Distanzunterricht
Störungen bei den Lernplattformen auch im Münsterland

Münsterland -

Holpriger Start in den Distanzunterricht nach den verlängerten Weihnachtsferien: Etliche Schulen, Schüler meldeten im Münsterland am Montagmorgen Störungen bei den Lernplattformen „Moodle“ und „IServ“. Viele konnten sich bei „IServ“ nicht in den Video-Onlineunterricht einwählen. 

Montag, 11.01.2021, 17:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 20:56 Uhr
Der Schulunterricht wird wieder weitgehend ins Netz verlegt. Für die digitalen Lernplattformen ist das eine gewaltige Herausforderung. Eltern und Schüler klagen mancherorts über Probleme beim Einloggen. Foto: imago

„Kein Zugang zu den Videokonferenzräumen möglich. Auch der Zugriff auf die digitalen Pinnwände ist zusammengebrochen“, berichtet Claudia Bock, Schul­leiterin der Bismarck-Grundschule in Steinfurt unserer Redaktion. „Den ersten Stresstest hat IServ nicht bestanden“, urteilte ein Lehrer aus Rheine, wo etliche Störungen gemeldet wurden.

Auch an den Schulen in Münster gab es Probleme beim Einloggen – und das Videokonferenz­modul fiel komplett aus, wie mehrere Leiter weiterführender Schulen übereinstimmend berichteten.

Die Plattform „Netzwelt“ dokumentierte auf ihrem Störungsmelder zudem besonders in NRW und Baden-Württemberg Probleme mit dem Programm „Moodle“.

Überlastete Leitungen

Andernorts lief es reibungslos: In Lengerich berichtete die Verwaltung, „IServ“ habe funktioniert. Das könne an den Servern liegen, auf denen die Lernplattform läuft, so die Verwaltung. Auch in Dülmen, wo die Stadtverwaltung nach Problemen im ersten Lockdown die Kapazität der ­Server erweitert habe, gab es mit „Moodle“ nur leichte Störungen.

Die Bezirksregierung Münster erklärte, es handele sich nicht um ­Probleme der Schulen oder Plattformen. „Die Kapazität der Leitungen ist überlastet“, so eine Sprecherin. Es käme regelmäßig montags zu Störungen, da das Daten­volumen wegen der vieler Videokonferenzen auch außerhalb der Schulen erhöht sei.

Keine Probleme bei "Logineo“

Auch Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) relativierte : Sie sagte im Schulausschuss des Landtags, dass es zunächst keine ent­sprechenden Probleme gebe – bezog sich aber auf das „Moodle“-basierte System „Logineo“ des Landes, das rund 2000 Schulen nutzen. Es verfüge über Server mit hohen Kapazitäten.

Der private Lernplattformanbieter „IServ“ entschuldigte sich später in einer Pressemitteilung:  „Aufgrund eines Problems an der Vermittlungsstelle für Videokonferenzen konnte das Modul zeitweise nicht allen zur Verfügung gestellt werden.“ Die Techniker hätten aber inzwischen das Problem behoben. „Alle Funktionen von IServ sollten wieder uneingeschränkt zur Verfügung stehen.“ Die Störung habe sich rein auf das Videokonferenzen-Modul bezogen.

Kommentar

Gottlob nur gestolpert

Die vermeintlich gute Nachricht kommt überraschend, sie lautet: Die Lernserver sind zu Beginn des Distanzunterrichts in NRW nicht in die Knie gegangen. Hier und da stockte das System, in den harten Lockdown ging die Technik aber nicht. Kein IT-Kollaps an Tag eins des schulfernen Lernens: Es hätte schlimmer kommen können.

Die digitale Schule ist in Deutschland immer noch eher exotisch als alltäglich. Hier rächen sich in NRW die Sünden der Vergangenheit. Schulen ohne Anschluss an die Datenautobahn, Klassenräume ohne WLAN, Schüler ohne Technikausstattung – mitunter auch Pädagogen ­ohne Digitalkompetenz. Vor Corona fiel das nicht ins ­Gewicht. In Corona fällt es den Schulen vor die Füße.

Dass Unterricht unter Pandemiebedingungen nicht dauerhaft in Präsenzform stattfinden kann, hätten die ­Verantwortlichen wissen können. Das Umschalten auf ­Distanzunterricht war nur eine Frage der Zeit – die intensiv zur Vorbereitung und zum Pimpen der Technik hätte genutzt werden müssen, damit weder Server stocken noch Lernplattformen stolpern. Aber mal ehrlich: Mit Blick auf das Hü und Hott, das das Schulministerium in Corona-Zeiten an den Tag legt, verwundert das nicht mehr.

von Elmar Ries

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