„Was kann ich für Sie tun?“
Suche nach einem Impftermin: Ein Schauspiel in vier Akten

Warendorf -

„Bist du durchgekommen?“ „Du hast einen Termin????? Wann??????“ Seit Montag vergangener Woche reichen Satzfetzen, um Millionen von Menschen zu Verbündeten zu machen. Eine Glosse.

Dienstag, 02.02.2021, 11:00 Uhr
Einen Impftermin konnten Senioren online und telefonisch vereinbaren. Theoretisch. Foto: Jürgen Christ

Sie wissen augenblicklich, dass die Gespräche nur eins zum Inhalt haben – die stunden-, ach was: tagelange Jagd nach einem Impftermin für die über 80-jährigen Mütter, Väter und Großeltern. Und wer nach ein paar Tagen zu der gelassener machenden Einsicht gelangt, dass selbst fünfstündige Dauerbedienung der Wiederwahltaste Komik entwickelt, der ist mittendrin in einem Corona-Schauspiel.

Der erste Akt: Er beginnt letzte Woche Montag um 8 Uhr. Die jüngste Tochter und die älteste Enkelin der 86-jährigen Warendorferin wählen und klicken sich zeitgleich mit Millionen anderer Menschen in die Hotline und Online-Plattform ein. Was passiert? In kurzer Zusammenfassung: nichts. Und am nächsten Tag? Auch nichts. Das gilt, man ahnt es, auch für den Mittwoch.

Warteschleife nach fünf Stunden

Der zweite Akt: Eine zweite Tochter schaltet sich dazu. Aufregung nach fünf Stunden: Sie ist in der Warteschleife! Fünf Minuten später folgt die Ernüchterung – keine freien Termine im Impfzentrum. Der Mann an der Hotline versichert, dass ihr aufgebrachter Wortschwall deutlich gepflegter klang als der der meisten Anrufer. Trotzdem jetzt an dieser Stelle: „Entschuldigen Sie bitte!“

Drei Stunden später erneut mit der Hotline verbunden. „Tut mir leid“, bedauert die Mitarbeiterin auffallend gedehnt. Sie kann nicht ahnen, dass sich bei der Anruferin bereits erste Spuren der Gelassenheit abzeichnen. „Sie bleiben ja höflich!“, wundert sich die Mitarbeiterin. Das Callcenter-Team ist wirklich nicht zu beneiden.

Dritter Akt: Ein achtminütiges Gespräch mit siebeneinhalb Minuten Pause. „Sind Sie noch da?“ Pause. „Ja.“ Pause. „Hallo, sind Sie noch da?“ Pause. „Suche.“ Erfolglos, wie sich nach weiteren Pausen zeigt. Die nächste Mitarbeiterin ist Callcenter-erfahren: „Guten Tag, hier spricht Frau Sowieso. Was kann ich für Sie tun?“ Tja, interessante Frage.

Der letzte Akt ist der beste. Montag, 1. Februar, 6.36 Uhr: Der jüngsten Tochter gelingt das Kunststück: Sie hat einen Termin. Und den Folgetermin sogar auch noch. Hilli, du bist ein Genie!

Buchungsfenster für Impftermine wird bis April geöffnet

Erst ist das Buchungssystem zusammengebrochen, dann traten weitere technische Probleme auf: Der Impfstart für Senioren lief alles andere als reibungslos. Damit die Terminvergabe künftig besser klappt, will die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) das Buchungsfenster verlängern .

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Impf-Vergabe in NRW: Das müssen Sie jetzt wissen

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  • Am diesem Montag werden in Nordrhein-Westfalen die ersten Impftermine für die zu Hause lebenden über 80-Jährigen vergeben. In den 53 Impfzentren soll dann ab dem 8. Februar geimpft werden. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat die Bevölkerungsgruppe aufgerufen, sich impfen zu lassen.

    Am diesem Montag werden in Nordrhein-Westfalen die ersten Impftermine für die zu Hause lebenden über 80-Jährigen vergeben. In den 53 Impfzentren soll dann ab dem 8. Februar geimpft werden. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat die Bevölkerungsgruppe aufgerufen, sich impfen zu lassen.

    Foto: picture alliance/dpa | Felix Kästle
  • Wie bekomme ich einen Termin?

    Am besten online unter der Internetadresse www.116117.de . Erst ab 8.00 Uhr soll dies am Starttag möglich sein, nicht vorher. Von da an soll die Online-Terminvergabe aber rund um die Uhr möglich sein. Im Rheinland sollen die Bürger auch unter termin.coronaimpfung.de einen Termin vereinbaren können.

    Foto: Boris Roessler/dpa Pool/dpa
  • Kann ich auch telefonisch einen Termin vereinbaren?

    Ja. Wer im rheinischen Teil von NRW lebt, soll die kostenfreie Rufnummer 0800 116 117 01 wählen, Menschen in Westfalen die ebenfalls kostenfreie Rufnummer 0800 116 117 02. Die Leitungen sind von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr besetzt. Alle Anrufe werden in einem virtuellen Call-Center bearbeitet, dessen mehr als 1200 Mitarbeiter aus Infektionsschutzgründen von zu Hause aus arbeiten.

    Foto: Christin Klose/dpa
  • Soll ich es lieber online oder telefonisch versuchen?

    Online, meint der Minister. Wenn man sich das nicht zutraue, „fragen Sie Ihr Enkelkind oder Ihre Kinder oder Ihre Nachbarn“, appellierte Laumann. Doch Achtung: „Falls Angehörige Ihre Anmeldung übernehmen, bitte unbedingt Doppelbuchungen vermeiden“, warnt das Ministerium.

    Foto: Marijan Murat/dpa
  • Muss ich mit Wartezeiten schon bei der Terminvergabe rechnen?

    Auf jeden Fall. Die für die Impfungen in den Zentren zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen rechnen mit Problemen - sowohl online als auch telefonisch. „Jeder Impfwillige wird drankommen, aber es ist Geduld gefragt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), Dirk Spelmeyer.

    Foto: Seth Wenig/AP/dpa
  • Muss ich mich am Telefon beeilen, wenn ich durchkomme?

    Nein. „Grundsätzlich soll jeder Anrufer genügend Zeit bekommen, einen Termin zu vereinbaren.“ Eine exakte Aufnahme der Daten sei für das Gelingen der Impfung unerlässlich, betonen die Verantwortlichen.

    Foto: Marijan Murat/dpa
  • Muss ich selbst anrufen, oder kann das auch ein anderer für mich machen?

    Die Terminvereinbarung können auch Angehörige oder Vertrauenspersonen übernehmen.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Was brauche ich für die telefonische Terminvereinbarung?

    Wer am Telefon einen Impftermin vereinbart, hält am besten Stift und Papier bereit, um die Daten zu notieren. Achtung: Es werden zwei Termine im Abstand von etwa drei Wochen vergeben. Den ersten für die Erstimpfung, den zweiten für die zweite Impfung. Erst die zweite Impfung gewährleistet den Impfschutz.

    Foto: Mary Altaffer/AP/dpa
  • Ich habe noch keinen Info-Brief bekommen. Kann ich trotzdem schon einen Termin vereinbaren?

    Ja. Das Ministerium hat betont, dass auch ohne Brief ein Termin vereinbart werden kann.

    Foto: Arne Dedert/dpa Pool/dpa
  • Kann ich ab dem 8. Februar auch einfach so ohne Termin zu einem Impfzentrum gehen?

    Nein. Eine Impfung in den jeweiligen Zentren ist nur mit Termin möglich, betont das Ministerium.

    Foto: Arne Dedert/dpa
  • Ich bin noch keine 80 Jahre alt. Kann ich trotzdem schon einen Termin vereinbaren?

    Nein. Einen Impftermin vereinbaren können zunächst nur Menschen ab 80 Jahren, die zu Hause leben.

    Foto: Arne Dedert/dpa

 

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