Corona-Lockerungen
Modellregionen in NRW: Überzeugende Bewerber aus dem Münsterland

Münsterland -

Die Bewerber aus dem Münsterland haben beim Wettbewerb um den Status einer Modellregion erfreulich abgeschnitten: Die Projekte in Münster, Ahaus sowie den Kreisen Warendorf und Coesfeld erhielten den Zuschlag aus Düsseldorf. Nun müssen die einzelnen Vorhaben bis zum 19. April konkretisiert werden.

Samstag, 10.04.2021, 09:30 Uhr aktualisiert: 10.04.2021, 13:49 Uhr
Ohne Maske geht nichts mehr – in den Modellregionen sind zudem ein negatives Corona-Testergebnis und eine digitale Nachverfolgung Pflicht für die Öffnungsschritte. Foto: hpe

Das ist mal eine Quote: Von sechs Modellregionen, denen ab dem 19. April erste Lockerungen der Corona-Einschränkungen zugestanden werden, kommen gleich drei aus dem Münsterland. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart verkündete am Freitag bei einer digitalen Pressekonferenz, dass die Kreise Coesfeld und Warendorf (als gemeinsames Projekt), die Stadt Münster sowie Ahaus (in Kooperation mit dem Kreis Borken) zu den ausgewählten Modellregionen gehören. Am 26. April werden acht weitere Städte und Kreise folgen.

Einschränkungen verantwortungsvoll zurücknehmen

In Tübingen und im Saarland standen die Modellprojekte zuletzt wegen stark steigender Inzidenzen enorm in der Kritik. Einige Lockerungen dort wurden bereits zurückgenommen. In NRW will man dennoch an den geplanten schrittweisen und wissenschaftlich begleiteten Teilöffnungen für den April festhalten. „Es gibt Teile unserer Gesellschaft, die müssen seit mehr als einem Jahr mit erheblichen Einschränkungen leben“, sagte Pinkwart. Es müsste nun versucht werden, diese Einschränkungen mit verantwortungsvollen Schritten zurückzunehmen.

Grundlage für Öffnungen ist eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100

Grundlage dafür, das machte der Minister deutlich, ist eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 in den Regionen. Die lag gestern in Münster bei 56,5 – in den Kreisen Borken (95,9), Warendorf (89,6) und Coesfeld (86,6) hingegen steuert sie auf eben jene Schallmauer zu, die Pinkwart als Voraussetzung nannte.

Was bedeutet der Modell-Status nun konkret?

Stand heute, lässt sich keine Aussage dazu treffen. Die einzelnen Kommunen hatten sich mit verschiedenen Strategien und Ansätzen beworben; Voraussetzungen für wiedergewonnene Freiheiten sind Impfungen, umfangreiche Tests sowie eine konsequente digitale Nachverfolgung. Welche Projekte sie nun umsetzen dürfen, muss mit der Landesregierung und dem einberufenen wissenschaftlichen Expertenbeirat bis zum 19. April abgestimmt werden. Was sicher ist: Es wird keine flächendeckenden Öffnungen geben. „Wir öffnen nicht ganze Städte, sondern arbeiten viel projektbezogener. Das ist wichtig, um aus den einzelnen Maßnahmen lernen zu können und das Infektionsgeschehen im Blick zu behalten“, sagte Pinkwart. „Wir werden am 19. April gut vorbereitet öffnen und größte Vorsicht walten lassen.“

Wir öffnen nicht ganze Städte sondern arbeiten viel projektbezogener.

Andreas Pinkwart

Die Konzepte als Lichtblick

Im Kreis Warendorfhatte man beispielsweise überlegt, das Kunst-Museum in Ahlen oder die Kinos in Ahlen, Warendorf und Ennigerloh zu öffnen. Sobald es geht, soll es zudem möglich sein, das Vitus-Hallenbad in Everswinkel und die Freibäder im Kreis zu besuchen. In Drensteinfurt sollen zwei Fitness-Studios öffnen dürfen. Landrat Olaf Gericke freute sich über den Zuschlag, mahnte jedoch vor Unvernunft: „Wir müssen bei aller Zuversicht angesichts möglicher Lockerungen unbedingt weiter Vorsicht walten lassen.“

Auch in Münster wird es Öffnungen geben – Fans dürfen unter anderem hoffen, Spiele der WWU Baskets und Preußen Münster besuchen zu dürfen. Zudem soll die Außengastronomie wiederbelebt werden.

Wir müssen bei aller Zuversicht angesichts möglicher Lockerungen unbedingt weiter Vorsicht walten lassen.

Olaf Gericke

Oberbürgermeister Markus Lewe freute sich über den Zuschlag und darüber, dass sich die Münsteraner „mit gebotener Vorsicht wieder ein kleines Stück näher an den gewohnten Alltag“ heranbewegen können.

Schrittweise öffnen

Ob die Freilichtbühne in Billerbeck, das Konzert Theater in Coesfeld oder die Burgen in Lüdinghausen, ob Außengastronomie oder Sportangebote: Schrittweise mit wissenschaftlicher Begleitung lautet das Zauberwort im Kreis Coesfeld, wie Sprecher Hartmut Levermann versichert.

Die Ahauser Modellregion im Kreis Borkengeht ähnlich vor: Angedacht sind bislang die Innenstadt wie auch sogenannte Points of Interest: Gastronomie und Hotellerie, Freizeit- und Sporteinrichtungen, Schloss und Schlossgarten, Museen, Kino und andere Kultureinrichtungen, die unter bestimmten Bedingungen wieder geöffnet werden könnten.

Kommentar

Nicht frei von Risiko

Die Zahl der Neuinfektionen bleibt auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Den Intensivstationen der Krankenhäuser droht der Kollaps. Und dennoch reden alle von Öffnungen. Zum jetzigen Zeitpunkt? Zumindest riskant!

Zugegeben, wer keinen Fall im näheren persönlichen Umfeld hat, für den bleibt Corona eine theoretische Gefahr. Es gibt zudem viele Städte, die sich seit Wochen unter der Inzidenz-Marke von 100 bewegen. Der Wunsch der Bürger, ihre Freiheitsrechte zurückzubekommen, ist absolut verständlich. Aber bitte: Wir haben doch die evidenzbasierte Wissenschaft, die uns eindrücklich vorrechnet, was geschehen wird. Wir haben die alarmierenden Berichte aus den Krankenhäusern. Die gefährliche und weitaus ansteckendere britische Virus-Variante ist weiter auf dem Vormarsch.

Das geplante Pandemiegesetz der Bundesregierung, um einheitliche Regeln im Kampf gegen Covid-19 durchsetzen zu können, ist wichtig – und anscheinend notwendig. Es darf auf keinen Fall durch die Modellprojekte auf Landesebene ausgehebelt werden. Die kreativen Ideen der Städte und Kommunen verdienen Respekt – und alle werden sich freuen, wenn sie umgesetzt werden. Aber bitte erst, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

von Ulrich Schaper

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