Abschlussprüfung in Corona-Zeiten
Selbst ist der Geselle

Drensteinfurt -

Corona stellt auch Schüler, Auszubildende und Studenten vor große Herausforderungen. Da seine Berufsschule über Monate geschlossen war, musste sich Florian Schleyer am Ende selbst auf seine Gesellenprüfung vorbereiten. Geholfen hat ihm dabei auch sein Chef.

Freitag, 05.02.2021, 09:03 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 09:10 Uhr
Florian Schleyer (r.) hat mitten in der Corona-Pandemie seine Gesellenprüfung bestanden. Chef Marc Mürmann ist deshalb extra stolz auf seinen Mitarbeiter. Der musste im praktischen Teil unter anderem ein Laufrad einspeichen. Foto: Nicole Evering

Drei Jahre wurde er ausgebildet, hat dazu gelernt, sich fachlich und persönlich weiterentwickelt. Dann kam Corona. Zwischenzeitlich hatte Florian Schleyer große Sorge, ob seine Gesellenprüfung überhaupt stattfinden kann. Und auch die Vorbereitung darauf war nicht einfach.

„Die Berufsschule war drei Monate geschlossen. Ich habe abends zu Hause gesessen, in die Bücher geschaut und mir einiges selbst beigebracht“, erzählt der 20-Jährige. Doch der Stress der vergangenen Monate hat sich gelohnt. Schleyer hat bestanden und ist jetzt Zweiradmechatroniker der Fachrichtung Fahrradtechnik.

Schon als Kind hat Florian Schleyer gerne an Fahrrädern herumgeschraubt, Reifen geflickt und verbogene Lenker wieder geradegerückt. „Damals mit Papa in der Garage“, erinnert er sich lachend. Spaß am Handwerk hatte er also schon in jungen Jahren. Nach seinem Abschluss, den der gebürtige Sendenhorster an der Christ-König-Hauptschule in Stewwert gemacht hat, hat er versucht, über mehrere Praktika den richtigen Beruf für sich zu finden. Nach Einblicken ins St.-Josef-Stift und einen metallverarbeitenden Betrieb hat er beim Team von Zweirad Mürmann über die Schulter schauen dürfen. „Das war sehr vielseitig und spannend“, erinnert sich Schleyer. Der passende Beruf war gefunden. Auf die Bewerbung gab‘s dann auch gleich eine Zusage.

Corona-Regeln bis 14. Februar

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    Die Menschen in Deutschland müssen sich mindestens bis zum 14. Februar auf weitere Beschränkungen einstellen. Auf diese Maßnahmen haben sich Bund und Länder am 19. Januar geeinigt. Was in NRW jetzt gilt:

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  • Der Lockdown wird bis zum 14. Februar verlängert. Die bisher bis zum 31. Januar befristeten Schließungen der meisten Geschäfte, Restaurants, Theater, Museen und Freizeiteinrichtungen gilt also weiterhin bis zum 14. Februar.

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  • Verschärfte Maskenpflicht: In Bus und Bahn sowie beim Einkaufen müssen die besser schützenden FFP2-Masken oder OP-Masken getragen werden - Alltagsmasken aus Stoff reichen nicht mehr aus. Ab wann die neuen Regeln gelten, entscheiden die Bundesländer selbst. In NRW gilt die verschärfte Maskenpflicht ab Montag (25.1.).

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  • „Soweit Kinder unter 14 Jahren aufgrund der Passform keine medizinische Maske tragen können, ist ersatzweise eine Alltagsmaske zu tragen“, heißt es in der neuen, ab Montag (25.1.) gültigen Fassung der Coronaschutz-Verordnung von NRW. Kinder bis zum Grundschulalter sind weiter von der Maskenpflicht ausgenommen. Wo man keine OP- oder FFP2-Maske tragen muss, gelten weitgehend die bisherigen Regeln für normale Alltagsmasken. Die muss man zum Beispiel weiter auf Spielplätzen benutzen.

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  • Das Land NRW hat die sogenannte 15-Kilometer-Regel nach wenigen Tagen für die vier zunächst betroffenen Kreise wieder aufgehoben. Galt zuletzt die Kennzahl 200 bei der sogenannten 7-Tages-Inzidenz als Schallgrenze für rigorose Maßnahmen wie zum Beispiel die 15-Kilometer-Regelung, müssen die Kreise und kreisfreien Städte jetzt auch bei niedrigeren Zahlen individuelle Maßnahmen prüfen, wenn sie nicht ein Absinken unter die Zahl 50 bis zum Ende des Lockdowns am 14. Februar erwarten.

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  • Die Kontaktbeschränkungen bleiben bestehen: Treffen jenseits des eigenen Haushalts sind weiterhin nur mit einer weiteren Person erlaubt.

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  • Die drastischen Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gelten in Nordrhein-Westfalen laut Schutzverordnung im öffentlichen Raum. Weiterhin sind Treffen jenseits des eigenen Haushalts nur noch mit einer weiteren Person erlaubt. „Zu betreuende Kinder“ dürfen mitgebracht werden. Der Appell der Politik ist aber klar, dass die Menschen auch in den eigenen vier Wänden ihre Kontakte konsequent beschränken sollen. Ministerpräsident Laschet forderte auf, "sich nicht jeden Tag eine andere Person zu suchen".

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  • Home Office müssen die Arbeitgeber nun überall dort, wo es möglich ist, ermöglichen. Das bedeutet, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, es zu begründen, wenn sie Arbeitnehmern diese Möglichkeit nicht bieten. Ein Klagerecht soll mit dieser Verordnung, die ab dem 27. Januar gilt, aber nicht verbunden sein, so der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. 

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  • Gestrichen wird in NRW ab dem 25.1. das allgemeine Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Lediglich der Verkauf ist zwischen 23 Uhr und 6 Uhr verboten. In Bayern war das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit wenige Tage zuvor gekippt worden. Auch in NRW hatte es nach Medienberichten rechtliche Bedenken gegeben.

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  • Die neue Coronaschutz-Verordnung für NRW stellt strengere Regeln für Religionsgemeinschaften auf, was das Abhalten von Gottesdiensten angeht. Sie müssen den Behörden unter anderem gemeldet werden. Zuletzt hatte es immer wieder Ärger um Gottesdienste freikirchlicher Gemeinden in NRW gegeben.

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  • Schulen bleiben grundsätzlich geschlossen, oder die Präsenzpflicht bleibt ausgesetzt. Bund und Länder hatten am 19. Januar beschlossen, dass Kitas und Schulen bis zum 14. Februar grundsätzlich geschlossen bleiben beziehungsweise die Präsenzpflicht ausgesetzt wird.

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  • Auch Kindertagesstätten sollen für die Fortdauer des Lockdowns bis zum 14. Februar geschlossen bleiben. In NRW gibt es bereits seit dem 11. Januar nur noch einen eingeschränkten Betrieb, die Kitas bleiben aber grundsätzlich geöffnet. Das soll jetzt so bleiben: Die Landesregierung hat angekündigt, dass für die Kitas in NRW weiter die bisherige Strategie gelte, sie im "eingeschränkten Pandemiebetrieb" offen zu halten.

    Für Eltern werden zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, für die Betreuung der Kinder im genannten Zeitraum bezahlten Urlaub zu nehmen. 

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  • Das Land NRW hat am Mittwoch (20. Januar) einen Impfstopp in Krankenhäusern verhängt, die mit Biontech-Impfstoff versorgt werden. Grund seien Lieferprobleme, heißt es in einer E-Mail des Gesundheitsministeriums, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Seit dem 18. Januar wird in den NRW-Kliniken das besonders gefährdete Personal geimpft. 

    Auch sollten die Impfzentren den Betrieb aufnehmen und zunächst alle über 80-Jährigen, zuhause lebenden Menschen impfen - dies wird aufgrund der Lieferverzögerung nun um eine Woche verschoben.

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  • Für Millionen Sporttreibende in den Vereinen geht mit den Beschlüssen von Bundesregierung und Länderchefs vom Dienstag das Warten auf die Wiederaufnahme des Trainings- und Wettkampfbetriebs bis zumindest in den Februar weiter.

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  • Die Profiligen indes dürfen ohne Zuschauer und mit strengen Hygienekonzepten weiterspielen. In enger Taktung will etwa der Fußball sein Programm mit Bundesliga, DFB-Pokal und Europacup im Winter fortsetzen, auch wenn zuletzt immer wieder Coronafälle nachgewiesen wurden.

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  • Das Ziel von Merkel und den Regierungschefs der Länder ist weiterhin, zu einer 7-Tage-Inzidenz je 100 000 Einwohner von unter 50 zu kommen. Dies gewinne nochmals an Bedeutung durch die entdeckte Mutation des Coronavirus, die sich schneller verbreite. 

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Schleyer war der erste Azubi, den Marc Mürmann eingestellt und bis zur Gesellenprüfung gebracht hat. In diesem Jahr startet nun schon der dritte. „Wir arbeiten aktiv gegen den Fachkräftemangel an“, sagt Mürmann, der mittlerweile auch Innungsmitglied ist. Praktikanten sind bei ihm – in Nicht-Corona-Zeiten – ebenfalls immer gerne gesehen. Was man dafür mitbringen muss? „Nur zwei linke Hände sollte man nicht haben“, sagt der Chef lachend.

Mehr als bloß Reifen, Kette und Bremsen

Die hatte Florian Schleyer offensichtlich nicht. Während seiner Ausbildung hat er viel gelernt, „mehr als gedacht“, gibt er zu. Denn am Fahrrad ist heute weit mehr dran als bloß Reifen, Kette und Bremsen. Gerade im E-Bike-Bereich hat sich einiges getan. „Durch die ganze Elektronik ist der Beruf schon eher mit dem eines Automechanikers zu vergleichen“, meint auch Marc Mürmann. „Das ist alles sehr komplex geworden.“

Bei den letzten Vorbereitungen auf die Gesellenprüfung hat er seinen Azubi tatkräftig unterstützt. Die Theorie stand Anfang Dezember auf dem Plan: sechs Stunden mit knapp 30 Leuten auf Abstand in einem großen Raum, bei offenem Fenster und mit Maske. Die Praxis wurde jetzt im Januar geprüft, wieder im Handwerkskammer-Bildungszentrum (HBZ) in Münster. Die Klasse war dafür in Kleingruppen auf unterschiedliche Räume aufgeteilt worden. Unter anderem musste Florian Schleyer ein Laufrad einspeichen, also die Speichen in das Rad einziehen und es zentrieren, so dass es am Ende rund und geradeaus läuft. Das hatte er vorher mehrfach zu Hause geübt. Das passende Werkzeug hatte er aus seinem Betrieb gleich mit nach Münster gebracht.

Die Bestätigung, dass er die Prüfung bestanden hat, hat er schon. Auf die Note und den Gesellenbrief wartet Florian Schleyer noch. Das kann er allerdings relativ entspannt tun, denn sein Ausbildungsbetrieb hat ihn in eine Festanstellung übernommen.

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