Sinfonieorchester spielt Mendelssohns Schottische Sinfonie als Streaming-Angebot
Auf überzeugende Weise Neuland betreten

Münster -

Konzert im Netz: Damit macht auch das Sinfonieorchester Münster in diesen vorweihnachtlichen Tagen auf sich aufmerksam. Mit Mendelssohns Schottischer Sinfonie ging es los.

Sonntag, 06.12.2020, 18:02 Uhr
Freunde des Sinfonieorchesters Münster müssen sich zurzeit mit Streaming-Angeboten begnügen. Doch auch das hilft über kulturelle Durststrecken hinweg. Foto: Gunnar A. Pier

Kein Ritual, sondern Musik pur: Wer an diesem Wochenende die Internetseite des Theaters Münster besuchte, um das erste Streaming-Angebot wahrzunehmen, erlebte keinen Vorspann, keinen Auftritt der Musiker, sondern sofort die Einleitung von Mendelssohns Schottischer Sinfonie. Generalmusikdirektor Golo Berg, oftmals von der rechten Seite aus ins Bild gesetzt, leitete das Sinfonieorchester Münster durch eine Interpretation, an die sich regelmäßige Konzertbesucher noch gut erinnern werden.

Doch die technisch fein umgesetzte Darbietung war durchaus mehr als eine bloße Erinnerung. Tatsächlich kündete sie eindrucksvoll von den schönen Möglichkeiten des Orchesters, und Golo Bergs Deutung mit ihren fast pausenlos aufeinander folgenden Sätzen vermittelte zwingend, wie großartig und stimmungsvoll diese Komposition ist. Das war besonders in den subtilen Klangabstufungen des langsamen Satzes und im Übergang des Finalsatzes zur krönenden Coda zu erleben. Gewiss ist das Konzertzimmer des Theaters Münster vom optischen Reiz des Goldenen Wiener Musikvereinssaals oder der Berliner Philharmonie ein ganzes Stück entfernt, und die wechselnden Perspektiven auf die Orchestermusiker entsprachen nicht immer zwingend musikalischen Gründen. Doch insgesamt hat das Theater mit diesem 24-Stunden-Angebot auf überzeugende Weise Neuland betreten. Am Ende folgte verdienter Schlussapplaus, denn es war ja eine Aufführung lange vor der Coronazeit. Grund genug, auf die Schauspielproduktion am nächsten Wochenende und das komplette Sinfoniekonzert eine knappe Woche später gespannt zu sein. Als Lockdown-Extras gibt es diese Aufführungen gratis – zu normalen Zeiten wären sie auch im Internet ein ordentliches Eintrittsgeld wert.

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