Erste digitale Finanzsynode mit einvernehmlichen Beschlüssen
Denkfabrik für den Kirchenkreis

Lengerich/Tecklenburger Land -

Eine „Denkfabrik für den Kirchenkreis“ soll den Zeitraum bis 2030 durchdenken. Die Struktur-AG soll als Gremium für die Landessynode „vordenken“. Das ist ein Ergebnis der ersten digitalen Finanzsynode des Kirchenkreises Tecklenburg. Auch über Geld wurde gesprochen.

Dienstag, 01.12.2020, 18:01 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 17:58 Uhr
Premiere für den Kirchenkreis Tecklenburg: Superintendent André Ost führte durch die erste digital abgehaltene Synode. In einer ersten Bilanz zogen er und weitere Verantwortliche ein positives Fazit der rund vierstündigen Veranstaltung. Foto: Christine Fernkorn

„Wir werden eine andere Kirche vorfinden“. Superintendent André Ost hat bei der ersten digitalen Finanzsynode des Kirchenkreises Tecklenburg darauf aufmerksam gemacht, dass die Finanzmittel knapper werden. Deshalb sei er froh, dass die Mitglieder seinem Anliegen gefolgt seien, „eine Denkfabrik für den Kirchenkreis“ einzurichten. „Die Struktur-AG soll ab Anfang Januar den Zeitraum bis 2030 „durchdenken“.

Das etwa zehnköpfige Gremium soll die Situation für die Landessynode „vordenken“. Nach den Worten des Superintendenten stehen Fragen nach dem Profil der Kirche, nach Priorisierung von Aufgaben und nach der Erreichbarkeit der Menschen im Mittelpunkt der Arbeit. „Da soll Fantasie entwickelt werden, wie Kirche in zehn Jahren aussehen kann.“

Ost erläuterte, Experten erwarteten einen Rückgang der Kirchensteuermittel der Landeskirche um acht bis zehn Prozent in diesem Jahr. Davon sei auch der Kirchenkreis betroffen. „Die einvernehmlichen Beschlüsse der Finanzsynode zeigen, dass alle wissen, was die Stunde geschlagen hat.“ Der Superintendent mahnte in der Konsequenz eine Aufgabenklärung an, die den notwendigen Umbau begleiten müsse.

Stefan Goedsche, Fachbereichsleiter Haushalt und Finanzen im gemeinsamen Kreiskirchenamt Münsterland/Tecklenburger Land in Münster, informierte die Kreissynode Tecklenburg über den Jahresabschluss 2019. Er stellte fest, dass sich der demografische Wandel bereits bei den Gemeindegliederzahlen und der absehbar steigenden Anzahl der in den Ruhestand wechselnden Pfarrerinnen und Pfarrer abzeichne. „Es ist heute an der Zeit, strukturelle Veränderungen vorzudenken“ machte er deutlich. Heute habe man noch das Heft der Planung in der Hand. Dem Kirchenkreis mit seinen 17 Kirchengemeinden stehen für 2021 Kirchensteuermittel in Höhe von 10 774 910 Euro zur Verfügung. Neben den Gehältern der Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis Tecklenburg, der zentralen Verwaltung und der Superintendentur finanziert der Kirchenkreis mithilfe der Kirchensteuermittel beispielsweise das Diakonische Werk, die Arbeit der 27 Kindertagesstätten im Kindergartenverbund, das Schulreferat oder die kreiskirchliche Jugendarbeit.

Ost erläuterte die Gedanken im Nachgang. Die amtierenden Pfarrerinnen und Pfarrer seien im Schnitt 55 oder 56 Jahre alt. „Es gibt aktuell ein Nachwuchsproblem“. Deshalb müsse darüber nachgedacht werden, multiprofessionelle Teams in den Gemeinden zu bilden, deren Mitglieder – Gemeindepädagogen, Kirchenmusiker, oder in der Jugendarbeit Tätige – auch weitere Aufgaben wahrnehmen könnten. „Das ist vergleichbar mit Diakonen oder Pastoralreferenten in der katholischen Kirche“, Parallel müssten „Wege der Werbung für unseren Beruf“ gefunden werden. „Auch der Gedanke der Synergien muss geprüft werden“. Zudem gehe es darum, dass „Seelsorge ein Gesicht“ haben müsse

Die Synode entschied auch über die Verwendung des Überschusses von rund einer Million Euro aus dem Jahr 2019. Ein großer Teil gehe in die Corona-Rücklagen, Aus diesem Topf könnten Gemeinden Finanzausfälle kompensieren. 30 000 Euro sind für die Einzelfallhilfe in Flüchtlingsangelegenheiten bestimmt, 50 000 Euro für die Prävention sexualisierter Gewalt vorgesehen. „Es müssen weitere Konzepte entwickelt oder Mitarbeiter geschult werden.“

„Die Premiere unserer digitalen Finanzsynode ist gut gelaufen“, bilanzierte Andrè Ost. Das Verfahren habe letztlich die Handlungsfähigkeit des Kirchenkreises erhalten. Ursprünglich war die Gempt-Halle als Veranstaltungsort vorgesehen.

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