IHK-Konjunkturumfrage
Zwischen Hoffnung und Existenznot: Pandemie-Folgen sind sehr unterschiedlich

Münster. -

Die Wirtschaft leidet unter dem zweiten Lockdown. Doch die Branchen sind sehr unterschiedlich betroffen. Das gilt auch im Münsterland.

Dienstag, 02.02.2021, 15:30 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 16:07 Uhr
Aktuell herrscht zumeist Stille auf dem Prinzipalmarkt in Münster. Doch die Konjunktur zieht wieder an – auch im Münsterland. Foto: Klaus Meyer

Die Corona-Pandemie hat die Unternehmen im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region sehr unterschiedlich getroffen. „Während der Lockdown in der Gastronomie und im Einzelhandel an den finanziellen Reserven zehrt, hat sich die Industrie im dritten und vierten Quartal wieder deutlich vom vorherigen Einbruch erholt“, berichtete Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen in Münster, am Dienstag in einer Videokonferenz über die Ergebnisse einer Konjunkturumfrage unter den Firmen der Region.

Aktuell berichte die große Mehrheit der Betriebe von zufriedenstellenden Geschäften. Gleichwohl werde das Vorkrisenniveau bei weitem noch nicht erreicht, erklärte Jaeckel. Allerdings erwarten rund 60 Prozent der Unternehmen schon bis Ende des laufenden Jahres auf dieses Niveau zurückzukehren, der Großteil der übrigen Betriebe hegt diese Hoffnung bis spätestens Ende 2022.

2020 hat die exportabhängige Industrie in der Region einen drastischen Einbruch der Ausfuhren um 15 Prozent auf 13,7 Milliarden € verbucht. Der IHK-Hauptgeschäftsführer hat jedoch bereits eine Exportwende ausgemacht. In den USA, aber vor allem auch in China und anderen Ländern Südostasiens habe sich die Lage wieder deutlich gebessert.

Existenzbedrohende Lage für Einzelhandel

Die Erholung des IHK-Konjunkturbarometers auf 120 Punkte sowie inzwischen wieder positive Geschäftslage und -erwartung veranlassten Jaeckel zu der Wertung: „Die Zeichen stehen auf Erholung.“ Und weiter: „Wir werden wohl mit Schrammen, aber positiv aus der Krise herauskommen.“

Gibt es bei der Betrachtung der Gesamtlage viele Hoffnungszeichen, so stellt sich die Situation in der Gastronomie und im stationären Einzelhandel vollkommen anders da: „Hier bricht gerade eine Branche zusammen“, schilderte Renate Dölling, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Westfalen/Münsterland, die Existenzbedrohung in der Gastronomie. Selbst die November-Hilfen seien bei 30 Prozent der Betriebe noch nicht angekommen. 70 Prozent hätten lediglich kleine Abschlagszahlungen erhalten.

Im Einzelhandel ist die Not ähnlich groß: „Die Lage im Innenstadt-Einzelhandel ist extrem existenzbedrohend – mehr als 50 Prozent der Unternehmen fürchten die Insolvenz“, zeichnete Michael Radau, Präsident des Handelsverbands NRW und Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses, ein düsteres Bild. Dölling und Radau sind sich einig, wann der letzte Hoffnungsschimmer für die beiden Branchen schwindet: „Spätestens in vier Wochen müssen wir wieder öffnen.“

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