Ausflugstipp
Stever-Land-Route – ein Radweg mit hohem Erlebniswert

Nottuln/Senden/Lüdinghausen -

„Wo die Stever ist? Keine Ahnung.“ Der Fluss zwischen Nottuln und Haltern am See zählt nicht zu den bekanntesten. Verdient hat er das nicht. Neuerdings spielt er sogar die Hauptrolle einer erlebenswerten Radroute.

Montag, 03.05.2021, 08:55 Uhr aktualisiert: 03.05.2021, 09:01 Uhr
Die meisten Radler erleben die Stever-Land-Route in Etappen und nutzen die Rückwegvorschläge aus dem Tourenbuch. Foto: Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V.

Markus Kleymann ist kürzlich sämtliche 70 Kilometer der neuen Stever-Land-Route abgeradelt – und war beeindruckt. „Das ist toll geworden“, sagt der Chef des Kulturamtes in Senden. Seine Mittagspause verbringt er neuerdings am liebsten auf den Bänken in der Nähe des Busbahnhofes; dort, wo die Zweige einer Trauerweide sanft über die Wasseroberfläche fegen. Schulklassen können hier hoffentlich bald wieder eine der 14 Mitmach- und Infostationen der Radroute nutzen und aus der Kiste neben den Bänken die Kescher hervorholen, um damit durch das niedrige Wasser zu waten. Bachflohkrebse, Eintagsfliegen – Winzlinge scheinen diesen Teil der Stever besonders zu lieben. Kleymanns Lieblingsabschnitt auf der neuen Stever-Land-Route? „Die sieben Kilometer zwischen Appelhülsen und Senden. Da sieht man die Stever auf der ganzen Strecke und erlebt, wie aus einem Rinnsal langsam ein Fluss wird.“

Catharina Kähler gefällt es etwas weiter nördlich noch ein bisschen besser; dort, wo die Stever sich ziemlich schüchtern anschickt, ein Fluss zu werden. „Ich bin ein großer Fan des Stevertals. Man hat das Gefühl, mitten in einer unberührten Natur zu sein.“ Und zu Zeiten der Obstblüte verdient das Stevertal in den Baumbergen sogar eines der stärksten Adjektive: spektakulär.

Das Stevertal – zur Obstblüte spektakulär

Catharina Kähler gehört zu den wenigen Menschen, die jeden Meter der neuen Familienradroute kennen – und genießen. Die Landschaftsökologin hat das Projekt für das Naturschutzzentrum Coesfeld betreut und eng mit den sieben Kommunen, die die Stever durchfließt, und dem Kreis Coesfeld zusammen gearbeitet. Was dabei entstanden ist? Aus der Stever, deren Wasserqualität sich seit den 1960er Jahren deutlich verschlechtert hat, ist – zumindest teilweise – wieder ein Fluss geworden, der das Wasser und seine Lebewesen in ein ökologisches Gleichgewicht bringt. Fischtreppen, renaturierte Abschnitte ohne Betonelemente: Flüsse können Refugien der Natur sein – wenn man sie denn lässt.

Und das war jahrzehntelang das Problem. Die Flussbegradigungen zum Hochwasserschutz in den 1960er Jahren waren sicherlich praktisch – den Flüssen haben sie aber nicht gedient. Und die Betonstufen, die die Fließgeschwindigkeit der Stever drosseln sollten, dürften Orte des Grauens für Fische gewesen sein. An mehreren Stellen des 58 Kilometer langen Flusses rinnt das Wasser neuerdings auf Fischtreppen über sanft geschwungene Wege. Eine Art Zebrastreifen für Fische. All das macht die Stever nicht automatisch wieder zu einem völlig unproblematischen, ökologisch vorbildlichen Fluss. Der Maßnahmenkatalog jedoch ist vielversprechend.

Vor 6000 Jahren siedelten sich die ersten Menschen an

Dabei bedeutete die Stever jahrhundertelang Leben. Vor 6000 Jahren begannen die ersten Menschen, sich im Münsterland niederzulassen. Und sie wählten die Baumberge. Das kristallklare Wasser der Quelle versprach Zukunft und Leben. Jahrtausende lang nahmen Menschen das Wasser für sich und ihre Tiere direkt aus der Stever. Heute wäre das eine nicht so gute Idee – jedenfalls nicht für die Menschen. . .

Die meisten Radler entdecken die Stever-Land-Route in Etappen mit Rückwegoptionen. Beispielsweise von Nottuln nach Senden oder von Olfen nach Haltern am See. Und viele von ihnen dürften sich dabei wie Entdecker und Historiker fühlen. Sie lernen Mühlen kennen, die das Wasser der Stever angetrieben hat. Und natürlich Burgen wie die Burg Vischering, die an diesem Ort ohne die Stever als Lebensquelle nicht denkbar gewesen wären. Nur eines sehen sie nicht – die Quellen im unzugänglichen Naturschutzgebiet, in dem aus vielen tümpelartigen Zuläufen die Stever entsteht. Das macht aber nichts: Der große Rest entschädigt allemal.

Infos zur Stever-Land-Route

Das Begleitbuch als Radtourenführer enthält viele zusätzliche Tipps und ist in der „Tourist Information“ der beteiligten Kommunen erhältlich oder kann online heruntergeladen werden.

www.steverlandroute.de

www.naturschutzzentrum-coesfeld.de

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