Existenzsorgen wegen Corona-Lockdowns
Einzelhandel ruft nach Öffnungsperspektiven

Münsterland -

Der Einzelhandel ist vom Lockdown massiv getroffen. Die Geschäfte sind seit dem 16. Dezember geschlossen. In den Kommunen wächst die Sorge um die Zukunft der Innenstädte. Der Politik wird vorgeworfen, im Sommer und Herbst eine notwendige Strategie verschlafen zu haben.

Freitag, 08.01.2021, 19:50 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 21:35 Uhr
Ob Textilhaus oder Schuhgeschäft: Der Einzelhandel will wissen, wie es nach dem 31. Januar weiter geht. Foto: dpa

Im Einzelhandel schrillen die Alarmglocken . Und in den Kommunen wächst die Sorge um die Zukunft der Innenstädte, wenn der Einzelhandel den Lockdown, verbunden mit der Zwangsschließung der Geschäfte, nicht übersteht. „Ist Ihnen bewusst, dass jede Woche verspäteter Hilfszahlungen den Einzelhandel auch tausende Arbeitsplätze kosten wird?“, heißt es in einem geharnischten Brief des Handelsverbands Deutschland (HDE) an Bundesfinanzminister Scholz.

Weite Teile des Einzelhandels seien darauf angewiesen, „dass die im Weihnachtsgeschäft erzielten überproportionalen Einnahmen die bis dato aufgelaufenen Verluste kompensieren müssen“, heißt es in dem Brief.

Öffnung an einigen Tagen nur halbtags

Prof. Timm Homann, Vorstandschef der Unternehmensgruppe „Ernsting´s family“, spricht gegenüber unserer Zeitung vom Januar als „Bereinigungsmonat für Liquidität“. Insbesondere der Textil-Einzelhandel ist vom Lockdown, der Schließung der Geschäfte seit dem 16. Dezember, massiv getroffen. „Deshalb erwarten wir von der Politik jetzt eine Öffnungsperspektive, wir müssen wenigstens wieder ein bisschen Ware verkaufen, ein bisschen Liquidität generieren können“, fordert Homann.

Corona-Regeln bis 14. Februar

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    Die Menschen in Deutschland müssen sich mindestens bis zum 14. Februar auf weitere Beschränkungen einstellen. Auf diese Maßnahmen haben sich Bund und Länder am 19. Januar geeinigt. Was in NRW jetzt gilt:

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  • Der Lockdown wird bis zum 14. Februar verlängert. Die bisher bis zum 31. Januar befristeten Schließungen der meisten Geschäfte, Restaurants, Theater, Museen und Freizeiteinrichtungen gilt also weiterhin bis zum 14. Februar.

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  • Verschärfte Maskenpflicht: In Bus und Bahn sowie beim Einkaufen müssen die besser schützenden FFP2-Masken oder OP-Masken getragen werden - Alltagsmasken aus Stoff reichen nicht mehr aus. Ab wann die neuen Regeln gelten, entscheiden die Bundesländer selbst. In NRW gilt die verschärfte Maskenpflicht ab Montag (25.1.).

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  • „Soweit Kinder unter 14 Jahren aufgrund der Passform keine medizinische Maske tragen können, ist ersatzweise eine Alltagsmaske zu tragen“, heißt es in der neuen, ab Montag (25.1.) gültigen Fassung der Coronaschutz-Verordnung von NRW. Kinder bis zum Grundschulalter sind weiter von der Maskenpflicht ausgenommen. Wo man keine OP- oder FFP2-Maske tragen muss, gelten weitgehend die bisherigen Regeln für normale Alltagsmasken. Die muss man zum Beispiel weiter auf Spielplätzen benutzen.

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  • Das Land NRW hat die sogenannte 15-Kilometer-Regel nach wenigen Tagen für die vier zunächst betroffenen Kreise wieder aufgehoben. Galt zuletzt die Kennzahl 200 bei der sogenannten 7-Tages-Inzidenz als Schallgrenze für rigorose Maßnahmen wie zum Beispiel die 15-Kilometer-Regelung, müssen die Kreise und kreisfreien Städte jetzt auch bei niedrigeren Zahlen individuelle Maßnahmen prüfen, wenn sie nicht ein Absinken unter die Zahl 50 bis zum Ende des Lockdowns am 14. Februar erwarten.

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  • Die Kontaktbeschränkungen bleiben bestehen: Treffen jenseits des eigenen Haushalts sind weiterhin nur mit einer weiteren Person erlaubt.

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  • Die drastischen Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gelten in Nordrhein-Westfalen laut Schutzverordnung im öffentlichen Raum. Weiterhin sind Treffen jenseits des eigenen Haushalts nur noch mit einer weiteren Person erlaubt. „Zu betreuende Kinder“ dürfen mitgebracht werden. Der Appell der Politik ist aber klar, dass die Menschen auch in den eigenen vier Wänden ihre Kontakte konsequent beschränken sollen. Ministerpräsident Laschet forderte auf, "sich nicht jeden Tag eine andere Person zu suchen".

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  • Home Office müssen die Arbeitgeber nun überall dort, wo es möglich ist, ermöglichen. Das bedeutet, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, es zu begründen, wenn sie Arbeitnehmern diese Möglichkeit nicht bieten. Ein Klagerecht soll mit dieser Verordnung, die ab dem 27. Januar gilt, aber nicht verbunden sein, so der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. 

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  • Gestrichen wird in NRW ab dem 25.1. das allgemeine Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Lediglich der Verkauf ist zwischen 23 Uhr und 6 Uhr verboten. In Bayern war das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit wenige Tage zuvor gekippt worden. Auch in NRW hatte es nach Medienberichten rechtliche Bedenken gegeben.

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  • Die neue Coronaschutz-Verordnung für NRW stellt strengere Regeln für Religionsgemeinschaften auf, was das Abhalten von Gottesdiensten angeht. Sie müssen den Behörden unter anderem gemeldet werden. Zuletzt hatte es immer wieder Ärger um Gottesdienste freikirchlicher Gemeinden in NRW gegeben.

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  • Schulen bleiben grundsätzlich geschlossen, oder die Präsenzpflicht bleibt ausgesetzt. Bund und Länder hatten am 19. Januar beschlossen, dass Kitas und Schulen bis zum 14. Februar grundsätzlich geschlossen bleiben beziehungsweise die Präsenzpflicht ausgesetzt wird.

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  • Auch Kindertagesstätten sollen für die Fortdauer des Lockdowns bis zum 14. Februar geschlossen bleiben. In NRW gibt es bereits seit dem 11. Januar nur noch einen eingeschränkten Betrieb, die Kitas bleiben aber grundsätzlich geöffnet. Das soll jetzt so bleiben: Die Landesregierung hat angekündigt, dass für die Kitas in NRW weiter die bisherige Strategie gelte, sie im "eingeschränkten Pandemiebetrieb" offen zu halten.

    Für Eltern werden zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, für die Betreuung der Kinder im genannten Zeitraum bezahlten Urlaub zu nehmen. 

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  • Das Land NRW hat am Mittwoch (20. Januar) einen Impfstopp in Krankenhäusern verhängt, die mit Biontech-Impfstoff versorgt werden. Grund seien Lieferprobleme, heißt es in einer E-Mail des Gesundheitsministeriums, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Seit dem 18. Januar wird in den NRW-Kliniken das besonders gefährdete Personal geimpft. 

    Auch sollten die Impfzentren den Betrieb aufnehmen und zunächst alle über 80-Jährigen, zuhause lebenden Menschen impfen - dies wird aufgrund der Lieferverzögerung nun um eine Woche verschoben.

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  • Für Millionen Sporttreibende in den Vereinen geht mit den Beschlüssen von Bundesregierung und Länderchefs vom Dienstag das Warten auf die Wiederaufnahme des Trainings- und Wettkampfbetriebs bis zumindest in den Februar weiter.

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  • Die Profiligen indes dürfen ohne Zuschauer und mit strengen Hygienekonzepten weiterspielen. In enger Taktung will etwa der Fußball sein Programm mit Bundesliga, DFB-Pokal und Europacup im Winter fortsetzen, auch wenn zuletzt immer wieder Coronafälle nachgewiesen wurden.

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  • Das Ziel von Merkel und den Regierungschefs der Länder ist weiterhin, zu einer 7-Tage-Inzidenz je 100 000 Einwohner von unter 50 zu kommen. Dies gewinne nochmals an Bedeutung durch die entdeckte Mutation des Coronavirus, die sich schneller verbreite. 

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Der Politik wirft er vor, den Sommer und Herbst vergangenen Jahres mit Blick auf eine notwendige Strategie „völlig verschlafen zu haben; da gibt es nichts“. Vorstellbar sei eine Öffnung an einigen Tagen der Woche oder auch jeweils nur halbtags; dann müssten zur Vermeidung von stark frequentierten Innenstädten andere Geschäfte eben schließen.

Lager voll mit Herbst- und Winterware

Christian Berger, Inhaber des Modehauses Ebbers in Warendorf, äußert sich verärgert über die „schiere Unwissenheit der Politik darüber, was sie mit den Ladenschließungen anrichtet“. Die Lager seien voll mit Herbst- und Winterware, die sich kaum noch verkaufen ließe. Als Folge des Lockdowns werde der Lagerumschlag vom Faktor vier auf den Faktor zwei reduziert, die Kette vom Verkauf von Saisonware und dadurch gewonnener Liquidität zur Bezahlung neuer Ware empfindlich gestört.

Berger verweist auch auf die zentrale Rolle der Einzelhandelsgeschäfte als „Impulsgeber für das Shopping-Erlebnis in der Innenstadt“. Wenn viele Geschäfte die Zwangsschließung nicht überlebten, werfe das große Probleme auch für die anderen Gewerbetreibenden auf.

Mit einem Augenzwinkern weist er auf die Aktion „Wir machen auf“ hin; eine Aktion von Kaufleuten, die am Montag trotz Verbots ihre Geschäfte öffnen werden. „Da machen wir nicht mit, wir halten uns an die Gesetze.“ Er beteilige sich an der Kampagne von Modehäusern unter dem Titel „Wir machen auf...merksam“. Damit werde auf die Lage der Branche hingewiesen.

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