Gärtnereibetrieb Kemker trotzt den Corona-Hindernissen
„Wir mussten viel improvisieren“

Alverskirchen -

Ein verwaistes Ladenlokal, fehlende Verkaufstage auf dem Münsteraner Wochenmarkt und viele Stunden der Überlegungen und Umplanung. 2020 war auch für die Gärtnerei Kemker ein schwieriges Jahr. Immer neue Herausforderungen galt es zu bewältigen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Und diese Geschichte ist noch nicht vorbei.

Dienstag, 02.02.2021, 07:56 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 08:00 Uhr
Gerlinde Kemker (l.) und Gärtnerei-Mitarbeiterin Christa Dunker: Corona stellte und stellt den Betrieb vor Herausforderungen. Foto: Karina Linnemann

Der erste Lockdown bedeutete für Bernhard und Gerlinde Kemker vor allem eines: Verunsicherung. Wie in jedem anderen Unternehmen galt es, die Hygieneregeln einzuhalten und Sicherheitsabstände zu wahren. „In unserem Ladenlokal konnten wir die Sicherheitsabstände nicht ohne enormen Aufwand einhalten. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, das Geschäft zu schließen und die Ware stattdessen in unserem Gewächshaus anzubieten“, erzählt Bernhard Kemker.

Während andere Geschäfte während des Lockdowns seinerzeit komplett schließen mussten, hatten Gärtnereien Glück im Unglück. Genau wie Baumärkte durften sie unter strengen Hygieneregeln weiter ihre Pforten für Kunden öffnen. Anders sah das für den Alverskirchener Betrieb jedoch für den wichtigen Verkauf auf den Wochenmärkten aus. „Wir haben zum Beispiel jede Woche einen Stand auf dem Markt am Domplatz in Münster. Weil natürlich auch dort die Hygieneregeln und damit auch Sicherheitsabstände eingehalten werden mussten, dürfen wir nur noch alle zwei Wochen unsere Waren dort verkaufen. Das sind enorme Umsatzeinbußen“, sagt Bernhard Kemker, der dennoch die Verantwortlichen lobt. „Es war wirklich eine kluge und faire Idee der Verantwortlichen, das Platzproblem auf diese Weise zu lösen“, bilanziert er.

Die Leute haben während der Krisenzeit ihre Selbstversorgermentalität entdeckt.

Gerlinde Kemker

Das Kaufverhalten der Kunden habe sich im Frühjahr darüber hinaus stark geändert. So habe man in der Gärtnerei feststellen können, dass eine starke Verlagerung von Blumen zu Gemüsepflanzen zu erkennen war. „Die Leute haben während der Krisenzeit ihre Selbstversorgermentalität entdeckt“, beschreibt Gerlinde Kemker das Phänomen. Besondere Nachfrage gab‘s demnach bei Gemüsepflanzen und Obstbäumen.

Dann kam der Lockdown light Mitte Oktober, und wieder musste Kemker umplanen und improvisieren. „Das Kaufverhalten hat sich abermals geändert. Unsere Kunden wollten es sich viel früher als in den Vorjahren zu Hause gemütlich und heimelig machen“, berichtet Gerlinde Kemker. Die Mitarbeiter der Gärtnerei setzten alles daran, die Kundenwünsche zu erfüllen und etwa Gestecke für den Advent zu kreieren. Doch kaum war das Weihnachtsgeschäft in voller Fahrt, kam der nächste Schock: Aufgrund der drastisch steigenden Infektionszahlen in Deutschland mussten die meisten Geschäfte ab Mitte Dezember im Zuge des zweiten Lockdowns geschlossen werden.

„Für uns war das ein großes Zittern und Zagen. Es war eine gefühlte Ewigkeit, in der wir nicht wussten, wie es bei uns weitergeht“, so Bernhard Kemker. Und wieder hatte die Gärtnerei Glück im Unglück. Mit der für Nordrhein-Westfalen geltenden Verordnung durften Blumen-Fachgeschäfte ihren Betrieb weiterführen. „Wir mussten wirklich viel improvisieren. Ich möchte mich deshalb noch einmal ganz herzlich bei meinen engagierten Mitarbeitern bedanken. Ohne sie hätte das alles bisher nicht so gut geklappt“, resümiert er.

Corona-Regeln bis 14. Februar

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    Die Menschen in Deutschland müssen sich mindestens bis zum 14. Februar auf weitere Beschränkungen einstellen. Auf diese Maßnahmen haben sich Bund und Länder am 19. Januar geeinigt. Was in NRW jetzt gilt:

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  • Der Lockdown wird bis zum 14. Februar verlängert. Die bisher bis zum 31. Januar befristeten Schließungen der meisten Geschäfte, Restaurants, Theater, Museen und Freizeiteinrichtungen gilt also weiterhin bis zum 14. Februar.

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  • Verschärfte Maskenpflicht: In Bus und Bahn sowie beim Einkaufen müssen die besser schützenden FFP2-Masken oder OP-Masken getragen werden - Alltagsmasken aus Stoff reichen nicht mehr aus. Ab wann die neuen Regeln gelten, entscheiden die Bundesländer selbst. In NRW gilt die verschärfte Maskenpflicht ab Montag (25.1.).

    Foto: dpa
  • „Soweit Kinder unter 14 Jahren aufgrund der Passform keine medizinische Maske tragen können, ist ersatzweise eine Alltagsmaske zu tragen“, heißt es in der neuen, ab Montag (25.1.) gültigen Fassung der Coronaschutz-Verordnung von NRW. Kinder bis zum Grundschulalter sind weiter von der Maskenpflicht ausgenommen. Wo man keine OP- oder FFP2-Maske tragen muss, gelten weitgehend die bisherigen Regeln für normale Alltagsmasken. Die muss man zum Beispiel weiter auf Spielplätzen benutzen.

    Foto: picture alliance/dpa | Andreas Arnold
  • Das Land NRW hat die sogenannte 15-Kilometer-Regel nach wenigen Tagen für die vier zunächst betroffenen Kreise wieder aufgehoben. Galt zuletzt die Kennzahl 200 bei der sogenannten 7-Tages-Inzidenz als Schallgrenze für rigorose Maßnahmen wie zum Beispiel die 15-Kilometer-Regelung, müssen die Kreise und kreisfreien Städte jetzt auch bei niedrigeren Zahlen individuelle Maßnahmen prüfen, wenn sie nicht ein Absinken unter die Zahl 50 bis zum Ende des Lockdowns am 14. Februar erwarten.

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  • Die Kontaktbeschränkungen bleiben bestehen: Treffen jenseits des eigenen Haushalts sind weiterhin nur mit einer weiteren Person erlaubt.

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  • Die drastischen Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gelten in Nordrhein-Westfalen laut Schutzverordnung im öffentlichen Raum. Weiterhin sind Treffen jenseits des eigenen Haushalts nur noch mit einer weiteren Person erlaubt. „Zu betreuende Kinder“ dürfen mitgebracht werden. Der Appell der Politik ist aber klar, dass die Menschen auch in den eigenen vier Wänden ihre Kontakte konsequent beschränken sollen. Ministerpräsident Laschet forderte auf, "sich nicht jeden Tag eine andere Person zu suchen".

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  • Home Office müssen die Arbeitgeber nun überall dort, wo es möglich ist, ermöglichen. Das bedeutet, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, es zu begründen, wenn sie Arbeitnehmern diese Möglichkeit nicht bieten. Ein Klagerecht soll mit dieser Verordnung, die ab dem 27. Januar gilt, aber nicht verbunden sein, so der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. 

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  • Gestrichen wird in NRW ab dem 25.1. das allgemeine Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Lediglich der Verkauf ist zwischen 23 Uhr und 6 Uhr verboten. In Bayern war das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit wenige Tage zuvor gekippt worden. Auch in NRW hatte es nach Medienberichten rechtliche Bedenken gegeben.

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  • Die neue Coronaschutz-Verordnung für NRW stellt strengere Regeln für Religionsgemeinschaften auf, was das Abhalten von Gottesdiensten angeht. Sie müssen den Behörden unter anderem gemeldet werden. Zuletzt hatte es immer wieder Ärger um Gottesdienste freikirchlicher Gemeinden in NRW gegeben.

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  • Schulen bleiben grundsätzlich geschlossen, oder die Präsenzpflicht bleibt ausgesetzt. Bund und Länder hatten am 19. Januar beschlossen, dass Kitas und Schulen bis zum 14. Februar grundsätzlich geschlossen bleiben beziehungsweise die Präsenzpflicht ausgesetzt wird.

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  • Auch Kindertagesstätten sollen für die Fortdauer des Lockdowns bis zum 14. Februar geschlossen bleiben. In NRW gibt es bereits seit dem 11. Januar nur noch einen eingeschränkten Betrieb, die Kitas bleiben aber grundsätzlich geöffnet. Das soll jetzt so bleiben: Die Landesregierung hat angekündigt, dass für die Kitas in NRW weiter die bisherige Strategie gelte, sie im "eingeschränkten Pandemiebetrieb" offen zu halten.

    Für Eltern werden zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, für die Betreuung der Kinder im genannten Zeitraum bezahlten Urlaub zu nehmen. 

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  • Das Land NRW hat am Mittwoch (20. Januar) einen Impfstopp in Krankenhäusern verhängt, die mit Biontech-Impfstoff versorgt werden. Grund seien Lieferprobleme, heißt es in einer E-Mail des Gesundheitsministeriums, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Seit dem 18. Januar wird in den NRW-Kliniken das besonders gefährdete Personal geimpft. 

    Auch sollten die Impfzentren den Betrieb aufnehmen und zunächst alle über 80-Jährigen, zuhause lebenden Menschen impfen - dies wird aufgrund der Lieferverzögerung nun um eine Woche verschoben.

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  • Für Millionen Sporttreibende in den Vereinen geht mit den Beschlüssen von Bundesregierung und Länderchefs vom Dienstag das Warten auf die Wiederaufnahme des Trainings- und Wettkampfbetriebs bis zumindest in den Februar weiter.

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  • Die Profiligen indes dürfen ohne Zuschauer und mit strengen Hygienekonzepten weiterspielen. In enger Taktung will etwa der Fußball sein Programm mit Bundesliga, DFB-Pokal und Europacup im Winter fortsetzen, auch wenn zuletzt immer wieder Coronafälle nachgewiesen wurden.

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  • Das Ziel von Merkel und den Regierungschefs der Länder ist weiterhin, zu einer 7-Tage-Inzidenz je 100 000 Einwohner von unter 50 zu kommen. Dies gewinne nochmals an Bedeutung durch die entdeckte Mutation des Coronavirus, die sich schneller verbreite. 

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