – und zwar bis Ende März, lautet das Ergebnis einer politischen Dringlichkeitsentscheidung.

Dienstag, 01.12.2020, 17:26 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 12:38 Uhr
Still ruht der „See“: Das „Cabrio“-Bad soll bis Ende März geschlossen bleiben. Foto: Dirk Frerichmann

Die Gemeinde Senden macht die Schotten dicht: Das „Cabrio“-Bad bleibt voraussichtlich bis zu den Osterferien geschlossen. Sowohl Aspekte des Infektionsschutzes als auch wirtschaftliche Erwägungen haben zu diesem Schritt geführt, teilt die Verwaltung mit, die sich in Abstimmung mit den Vorsitzenden aller Sendener Ratsfraktionen zu dieser einschneidenden Maßnahme durchgerungen hat. Bürgermeister Sebastian Täger steht hinter der einstimmigen Dringlichkeitsentscheidung der Politiker: „Es ist aktuell nicht davon auszugehen, dass nach Weihnachten ein eingeschränkter Badbetrieb wieder möglich sein wird.“

Der Rathaus-Chef sieht darin zugleich „eine bittere Pille, die wir aufgrund der Corona-Pandemie schlucken müssen“. Täger äußert volles Verständnis „für alle, die über die verlängerte Schließung enttäuscht sind“. Dem kann Michael Siemann nur beipflichten. Der „Cabrio“-Betriebsleiter und sein Team legen sich ins Zeug, damit sich die Badegäste wohlfühlen. Wenn sie strahlend das „Cabrio“ verlassen, weiß die Belegschaft, dass sie ihren Job gut gemacht hat. Das Feedback der Badegäste fehle jetzt: „Ohne sie macht es keinen Spaß“, räumt Siemann auf Anfrage ein.

Viel Arbeit auch ohne Badegäste

Allerdings setzen sich Betriebsleiter und Mannschaft gerade voll dafür ein, dass sich das Badevergnügen noch steigert und alle Systeme reibungslos hochgefahren werden können, wenn sich Ende März wieder die Pforten für die Besucher öffnen. Dafür hat das „Cabrio“- Team die ohnehin in der besucherschwachen Zeit anstehende Bad-Revision vorgezogen. Derzeit werden unter anderem Schäden an Fliesen beseitigt, die Sauna mit neuem Holz-Innenleben und neuer Beleuchtung versehen und eine neue Wasseraufbereitungsanlage in den Betrieb genommen. Dazu habe die Gemeinde kräftig in die „Hardware“ investiert, so Siemann. Zwar werde im Sendener Bad das teils erfrischende, teils wohlige Nass seit ehedem mit einem Elektrolyte-Verfahren auf Salzbasis aufbereitet, doch jetzt verfüge das „Cabrio“ über eine Anlage, die „auf dem absolut neuesten Stand“ sei. Unter laufendem Betrieb wäre es zwar möglich gewesen, die neuen Geräte zu installieren, doch hätte sich das als ziemlich kompliziert entpuppt. Dem Stillstand in den Becken gewinnt Siemann insofern noch etwas Positives ab.

Defizit bei rund einer Million Euro

Insbesondere durch Einsparung bei den Personalkosten durch die Kurzarbeit wird das erwartete Defizit des Bad-Betriebs allein für den Zeitraum Dezember bis einschließlich März um rund 200 000 Euro geringer ausfallen, rechnet die Gemeindeverwaltung auf WN-Anfrage vor.Wie im Rathaus zu erfahren war, ist Senden die erste Kommune im Kreis, die die Reißleine zieht und ihr Bad für einen längeren Zeitraum auf Null fährt – einschließlich, dass Millionen Liter Wasser in einigen der Becken im Bereich des Hallenbades abgelassen werden.Volker Sowade, der im Rathaus das Thema „Cabrio“-Bad koordiniert, geht davon aus, dass 2020 eine Lücke von rund einer Million Euro durch die Gemeinde geschlossen werden muss. Allerdings war im Business-Plan des Bades eine Unterdeckung (operativer Betrieb und Abschreibung) von 865 000 Euro einkalkuliert worden. Der Wert fällt höher aus, weil die vor Corona hohen Besucherzahlen zu mehr Verschleiß am Bad geführt haben. Sonst waren jährlich rund 750 000 Euro ins „Cabrio“ geflossen. Die Besucherzahlen knickten ein: von 263 000 (Rekordjahr 2019) auf 108 000 (2020) – ein Minus von 70 Prozent.di

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Da technische Arbeiten auch ohne Badegäste, die seit dem 2. November nicht mehr kommen – weder als Schulklasse noch als Einzelschwimmer – fortgeführt werden, dauert das Pensum im „Cabrio“ für einige Bedienstete noch im Dezember an. Grundsätzlich gilt jedoch, dass sich das Bad-Team – 22 Voll- und Teilzeitkräfte – in Kurzarbeit befindet. Um die Auswirkungen auf die Beschäftigten des „Cabrios“ abzufedern, hat die Gemeinde eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 80 beziehungsweise 87 Prozent beschlossen, so die Verwaltung.

Für manche ist der Sport hier ihr Lebenselixier.

„Cabrio“-Betriebsleiter Michael Siemann

Seine Kolleginnen und Kollegen seien schon „sehr überrascht gewesen“, fasst Siemann die Reaktionen zusammen, als am Montag über die verlängerte Schließung informiert wurde. Erwartet worden sei, dass es nicht gleich zu Jahresbeginn wieder los gehen würde, aber doch auch nicht erst kurz vor Ostern. Immerhin: „Für alle Beteiligte ist es besser, wenn Planungssicherheit besteht“, betont Siemann. Er weiß, dass gerade die Stammgäste die Bad-Eröffnung herbeisehnen. „Für manche ist der Sport hier ihr Lebenselixier“, sagt der „Cabrio-Chef“ über die Dauerschwimmer, die regelmäßig ihren Bahnen ziehen.

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