Missbrauchsfall Münster
35-jähriger Angeklagter legt Teilgeständnis ab

Münster/Warendorf -

Im Missbrauchsfall Münster hat am Montagmorgen ein weiterer Prozess begonnen. Ein 35-Jähriger aus dem Kreis Warendorf soll den heute elfjährigen Ziehsohn des mutmaßlichen Haupttäters Adrian V. schwer sexuell missbraucht haben. Der Angeklagte legte ein Teilgeständnis ab.

Montag, 03.05.2021, 16:00 Uhr aktualisiert: 03.05.2021, 21:00 Uhr
Im Missbrauchskomplex Münster hat der Prozess gegen einen 35-Jährigen aus Warendorf begonnen. Foto: Beate Kopmann

Im Missbrauchsfall Münster hat am Montagmorgen mit der Anklageverlesung gegen einen 35-Jährigen aus dem Kreis Warendorf ein weiterer Prozess vor dem Landgericht begonnen. Der Mann legte ein Teilgeständnis ab. Das könnte dem elfjährigen Jungen, der von diesem Mann missbraucht wurde, eine Aussage vor Gericht ersparen.

Vor dem Landgericht Münster begann am Montag der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus Ostbevern, dem zur Last gelegt wird, den heute Elfjährigen zwischen Ende 2019 und Frühjahr 2020 bei drei Gelegenheiten schwer sexuell missbraucht zu haben. Bei dem Jungen handelt es sich laut den Ermittlungen um den Ziehsohn von Adrian V. aus Münster. Dieser gilt in dem Tatkomplex als Drahtzieher und sitzt in einem weiteren Prozess am Landgericht auf der Anklagebank.

Treffen mit Adrian V.

Adrian V. soll den Sohn seiner Lebensgefährtin selbst immer wieder vergewaltigt und ihn anderen Männern zur Verfügung gestellt haben. Mit dem angeklagten Mann aus Ostbevern soll er seit 2019 in Kontakt gestanden und sich zu Treffen verabredet haben, um dem Kind schwere sexuelle Gewalt anzutun.

Eine weitere Anklage gegen den 35-Jährigen aus Ostbevern wurde vor Gericht zurückgezogen. Zunächst hieß es, der Mann habe auch einen siebenjährigen Jungen aus seinem Bekanntenkreis missbraucht. In diesem Fall konnte das Gericht aber kein strafbares Verhalten erkennen.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Bereits kurz nach dem Prozessauftakt gegen den 35-Jährigen am Montagmorgen wurde die Öffentlichkeit für die Anklageverlesung ausgeschlossen. So sollte verhindert werden, dass Details bekannt werden, die dem Opfer schaden könnten.

Der Angeklagte, der nach seiner Verhaftung die Missbrauchsvorwürfe zunächst abgestritten hatte, erklärte sich kurz nach Verhandlungsbeginn bereit, sich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu äußern. Auch das geschah wiederum unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bereits am ersten von neun geplanten Verhandlungstagen legte der Angeklagte ein Teilgeständnis ab.

Was genau mit „Teilgeständnis“ gemeint ist, konnte Dr. Steffen Vahlhaus, Pressesprecher am Landgericht, nicht sagen. Das Strafmaß bei schwerem sexuellen Kindesmissbrauch liegt zwischen zwei und 15 Jahren. Der Prozess wird am 10. Mai fortgesetzt.

30 Verdächtige in Untersuchungshaft

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Tatkomplexen in Nordrhein-Westfalen, die seit dem Jahr 2019 aufgedeckt wurden. Es geht dabei um sexuelle Gewalt an einer Vielzahl von Kindern und um große Netzwerke mit zahlreichen Beteiligten und Opfern. In dem Tatkomplex gibt es über 40 Tatverdächtige, von denen rund 30 in Untersuchungshaft sitzen.

Etwa 30 Kinder sollen Opfer geworden sein, besonders häufig der Ziehsohn des 28-jährigen Münsteraners. Der Hauptprozess steuert auf die Schlussplädoyers zu. 

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