Alltagshelden in Corona-Zeiten
Grundschullehrerin: Mutmacherin für die Kinder

Warendorf-Hoetmar -

Johanna Schulte-Bories ist sehr froh, wieder vor ihrer 2b zu stehen. Die Grundschullehrerin der Dechant-Wessing-Schule in Hoetmar hofft, dass die Zeit der Lockdowns für Schulen vorbei ist. Denn obwohl eine lange Zeit kein Präsenzunterricht stattfand, hatte die 30-Jährige alles andere als frei – eher im Gegenteil.

Samstag, 06.03.2021, 16:00 Uhr aktualisiert: 06.03.2021, 16:06 Uhr
Johanna Schulte-Boris ist froh, dass es endlich wieder Präsenzunterricht gibt. Foto: Jonas Wiening

„Ich glaube, die Kinder haben sich noch nie so auf die Schule gefreut wie jetzt“, sagt Johanna Schulte-Bories. Und der 30-Jährigen selbst geht es ähnlich. Der persönliche Kontakt zu Kindern, das sei es, was den Beruf der Grundschullehrerin ausmache. „Natürlich schwingt immer die Sorge mit, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, aber die Freude, endlich wieder vor der Klasse zu stehen, überwiegt“, sagt Johanna Schulte-Bories. „Es fällt regelrecht eine Last von einem ab.“ Denn der Wegfall von Präsenzunterricht bedeutete nicht, dass die Lehrer und Lehrerinnen frei gehabt hätten. „Ich wollte in der Zeit auch beweisen, dass das nicht stimmt. Wir machen was, wir haben nicht frei.“

Viel Arbeit während des Lockdowns

Während des ersten Lockdowns erarbeitete Schulte-Bories das Hygienekonzept für ihre Schule, erstellte Wochenpläne für die Klasse, übernahm Stunden in der Notbetreuung an ihrer Schule, tauschte sich mit Kollegen und Eltern aus. Sie schrieb jedem ihrer Schüler in ihrer Klasse persönliche Briefe, nahm Videobotschaften auf und schickte Fotos vom Klassentier, einem Pinguin-Stofftier. „Als Mutmacher für die Kinder und um den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren“, sagt Johanna Schulte-Bories.

Es fällt regelrecht eine Last von einem ab.

Johanna Schulte-Bories

Selbstverständlich ist das nicht – auch nicht für Grundschullehrer. Aber die 30-Jährige liebt ihren Beruf, sie ist Lehrerin aus Leidenschaft. Die Kinder in ihrer Klasse liegen ihr am Herzen. „Die sind alle so toll“, schwärmt sie. Sie habe auch unfassbar Glück mit den Eltern. „Die unterstützen einen in der schwierigen Zeit schon sehr“, sagt Schulte Bories. „Wir profitieren hier von der kleinen Schule und dem familiären Dorfleben.“ Trotzdem sei ihr Beruf in der Krisen-Zeit mit vielen Anstrengungen verbunden. Während des Lockdowns habe sie das Gefühl gehabt, immer 24 Stunden am Tag in Bereitschaft zu sein. „Ich habe versucht, immer für die Schüler und Eltern erreichbar zu sein.“

Da das aber auch sehr anstrengend sein kann, war Schulte-Bories sehr froh, als der erste Lockdown vorbei war. „Nach den Sommerferien kehrte langsam wieder eine Art Normalität ein. An Masken und die anderen Hygieneregeln hatte man sich relativ schnell gewöhnt.“

Erklärvideos für Schüler gedreht

Umso ärgerlicher, dass ab Dezember der zweite Lockdown für die Schulen kam. Auch wenn sie etwas besser vorbereitet waren, ist noch mehr Arbeit auf die Lehrkräfte zugekommen. Die Aufgabenpläne für die Kinder wurden umfangreicher. Neben der abgestimmten Bereitstellung von analogen Materialien, drehten die Lehrer Erklärvideos und mit den Grundschulkindern fanden nun Videokonferenzen statt. „Damit sich die Kinder gegenseitig sehen“, erklärt Schulte-Bories. Sie selbst feierte mit ihrer Klasse sogar eine virtuelle Karnevalsfeier. „Alle saßen verkleidet vor den Bildschirmen. Das war toll“, erinnert sich die 30-jährige Warendorferin.

Problematisch seien im vergangenen Jahr die oft kurzfristigen Mitteilungen aus dem Schulministerium gewesen. Das habe viele Planungen erschwert. Ansonsten möchte sich Johanna Schulte-Bories nicht beschweren. Dafür liebt sie ihren Job zu sehr und sieht in der Krisen-Situation auch „die Herausforderung, Lernen und Unterricht neu zu gestalten“. Trotzdem reicht es ihr jetzt. Auf einen dritten Lockdown an Schulen würde sie – wie auch ihre Kollegen und Schüler – gerne verzichten.

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