Ostermarsch-Auftakt in Gronau
„Gefahr durch Atomkraft wächst“

Gronau -

Am Karfreitag haben mehr als 100 Menschen beim Ostermarschen in Gronau gegen die Urananreicherung protestiert. Die Fahrraddemo zur Gronauer Urananreicherungsanlage startete am Gronauer Bahnhof.

Freitag, 02.04.2021, 16:08 Uhr aktualisiert: 05.04.2021, 16:54 Uhr
Vom Bahnhof aus fuhren Atomkraftgegner über das Lage-Gelände Richtung Urananreicherungsanlage. Foto: Martin Borck

Dem angekündigten Atomausstieg zum Trotz: Die Gefahren durch radioaktive Atomenergie ist nach Ansicht der Kernkraftgegner nicht geringer geworden. Nicht zuletzt die Risiken durch die atomare Aufrüstung seien nicht zu unterschätzen. Das war ein Thema beim Auftakt der Ostermärsche, die die Friedensbewegung vor 40 Jahren wiederaufgenommen hat und die seitdem alljährlich (2020 wegen Corona nur virtuell) durchgeführt werden.

„Gefahr durch Atomenergie wächst“

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  • Demo Urananreicherungsanlage

    Demo Urananreicherungsanlage

    Foto: Martin Borck
  • Demo Urananreicherungsanlage

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  • Fahrraddemo

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    Foto: Martin Borck
  • Demo Urananreicherungsanlage

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  • Demo Urananreicherungsanlage

    Foto: Martin Borck
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    Foto: Martin Borck

Die Massenbewegungen der 80er-Jahre, als sich in vielen Städten Deutschlands Hunderttausende auf den Weg machten, sind allerdings vorbei. In Gronau beteiligten sich am Karfreitag zwischen 100 und 150 Menschen an den Aktionen. Am Mittag begann am Bahnhof eine Fahrraddemo. Sie führte zur Urananreicherungsanlage. Die wird trotz des von der Bundesregierung verkündeten Atomausstiegs weiter betrieben. Das hier angereicherte Uran wird für Kernbrennstäbe in Atomkraftwerken in zahlreichen Ländern verwendet.

Derzeit will die Betreiberin der UAA Gronau und der benachbarten Anlage in Almelo, die deutsch-niederländisch-britische Urenco Ltd., mit Zustimmung der deutschen Anteilseigner RWE und EON, in den USA auch in das Geschäft einer brisanten Höheranreicherung auf 19,75 Prozent Uran 235 für neue, mobile Klein-Reaktoren einsteigen – die Zentrifugentechnik dafür soll die Urenco-Tochter ETC in Jülich liefern, so Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt und Ratsmitglied der GAL in Gronau. Dazu kämen Pläne für AKW-Neubauten in den Niederlanden, Großbritannien und Kanada. Urenco will so mitwirken, die Atomenergie weltweit massiv auszubauen, warnte bei der Kundgebung vor der Anlage auch Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. Auch in Gronau werde daran geforscht, sagte er. Eickhoff kritisierte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Sie habe zwar kürzlich festgestellt, dass die Anlage in Gronau dicht gemacht werden könne, die Umsetzung aber als Aufgabe für die nächste Bundesregierung bezeichnet. „Frau Schulze, nehmen Sie Herrn Altmaier mit, drücken Sie auf den roten Knopf und beenden Sie das hier!“, rief Eickhoff auf.

Anzeichen für neuen Rüstungswettlauf

Brigitte Hornstein von der Ärzteorganisation IPPNW hielt es für einen Skandal, das die Urenco vom Atomausstieg ausgenommen werde. Das von der Atomlobby bediente Narrativ, Kernkraft könne zum Klimaschutz beitragen, die Kernenergie sei sauber müsse entzaubert werden. Die zivile Nutzung der Atomkraft sei ohnehin nur ein Feigenblatt für die militärische Nutzung. In vielen Ländern gebe es Anzeichen für einen neuen Rüstungswettlauf auch mit Atomwaffen. Hornstein sah in der Bundestagswahl eine Chance, die Weichen für einen kompletten Atomausstieg in Deutschland zu setzen.

Frau Schulze, drücken Sie auf den roten Knopf und beenden Sie das hier!

Matthias Eickhoff

Gertrud Roth von der KFD Ahaus wunderte sich, dass bei Corona ganz schnell gefahrenabwendende Maßnahmen ergriffen werden konnten. „Atomenergie und der Klimawandel gefährden doch ebenso? Werden diese Probleme einfach ausgesessen?“, fragte sie.

Hartmut Liebermann („Kein Atommüll in Ahaus“) machte auf die drohenden Probleme durch die Forschung im bayerischen Reaktor Garching aufmerksam. Dort werde mit auf 90 Prozent angereichertem Material gearbeitet. Den Auflagen, den Anreicherungsgrad bis 2010 zu verringern, sei bislang nicht nachgekommen worden. Das Material aus Garching soll möglicherweise ins Brennelementezwischenlager in Ahaus gebracht werden. „Die Stadt Ahaus hat Klage dagegen angekündigt, was wir begrüßen“, so Liebermann. Der Reaktor in Garching liege im Übrigen derzeit nach zwei Zwischenfällen, bei dem radioaktives C14 freigesetzt worden war, still.

Erinnerung an Whistleblower Frits Veerman

Liebermann erinnerte auch an den im Februar gestorbenen Frits Veermann. Der Urenco-Mitarbeiter in der Almeloer Anlage hatte seinerzeit publik gemacht, dass der Pakistani Abdul Quader Khan die Blaupausen für die Anlage gestohlen hatte. Das hatte dazu geführt, dass Pakistan Atommacht wurde. Von dort aus gelangte das Wissen in andere Länder wie den Iran und Nordkorea.

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