Denkmal des Monats April
LWL würdigt Kraftfahrerkapelle

Telgte -

Was für eine Würdigung: „St. Christophorus ist eine Kirche für die Gemeinde und für Durchreisende. Für diese Doppelfunktion kennen wir – zumindest für Westfalen – keine Vergleichsbeispiele“, lobt der Denkmalpfleger Jakob Hofmann.

Mittwoch, 07.04.2021, 13:46 Uhr aktualisiert: 07.04.2021, 14:20 Uhr
Der Gottesdienstraum ist nach Ansicht der LWL-Denkmalpfleger „von Licht und Leichtigkeit geprägt“. Foto: LWL

Ein Jahr nach ihrer Eintragung in die Denkmalliste würdigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Kraftfahrerkapelle St. Christophorus an der B 64 zwischen Telgte und Warendorf als Denkmal des Monats April. LWL-Denkmalpfleger Jakob Hofmann erklärt in einem Pressebericht, was das Baudenkmal so einzigartig macht: „St. Christophorus ist eine Kirche für die Gemeinde und für Durchreisende. Für diese Doppelfunktion kennen wir – zumindest für Westfalen - keine Vergleichsbeispiele. Besonders ist auch, dass die Kraftfahrerkapelle nicht an einer Autobahn, sondern an einer Bundesstraße liegt.“

1964 geweiht

1964 wurde die Kapelle dem heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden, geweiht. „Damals wurde das Auto gerade erst zum Massenverkehrsmittel“, erklärt Hofmann, „Autobahnkirchen waren zu diesem Zeitpunkt ein junges Phänomen. 1958 ist die erste an der A 8 entstanden. Umso bemerkenswerter ist es, dass hier ein ganz ähnliches Konzept mitgedacht wurde.“

In Raestrup bestand der Wunsch nach einer eigenen Kapelle zu diesem Zeitpunkt schon seit vielen Jahren. Bereits in den 1920er Jahren hatte sich ein Kapellenbauverein gegründet. Ab 1944 fanden Gottesdienste auf dem Hof Rusche statt, zunächst in der Küche und danach in einer Baracke, die der Krieg hinterlassen hatte. „Doch der neue Gottesdienstraum sollte mehr sein, als ‚nur‘ Bauerschaftskirche“, betont Hofmann. So hieß es im Bauantrag: „Die Kirche ist nicht nur als Gemeindekirche, sondern vor allem für vorbeifahrende Autofahrer (ähnlich den Autobahnkirchen) geplant.“

Licht und Leichtigkeit

Programmatisch ist auch die Bauform von St. Christophorus. Der münstersche Diözesanbaumeister Eberhard Kleffner und dessen Frau Christa Kleffner-Dirxen errichteten einen Zeltbau als Holzbinderkonstruktion mit eingestellten Backsteinwänden. „Das Zelt war als Motiv für den Kirchenbau der 1960er-Jahre beliebt,“ erläutert Hofmann. „Hier in Raestrup ist es als Heimstätte des Reisenden besonders passend.“ Auch die in den Grundstein eingemeißelte Marienanrufung „Iter para tutum“ – „Bereite einen sicheren Weg“ und eine Memorialkapelle zum Gedenken an die Opfer von Verkehrsunfällen im Turm unterstrichen die Funktion von St. Christophorus als Kraftfahrerkapelle. Der von Licht und Leichtigkeit geprägte Gottesdienstraum stehe nicht nur Gemeindemitgliedern, sondern auch Vorbeifahrenden als Stätte für Einkehr und Gebet offen.

Die Bedeutung der Kapelle für das heutige Gemeindeleben betont Propst Michael Langenfeld: „Unsere Kirchengemeinde St. Marien mit ihrer Propsteikirche ist stark von den Wallfahrern geprägt. Deshalb ist es für uns pastoral sehr wertvoll, dass wir unsere Gemeindemessen am Sonntag dezentral in unterschiedlichen Kirchen und Kapellen feiern können. Die Gläubigen rund um St. Christophorus haben sich dabei über Jahrzehnte zu einem Gemeindeteil entwickelt, der sich stark mit ‚seiner‘ Kapelle identifiziert und das Andenken an die vielen Verkehrstoten wach hält.“

2021 feiert die Kapelle nicht nur das 60-Jährige ihrer Grundsteinlegung, sondern auch den ersten Jahrestag als Baudenkmal.

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