Herbert Grönemeyer wird 65
Glück auf, der Herbert kommt

Bochum/Münster -

Jetzt kommen auch die in die Jahre, von denen man dachte, sie seien eigentlich alterslos: Herbert Grönemeyer wird am 12. April 65. Ein Porträt.

Montag, 12.04.2021, 06:30 Uhr aktualisiert: 12.04.2021, 07:30 Uhr
„Machst mit ’nem Doppelpass jeden Gegner nass“: Herbert Grönemeyer bekannte auch im Lied seine Foto: dpa

„Bochum, ich komm aus dir“, sang er einst und flunkerte damit zugleich ein bisschen. Denn Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer, der heute 65 Jahre alt wird, kommt eigentlich aus Göttingen – allerdings wuchs er in Bochum auf. Und die zweite Zeile des berühmten Re­frains stimmt gewiss: „Bochum, ich häng an dir!“ Kein Wunder, dass der dortige Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) schwärmt: „Egal, wo sein Wohnsitz ist, für uns ist und bleibt Herbert Grönemeyer ein Bochumer Junge.“ Dass er lange in London lebte und heute in Berlin zu Hause ist: Welchen Bochumer juckt das schon?

„Seine Themen leben bis heute von einem Alltags­esprit und einer Bodenständigkeit, die es seinen Fans leicht macht, sich damit zu identifizieren“, erklärt der Kurator des Gronauer Rock’n’Popmuseums, Thomas Mania, im Gespräch mit Holger Spierig vom Evangelischen Pressedienst. Mit „Bochum“ habe er sich zu einer Stadt bekannt, die von harter Arbeit und wenig Glanz geprägt sei. Das sei äußerst ungewöhnlich in der Musik-Szene gewesen. Mit dem international erfolgreichen Grönemeyer verbinde man eher ein gezapftes Pils am Tresen als teuren Premierenchampagner.

Plötzlich als Schauspieler berühmt

Wer je in Bochum gelebt hat, kann sich bei Liedzeilen wie „Du hast’n Pulsschlag aus Stahl, man hört ihn laut in der Nacht“ einen wohligen Schauer nicht verkneifen – auch wenn das heute ebenso nach verklärter Vergangenheit klingt wie die Huldigung an den VfL „Machst mit ’nem Doppelpass jeden Gegner nass“. Und dass er früher schon die geliebte Currywurst besang („Gehße inne Stadt, wat macht dich da satt?“), hat er zwar dem poetischen Geniestreich seines Schauspielkollegen Diether Krebs zu verdanken – aber mit Grönemeyer identifiziert man den Song.

Herbert Grönemeyer hat vielleicht das Kokettieren mit seiner Ruhrgebiets-Sozialisation zum Geschäftsmodell entwickelt, ist sich und seinen Fans dabei aber immer treu und deshalb glaubwürdig geblieben. Eine berühmte Institution, das Schauspielhaus an der Bochumer Königsallee, hat ihn geprägt, dort entwickelte er sich vom Theatermusiker zum Schauspieler, der in diesem „Zweitberuf“ mit der Rolle im Kriegsfilm „Das Boot“ plötzlich berühmt wurde. Danach galt er lange Zeit als Schauspieler, der nebenher auch so seltsam sang – eigentlich war es andersrum. Kurios, wenn man sich heute den Film „Frühlingssinfonie“ ansieht, in dem er in den frühen 1980er Jahren neben Nastassja Kinski und Rolf Hoppe als Komponist Robert Schumann agiert. Ganz ehrlich: Mit der Schallplatte „4630 Bochum“ überzeugte er zwei Jahre später weitaus mehr.

Ohne Zweifel ein guter Musiker

Wie jeder Künstler, der ein Publikum nachhaltig berührt, schöpfte Grönemeyer immer auch aus seiner Biografie, machte seine Haarlocke, das „ö“ seines Namens, seine durchaus eingestandene Naivität („Kinder an die Macht!“) zu Markenzeichen. Und er vermochte es sogar, persönliche Schicksalsschläge so zu thematisieren, dass es nicht peinlich, sondern bewegend wurde: Kurz hintereinander verlor Herbert Grönemeyer im Jahr 1998 einen seiner Brüder und seine erste Frau, wofür er in „Der Weg“ ergreifende Worte und Klänge findet.

Auch hat er nie einen Hehl daraus gemacht, wie wohlhabend er durch seine Musikerkarriere wurde – was dazu beiträgt, dass die Fans auch sein Eintreten für sozial Schwächere oder die Corona-Alltagshelden als glaubwürdig empfinden. Sein älterer Bruder übrigens, der populäre Arzt Dietrich Grönemeyer, arbeitet – natürlich – in Bochum.

Vieles kann man an Herbert Grönemeyer bekritteln, von Texten, die poetisch auch mal übers Ziel hinausschießen, bis hin zu einem Gesangsstil, der auf rauer Stimm-Grundlage die Silben mehr herausstößt als aneinanderbindet. Doch ohne Zweifel ist er ein guter Musiker – so trägt seine Instrumentalmusik zum bekannten George-Clooney-Film „The American“ erheblich zur Atmosphäre des Werks bei. Und sein Gespür für Themen macht ihn zum bedeutenden Song-Poeten. Den man als alter Bochumer immer noch einfach „Herbert“ nennt.

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