Selbsthilfegruppe
Das Leben geht auch nach einer Amputation weiter

Ochtrup -

In Ochtrup gibt es eine Selbsthilfegruppe von Menschen, die eine Amputation durchleben mussten. Teilnehmer der Selbsthilfegruppe schätzen die Gelegenheit, sich auszutauschen. Die Gespräche geben ihnen das Gefühl, dass sie nicht allein mit ihrem Schicksal dastehen. Darüber hinaus bekommen sie von Fachleuten wie der Physio- und Lymphtherapeutin Marleen Fromme Tipps zu Hilfsmitteln.

Montag, 12.04.2021, 06:00 Uhr
Marleen Fromme Foto: Irmgard Tappe

Keine Frage. Amputationen sind harte Einschnitte ins normale Leben. Das stellt Marleen Fromme bei der Betreuung ihrer Patientinnen und Patienten immer wieder fest. „Jeder und jede Betroffene hat eine eigene Geschichte. Aber das Leben geht auch nach einer Amputation weiter. Und es ist absolut lebenswert“, sagt die Physio- und Lymphtherapeutin der Praxis Physiofit, die sich durch eine neurologische Zusatzausbildung auf die Nachbehandlung von Menschen mit Amputationen spezialisiert hat.

Im Februar 2020 gründete die Praxis Physiofit in Zusammenarbeit mit dem Sanitätshaus Santel eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Amputationen. Ein erstes Mal haben sich die Teilnehmer seither im Café des Piushospitals getroffen.

Dann kam Corona und seither ruhen die Gruppentreffen. „Sobald die Pandemie vorbei ist, wird die Selbsthilfegruppe wieder ein Mal monatlich zusammen kommen“, stellt Marleen Fromme in Aussicht. „Neben den medizinischen und therapeutischen Maßnahmen sind Selbsthilfegruppen eine wertvolle Anlaufstelle für Betroffene“, unterstreicht die Physiotherapeutin die Bedeutung dieses Angebotes, für das es auch in Ochtrup Bedarf gibt.

Ursachen des Verlustes von Gliedmaßen sind unterschiedlich. Verkehrsunfälle, Knochenkrebs oder Beinamputation aufgrund von Diabetes zählen dazu. Und manche Menschen kommen bereits mit einem derartigen Handicap auf die Welt.

Die Selbsthilfegruppe richtet sich an alle Betroffenen und deren Angehörige. Einige stehen am Anfang ihrer Einschränkung und haben zum Teil mit psychischen Problemen zu kämpfen. „Das Leben mit einer Prothese muss Schritt für Schritt erlernt werden“, weiß die Physiotherapeutin. Sie hat schon vielen Menschen durch entsprechende Bewegungstherapien wieder auf die Beine geholfen.

Fromme erzählt von Betroffenen, die trotz Beinprothese ausgedehnte Wanderungen unternehmen. Einige wagen gar Bergtouren auf Schusters Rappen, was dank der modernen Prothesen durchaus möglich ist. „Es ist für uns schön, wenn wir erleben, dass Betroffene ihren Lebensmut wiederfinden und unbeschwert mit ihrem Schicksal umgehen“, sagt Marleen Fromme. Wenn diese Leute von ihren Unternehmungen erzählen, motiviert das natürlich jene Menschen, die sich noch an die veränderte Lebenssituation gewöhnen müssen.

Teilnehmer der Selbsthilfegruppe schätzen die Gelegenheit, sich auszutauschen. Die Gespräche geben ihnen das Gefühl, dass sie nicht allein mit ihrem Schicksal dastehen. Darüber hinaus bekommen sie von Fachleuten Tipps zu Hilfsmitteln, die das Leben mit einer Beeinträchtigung erleichtern.

Der Landesverband für Menschen mit Amputationen (LVampNRW e.v.) begleitet die Ochtruper Selbsthilfegruppe. Der erste Vorsitzende Rolf Brakemeier oder sein Stellvertreter Reiner Lütkemeyer sind ebenfalls betroffen und berichten von ihren Erfahrungen.

„Wir freuen uns alle, wenn wir uns am Ende der Pandemie wieder an jedem vierten Mittwoch im Monat von 18 Uhr bis 20 Uhr treffen können“, bemerkt Marleen Fromme.

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