Software zur Corona-Bekämpfung
Einheitliches IT-System in Gesundheitsämtern weit entfernt

Münster -

Damit Infektionsketten künftig stadt- und kreisübergreifend schneller nachvollzogen und werden können, sollen alle Gesundheitsämter in NRW eine Software nutzen. Das IT-System „Sormas“ ist in den Kreisen Warendorf und Coesfeld schon im Einsatz - in Münster wartet man dagegen noch auf ein Update, das die entscheidenden Vorteile bringen soll. 

Donnerstag, 28.01.2021, 08:30 Uhr
Jens Meininghaus (hinten) und Lukas van Stephaudt von der Stabsstelle Corona im Gesundheitsamt des Kreises Warendorf haben mit der Software „Sormas“ gute Erfahrungen gemachT: Foto: Erhard Kurlemann

Die Gesundheitsämter sollen technisch nach- beziehungsweise umrüsten, um Infektionsketten kreis- und landesweit besser verfolgen und unterbrechen zu können. Bis Ende Februar soll die Software „Sormas“ (Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System) in allen Gesundheitsämtern installiert werden - so steht es in dem Bund-Länder-Beschluss vom 19. Januar.

Vielerorts arbeiten die Ämter aber noch mit Excel-Listen oder einer eigenen Software, die die Weitergabe von Daten über Landkreisgrenzen hinweg nicht ermöglicht. Das Problem: Viele der scharfen Corona-Maßnahmen werden auch damit begründet, dass Infektionsketten nicht nachverfolgt werden können. Das soll sich mit „Sormas“ ändern.

Im Kreis Warendorf wird die Software bereits seit Mai 2020 angewendet, im Kreis Coesfeld seit Dezember. "Wir haben vorher mit einer Excel-Tabelle gearbeitet, die ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr händelbar war", sagt Kreis-Sprecher Hartmut Levermann. Bei der Etablierung dieser Software habe das Hilfskontingent der Bundeswehr das Gesundheitsamt unterstützt.  

Münster und Steinfurt nutzen andere IT-Systeme

In Münster und im Kreis Steinfurt arbeiten die Containment-Scouts hingegen noch mit ihren „alten“ Systemen. Der Kreis Steinfurt habe bereits zu Beginn der Pandemie „eine eigene Software entwickelt, die fortlaufend optimiert wurde und aus hiesiger Sicht noch funktionaler als ‚Sormas‘ alle Erfordernisse der vernetzten Pandemieführung/-bearbeitung bereitstellt“, teilt Sprecherin Kirsten Weßling dazu mit. Wann der Kreis die von der Landesregierung zur Verfügung gestellte Software anwenden müsse, werde gerade geklärt. 

In Münster wird bisher mit der RKI-Software „SurvNet“ gearbeitet. Und das hat seine Gründe, wie Dr. Norbert Schulze Kalthoff, Leiter des münsterischen Gesundheitsamtes, erklärt. „Wir beschäftigen uns schon seit einigen Wochen mit dem Thema und haben die aktuelle Version ‚Sormas Local‘ auch getestet“, erklärt Schulze Kalthoff.

Aber: Diese Version der Software biete keinen Vorteil gegenüber der RKI-Software „SurvNet“, die das Gesundheitsamt bislang nutzt. „Wir sind durchaus gewillt die Software zu ergänzen, warten deshalb aber noch auf das Update“, erläutert Schulze Kalthoff.

Der Austausch mit benachbarten Ämtern finde bisweilen per E-Mail statt, seit auch die Labore verpflichtet seien, ihrerseits über eine Software (“Demis“) zu melden. „Was noch fehlt, ist, dass die niedergelassenen Arztpraxen angeschlossen werden, da kommen oft noch Faxpapiere.“

Erst das Update bietet entscheidende Vorteile

"Wenn beispielsweise jemand in einer Pflegeeinrichtung in Münster arbeitet, positiv getestet wird, aber in Warendorf wohnt, können wir den Kollegen dort viel leichter die Information zur Verfügung stellen", sagt Schulze Kalthoff. Dieser Austausch finde bisweilen per E-Mail statt, seit auch die Labore verpflichtet seien, ihrerseits über eine Software ("Demis") zu melden. "Was noch fehlt, ist, dass die niedergelassenen Arztpraxen angeschlossen werden, da kommen oft noch Faxpapiere." 

Entscheidend sei aber, dass mit dem "Sormas"-Update eine Synchronisierung mit der bisherigen Software möglich sei. Nach jetzigem Stand würde eine Umstellung auch eine doppelte Eingabe und damit einen erheblichen Mehr-Aufwand bedeuten, so Schulze Kalthoff. „Erst hieß es, das Update kommt Ende Dezember, dann Ende Januar“, sagt er.  

Knapp 400 Containment Scouts im Einsatz

Wichtig ist neben dem IT-System vor allem, dass es genügend Personen bedienen. Die personelle Aufstellung des sei ein dynamischer Prozess erläutert Schulze Kalthoff, je nach Infektionsgeschehen. „Wir haben zurzeit einen sehr niedrigen Inzidenzwert und können tagesaktuell informieren.“74 Containment Scouts arbeiten derzeit in der  Kontaktpersonennachverfolgung (Vollzeitäquivalent), ab dem 1. Februar sollen es nur noch 70 sein. Damit liegt das münsterische Gesundheitsamt knapp unter dem im vergangenen März festgelegten Soll-Personalschlüssel von fünf Mitarbeitern pro 20 000 Einwohner (78).

Im Kreis Coesfeld, werde die Mindestanzahl an Beschäftigten erreicht, sagt Hartmut Levermann, auch dank der Unterstützung durch die Bundeswehr. Die Kontakte verfolge ein Team aus eigener Belegschaft und Unterstützung von zunächst 20 und seit Jahresbeginn verbliebenen zehn Soldatinnen und Soldaten. „Weitere 17 Containment-Scouts sind seit Anfang des Jahres 2021 in die Kontaktnachverfolgung integriert und haben insoweit die Bundeswehr teilweise abgelöst.“

240 eigene Mitarbeiter und neu eingestellte Containment Scouts und damit deutlich mehr, als nach Bund-Länderbeschluss gefordert, arbeiten im Kreis Steinfurth in der Verfolgung, wie Kirsten Weßling mitteilt.

Und die haben alle Hände voll zu tun: Am UKM Marienhospital Steinfurt besteht der Verdacht, dass sich drei Personen mit einer Mutation des Coronavirus infiziert haben. Nachdem in den benachbarten Niederlanden in den vergangenen Tagen Mutationen des Erregers aufgetreten sind, sind nun Gensequenzierungen eingeleitet worden.

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