Bewährungsstrafen für Böllerwurf
Gericht ist von der Schuld überzeugt

Steinfurt -

Eigentlich sollte ein weiterer Zeuge dazu beitragen, dass ein 26-jähriger Mann wegen gefährlicher Körperverletzung und seine 38 Jahre alte Schwägerin wegen Anstiftung zur Körperverletzung zweifelsfrei verurteilt werden. Doch der 67 Jahre alte Rentner hat am Mittwoch beim Fortsetzungstermin im Amtsgericht Steinfurt die Vorwürfe weder bestätigen noch entkräften können.

Mittwoch, 02.12.2020, 17:28 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 16:08 Uhr

Eigentlich sollte ein weiterer Zeuge dazu beitragen, dass ein 26-jähriger Mann wegen gefährlicher Körperverletzung und seine 38 Jahre alte Schwägerin wegen Anstiftung zur Körperverletzung zweifelsfrei verurteilt werden. Doch der 67 Jahre alte Rentner hat am Mittwoch beim Fortsetzungstermin im Amtsgericht Steinfurt die Vorwürfe weder bestätigen noch entkräften können.

Beim Jahreswechsel 2018/2019 war eine Frau von einem Böller verletzt worden. Sie hatte Verbrennungen 2. Grades und Prellungen davongetragen. Der Angeklagte soll den Knallkörper in Richtung der Frau geworfen haben, nachdem ihn seine mitangeklagte Schwägerin dazu gedrängt haben soll (wir berichteten). „Als das passiert sein soll, war ich schon wieder im Haus. In der halben Stunde in der ich mir das Feuerwerk anschaute, habe ich nur den Wortwechsel zwischen beiden Partein mitbekommen“, erläuterte der Borghorster.

Der mehrfach vorbestrafte 26 Jahre alte Beschuldigte hatte bereits vor einer Woche ein weiteres Vergehen – das Fahren ohne Führerschein – eingeräumt. Er saß am Steuer eines Pizzataxis als er in der Kurve von der Goldstraße in den Sonnenschein einem anderen Pkw-Fahrer die Vorfahrt genommen hatte und ihm in den Wagen gerauscht ist. Zunächst hatte der Angeklagte behauptet, er hätte lediglich am Steuer des liegengeblieben Wagens gesessen, während sein Bruder das Auto von der Straße geschoben hätte. Nachdem der Unfallgegner seine Version des Hergangs geschildert hatte, redete die Richterin dem Angeklagten vor einer Woche ins Gewissen, den Bruder nicht zu einer Falschaussage zu verleiten.

Weil der unter Bewährung stehende Beschuldigte bereits gestanden hatte, Feuerwerkskörper in Richtung der verletzten Frau geworfen zu haben, haben die Richterin, der Verteidiger, die Bewährungshelferin und der gesetzlich bestellte Betreuer des 26-Jährigen darüber diskutiert, ob eine Freiheitsstrafe ohne oder mit Bewährung ausgesprochen wird.

Das Problem: Dem Täter – der noch bei seiner Mutter wohnt – wurde aufgrund seiner geringen Intelligenz laut Gutachten eine verminderte Schuldfähigkeit bescheinigt. „Er kann gar nicht lesen“, betonte seine Mutter, dass er ohne sie nicht im Leben zurecht kommen könne. Obwohl sowohl seine Bewährungshelferin, sein Verteidiger als auch sein Betreuer ihn am liebsten in einer Werkstatt für Behinderte und in einer bereuten Wohngruppe sahen, forderte die Staatsanwältin eine zehnmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung und den Entzug des Führerscheins für 18 Monate. Für seine Schwägerin die gleiche Strafe mit Bewährung und eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro. Dem entsprach die Richterin, allerdings senkte sie den Betrag auf 800 Euro. Der 26-Jährige kam mit acht Monaten auf Bewährung und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon. „Sie müssen unbedingt lernen, sich von ihrer Mutter freizuschwimmen und selbstständig werden“, so die Richterin.

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