Der Blick geht ins Detail
Projekt Gesundheitsregion Münsterland

Lengerich -

Lengerich und seine Nachbarkommunen sind Teil des Projektes Gesundheitsregion Münsterland. Dessen Ziel ist es, die relevanten Daten zum Thema Gesundheitswesen zu sammeln, auszuwerten und daraus Rückschlüsse zu ziehen, um dann Verbesserungen zu erzielen.

Montag, 08.03.2021, 05:57 Uhr aktualisiert: 08.03.2021, 08:16 Uhr
Diese Städte und Gemeinden sind als Modellkommunen beim Projekt „Gesundheitsregion Münsterland“ beteiligt. Foto: Gesundheitsregion

Das Thema Gesundheit hat schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie besondere Bedeutung gehabt, speziell für den ländlichen Raum. Ein langsamer, aber stetiger Rückgang der Zahl niedergelassener Ärzte, die intensive Suche nach Pflegekräften im ambulanten wie stationären Bereich sind nur zwei Aspekte. Das Problem bringt Ramona Riemann auf den Punkt: „Es gibt viele Daten, aber diese auf eine kleinräumige Ebene zu bekommen, ist schwierig.“

Projekt Gesundheitsregion Münsterland

Das Projekt Gesundheitsregion Münsterland hat genau das zum Ziel. „Wir setzen auf Kommunen im Münsterland mit unterschiedlichen Strukturen“, erläutert die Projektmanagerin im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Bewusst auch auf Orte, die an Niedersachsen, ans Ruhrgebiet oder die Niederlande grenzen. So ist auch Lengerich als Modellkommune ausgeguckt worden. Die Einbeziehung von Ladbergen, Lienen und Tecklenburg habe sich dabei förmlich aufgedrängt.

In einem ersten Schritt wird eine Ist-Analyse der jeweiligen Modellkommune erstellt. Das erledigt die Fachhochschule Münster, die Routinedaten, die bei verschiedenen Institutionen vorliegen, zusammenträgt. Das Statistische Landesamt und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) wissen die Zahl der niedergelassenen Ärzte oder kennen die Altersstruktur der Bevölkerung. Aber was ist beispielsweise mit dem Therapiesektor oder Hebammen? „Es gibt Bereiche, in denen kaum Daten vorliegen“, bestätigt Ramona Riemann.

Da muss vielleicht über ganz neue Kita-Modelle nachgedacht werden.

Projektmanagerin Ramona Riemann

Doch Zahlen sind nur ein Faktor, der für das Projekt wichtig ist. „Es gibt viele Dinge, die durch Ziffern nicht abbildbar sind“, verweist sie beispielsweise auf Pflegekräfte, die auf einen Kindergartenplatz angewiesen sind, zugleich aber im Schichtdienst arbeiten. „Da muss vielleicht über ganz neue Kita-Modelle nachgedacht werden.“

Generell, das bestätigt sie gegenüber unserer Zeitung, hätten alle beteiligten Modellkommunen großes Interesse an der Teilnahme bekundet. „Das Bewusstsein für die Thematik und die Bereitschaft zum Handeln ist überall spürbar.“ Wobei sie im Telefonat mehrfach betont, dass die Handlungsfelder jenseits der nackten Zahlen liegen. Um für junge Mediziner, die sich niederlassen, interessant zu sein, reiche nicht das entsprechende Plazet der KVWL. „Da muss man sich nicht nur Gedanken machen, was der Arzt oder die Ärztin möchte, sondern auch, was der Partner für Ansprüche an den Berufsstandort hat“, verdeutlicht sie.

Und neben den beruflichen Faktoren spiele immer mehr auch das Thema „Work-Life-Balance“ eine wichtige Rolle. 60 Stunden und mehr in der Woche als niedergelassener Arzt gefordert sein – das sei früher normal gewesen. „Heute könnte vielleicht die Teilung einer Zulassung die Lösung sein, um die Schließung einer Praxis zu verhindern oder kompensieren“, spricht sie von den sogenannten weichen Standortfaktoren. Dinge, bei denen den Kommunen eine entscheidende Rolle zukomme.

Hoffnungen auf Austausch mit anderen Modellkommunen

Die Stadt Lengerich sieht sich – mit den Nachbarkommunen – als Gesundheitsregion. „Die Versorgung ist gut“, verweist Jürgen Kohne auf Kliniken und Ärzte, aber auch auf den Rettungsdienst. Rund 1600 Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen gebe es im Bereich der Modellkommune, ergänzt sein Kollege Niclas Schulte. Das große Aber aus Sicht der beiden Lengericher Wirtschaftsförderer: Wie sich diese Zahl aufteilt auf die verschiedenen Fachrichtungen, ist offen.

Hoffnungen setzen sie auf den Austausch mit den anderen Modellkommunen. „Wo haben die Probleme? Wie gehen die damit um? Können wir daraus Nutzen für uns ziehen?“, zählt Niclas Schulte gleich einen ganzen Fragenkatalog auf. Doch bevor es soweit ist, müssen erst einmal die Daten der eigenen Modellkommune vorliegen und bewertet werden.

„Im Frühsommer“, so schätzt Jürgen Kohne, könnte das der Fall sein. In Workshops sollen dann alle von der Thematik berührten Gruppen – Kliniken, Ärzte, Pflegedienste, Rettungsdienst – über die Ergebnisse diskutieren und Perspektiven für das weitere Vorgehen aufzeigen.

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