Bürgersolarkraftwerk liefert mehr als prognostiziert wurde
Sonnige Sonnenernte

Ascheberg -

Die Erfolgsgeschichte geht weiter: Das Bürgersolarkraftwerk Ascheberg hat mit 31456 Kilowattstunde auch im vergangenen Jahr deutlich mehr Strom erzeugt als ursprünglich erwartet. Die Gesellschafter freuen sich über eine Verzinsung ihrer Anteile von 11,35 Prozent.

Sonntag, 11.04.2021, 17:58 Uhr aktualisiert: 12.04.2021, 09:30 Uhr
Die Photovoltaikanlage auf der Lambertusschule liefert weiterhin mehr Strom als zu Beginn prognostiziert worden war. Foto: Theo Heitbaum

Das Bürgersolarkraftwerk Ascheberg bleibt ein überdurchschnittlicher Lieferant von Sonnenstrom. Die Betreibergesellschaft freut sich über 31456 Kilowattstunden, die im vergangenen Jahr ins Stromnetz eingespeist worden sind. Als die Gesellschafter sich 2008 zusammengefunden hatten, waren sie von etwa 25 000 Kilowattstunden pro Jahr ausgegangen. „Wir haben vorsichtig mit einer Nennleistung von 81,5 Prozent kalkuliert, vergangenes Jahr waren es 105,12 Prozent“, berichtet Rainer Bultmann, der mit Ralf Dohmen die Gesellschaftsgeschäfte führt.

Die Anlage profitierte im vergangenen Jahr besonders vom Sonnenschein im ersten Halbjahr. Der April 2020 liefert mit 4604 Kilowattstunden einen neuen Monatsrekord. So viel Strom hatte die Anlage bisher im April noch nicht geliefert. Dass es im Jahresergebnis keine neuen Rekordzahlen gab, ist der sonnenärmeren zweiten Jahreshälfte zu verdanken. Insbesondere der Oktober fiel trist aus. 1434 Kilowattstunden sind für den zehnten Monat des Jahres ein Negativrekord. Bisher war es das Jahr 2016 mit 1612 Kilowattstunden gewesen. Das drittbeste Jahresergebnis bringt der Gemeinde Ascheberg eine Dachmiete von 294,11 Euro ein. Dafür stellt sie die bestens geeignete Fläche auf der Lambertusschule für das Vorzeigeprojekt zur Verfügung. Lage und Dachneigung, so Bultmann, seien wie gemalt für eine Photovoltaikanlage. Die jährlichen Ergebnisse geben ihm Recht. Den Gesellschaftern werden je Geschäftsanteil 54,09 Euro überwiesen. Das entspreche, so die Geschäftsführer, einer Verzinsung von 11,35 Prozent.

Zum Start im Jahr 2008 haben die Gesellschafter jeweils 476,63 Euro pro Anteil an die Bürgersolarkraftwerk Ascheberg GbR überwiesen. Über die Jahren haben sie pro Anteil 644,36 Euro zurückbekommen. Die Gemeinde hat in der Zeit 3545,47 Euro als Dachmiete erhalten. Eingespeist wurden 177 343,68 Kilowattstunden. Zu Beginn hatten Geschäftsführer und Gesellschafter im Kopf, nach einiger Zeit Wechselrichter ersetzen zu müssen. Die fünfjährige Garantiezeit ist schon länger abgelaufen, bisher arbeiten alle Geräte noch problemlos.

Die Anlage mit 29,925 Kilowattpeak aus dem Jahr 2008 hat für 20 Jahre eine feste Einspeisevergütung von 46,75 Cent pro Kilowattstunde.

Drei Fragen an Rainer Bultmann

Wie sieht es bei der Photovoltaik aktuell aus? Auskunft dazu gibt Rainer Bultmann.Die Bürgersolarkraftwerke stammen aus Zeiten der sog. Volleinspeisung mit anderen Einspeisevergütungen. Diese Erlöse gibt es nicht mehr. Was motiviert Menschen im Jahr 2021, eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu setzen?Rainer Bultmann: Früher ging es darum, möglichst viel Strom zu produzieren und einzuspeisen, weil er tatsächlich gut bezahlt worden ist. Heute bauen wir vor dem Hintergrund des Eigenverbrauches im Regelfall bedarfsgerecht große PV-Anlagen, außer es kommt der Aspekt der Kapitalanlage noch hinzu. Es geht um ein dreistufiges Konzept: Zunächst wird der Eigenstrom direkt genutzt, dann folgt das Speichern und als drittes das Einspeisen gegen Vergütung. Geht es nur um effiziente Eigenstromnutzung, sollte der letztgenannte Anteil möglichst klein gehalten werden.Selbst Sonnen-Strom zu speichern war früher nicht einfach, was hat sich technisch getan?Rainer Bultmann: Früher haben wir unter anderem Blei-Gel-Batterien eingesetzt. Für eine 10-KW-PV-Anlage war so eine Batterie etwa 1,60 Meter mal etwa 1,40 Meter groß und etwa fünf bis sechs Zentner schwer. Die heutigen Lithium-Ionen-Batterien für so eine Anlage lassen sich von der Größe her mit einem Camping-Kühlschrank vergleichen, sind also deutlich kleiner und leichter.Das bedeutet also, dass auch Leute, die sich ein E-Auto anschaffen wollen, keine übergroßen Batterien benötigen?Rainer Bultmann: Generell gilt, dass der Einsatz einer PV-Anlage mit und ohne E-Auto wirtschaftlich sinnvoll ist. Der Trend geht im Moment unter anderem zu sogenannte Hauskraftwerken. In ihnen wird die gesamte Technik untergebracht, also Wechselrichter und Speicher. Dort hat sich viel entwickelt, so dass es gute Lösungen für die unterschiedlichsten Anliegen gibt. Ein E-Auto „vom eigenen Dach“ zu betanken ist sicherlich eine der wirtschaftlichsten Lösungen.hbm

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