Verdacht auf Untreue
Staatsanwalt erhebt Anklage gegen zwei Ex-Westfleisch-Manager

Münster/Bielefeld -

Der Vorfall reicht zurück bis ins Jahr 2014. Doch jetzt hat sich der Untreueverdacht der zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld gegen zwei ehemalige Manager des münsterischen Fleischkonzerns Westfleisch erhärtet.

Freitag, 05.03.2021, 16:15 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 16:21 Uhr
Bei Westfleisch werden Manager wegen Untreue angeklagt. Foto: Jürgen Peperhowe

Gegen den ehemaligen Westfleisch-Vorstandschef Dr. Helfried Giesen und den damalige Exportleiter ist Anklage wegen des Verdachts auf Untreue erhoben. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Ralf Günther am Freitag unserer Zeitung. „Der Schaden für den Westfleisch-Konzern beläuft sich auf knapp zwölf Millionen Euro“, erklärte Günther.

Wie bereits berichtet, stehen die möglicherweise strafbaren Handlungen in Zusammenhang mit Exportgeschäften, bei denen eine russische Firmengruppe eine zentrale Rolle spielt. Zum Hintergrund: Im Jahr 2014 stoppte Russland wegen Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest den Import von Schweinefleisch aus der EU. Laut Oberstaatsanwalt Günther hat Westfleisch dieses Embargo damals umgangen, indem zwischen süd- und nordamerikanischen Lieferanten und dem Moskauer Kunden direkte Liefergeschäfte vermittelt wurden.

Persönliche Bereicherung nicht nachgewiesen

Allerdings zahlte, so die Ermittlungen, Westfleisch die Rechnungen der Amerikaner und holte sich das Geld beim russischen Kunden zurück. Als dann der Moskauer Konzern in Insolvenz ging, sei Westfleisch auf einem Betrag von über 16 Millionen € sitzengeblieben, so Günther. Nach Abzug der Zahlung einer Kreditausfall-Versicherung sei für Westfleisch ein Fehlbetrag von letztlich knapp zwölf Millionen € entstanden, so die Staatsanwaltschaft.

Eine persönliche Bereicherung sei den beiden Managern allerdings nicht nachgewiesen worden, betonte Günther.

Ähnliche Vorfälle gab es schon früher

Der Oberstaatsanwalt verwies auf ähnliche Vorfälle in den Jahren 2006 und 2009 hin, die den Verdacht jetzt erneut auf den Exportleiter gelenkt hätten. Der Schaden für das Unternehmen damals: jeweils rund eine Million €. Ex-Vorstandschef Giesen wird vorgeworfen, „den Exportleiter nicht kontrolliert zu haben“, so Günther.

Jetzt muss das Landgericht Münster in den nächsten Wochen darüber entscheidet, ob und wann es zum Prozess kommen wird.

Geschäftszahlen für 2020

Mit den Geschäftszahlen für das vergangenen Jahr ist der Fleischkonzern Westfleisch zufrieden. Finanzvorstand Carsten Schruck betonte am Freitag, man habe das „herausfordernde Jahr 2020 ordentlich gemeistert”. Im Vergleich zu 2019 stieg der Jahresumsatz um 1,3 Prozent auf 2,83 Milliarden €. Der Jahresüberschuss sank vor allem aufgrund der zusätzlichen Kosten im Zuge der Corona-Pandemie und der Afrikanischen Schweinepest um 2,6 Millionen auf lediglich noch 8,1 Millionen €, teilte das münsterische Unternehmen weiter mit.

„Umso mehr freuen wir uns darüber, dass wir ordentlich abgeschnitten haben und unseren über 4200 landwirtschaftlichen Mitgliedern auch diesmal neben der attraktiven Dividende in Höhe von 4,2 Prozent auf ihr Geschäftsguthaben weitere Sonderboni auszahlen können“, erklärte Schruck. Teuer war für Westfleisch die vorübergehende Schließung des Standortes Coesfeld wegen dortiger Corona-Infektionsfälle. Eine Millionen PCR-Tests habe man durchgeführt und zwei Millionen OP-Masken eingekauft. Insgesamt kostete Westfleisch diese Maßnahmen nach eigenen Angaben mehr als 22 Millionen €.

Im Einzelhandel verbuchte Westfleisch eine positive Entwicklung: „Hamsterkäufe der Verbraucher unterstützen die Geschäftsentwicklung im
Bereich Wurst-, Convenience- und SB-Waren“, berichtete Johannes Steinhoff, Vorstand Weiterverarbeitung & Technik. So stieg der Umsatz bei der Westfleisch-Tochter Westfalenland in Münster um 19,9 Prozent auf 770 Millionen €.

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