Rückblick aufs dritte Jazzfest Gronau 1991
Ein Spitzentreffen der Gitarristen

Gronau -

Die vierte Auflage des Jazzfests Gronau fand vom 22. bis 26. April 1992 statt.

Dienstag, 04.05.2021, 16:52 Uhr
Philippe Catherine, John McLaughlin, Otto Lohle und Theo Eimann im Backstagebereich der Jazzfabrik. Foto: Klaus Wiedau

In der Serie über die Geschichte des Jazzfests Gronau geht es heute um die dritte Auflage vom 25. bis 28. April 1991. Ein Urgestein des Rhythm‘n‘Blues war einer der Stars beim dritten Jazzfest: Fats Domino. Er war bereits zum zweiten Mal zu Gast in Gronau, nach einem Konzert zwei Jahre zuvor, das jedoch nicht im Rahmen des Jazzfestes stattfand.

Doch Domino war nur einer der Stars der Musikszene. Denn das sich stilistisch immer vielfältiger gebärdende Festival hatte mit dem Trio des britischen Gitarristen John McLaughlin mit Trilok Gurtu (Perkussion) und Dominique di Piazza (Bass) ein absolutes weiteres Glanzlicht auf dem Programm. Mit dem belgischen Gitarristen Philip Catherine und seinen Mitstreitern Hein van de Geijn (Bass) und Dre Pallemaerts (Schlagzeug) war ein weiteres Trio zugegen, das zeitgenössischen Jazz darbot.

Leider litten die Konzerte durch die unzulänglichen Gegebenheiten in der Jazzfabrik. McLaughlin kam mit dem Stimmen seines Instruments in der Halle kaum nach und wollte schon verzweifelt das Konzert absagen. Es bedurfte heftigster Überredungskünste der Organisatoren, ihn zum Spielen zu bewegen. „Danach kündigte er an, nie wieder in Gronau auftreten zu wollen“, erinnerte sich Jazzfest-Organisator Otto Lohle. Das „Nie“ währte immerhin 18 Jahre . . .

In der unruhigen Halle erlebten die Fans trotz der Einschränkungen akustischer Art konzertante Kostbarkeiten. Catherines fein ziseliertem Gitarrenspiel stand die gnadenlose Virtuosität McLaughlins und seines Trios gegenüber.

Im Backstagebereich kam es nach dem Konzert zu einem Treffen der beiden Gitarristen, die in angeregter Stimmung fachsimpelten.

Währenddessen verwandelten Boogie-Pianist Al Copley und Bluesmusiker Louisiana Red die Jazzfabrik wieder in einen Ort, in dem die Atmosphäre nur so brodelte.

Fats Domino und sein Orchester kamen am Samstagabend zu einem mitternächtlichen Konzert nach Gronau – nach einem Gig in Zwolle. Vom „Domino-Fieber“ wurden rund 3000 Besucher angesteckt. Auch das Konzert des „Fat man“ – der sein Instrument während des Konzerts über die Bühne schob – wurde durch technischen Pannen beeinträchtigt. Doch der Anziehungskraft seiner Hits konnte sich letztendlich niemand entziehen. Auch für Jazzfest-Organisator Elmar Hoff – seit Jahren ein großer Fan des Manns aus New Orleans – ist das Wiedersehen mit seinem Idol ein Fest.

Dem Konzert vorgeschaltet waren Auftritte von Musikern, die in der Hamburger Jazzszene Rang und Namen hatten: Münster‘s Old Merry Tale Jazzband, Jo Bohnsack oder die Jazz-Lips und Hotshots.

Die Bahnhofstraße mutiert am Freitagabend während der Kneipennacht wieder zur Bourbon Street. Dort und in weiteren Gaststätten steppt der Bär. Vor allem Deanna Bogart bringt die Zuhörer mit ihrer Band zur Ekstase. Es sollte nicht ihr letzter Auftritt in Gronau sein . . .

Auch dem Free Jazz wird wieder Platz im Jazzfest-Programm eingeräumt. Peter Brötzmann aus Wuppertal und der Schweizer Werner Lüdi improvisieren mit ihren Saxofonen im Jugendzentrum Luise. Totale Energie.

Während des Euregio-Tags in der Innenstadt hängt eine jazzige Klangwolke über der City.

Eigentlich hätte am dritten Abend der Klarinettist Monty Sunshine auftreten sollen. Doch der sagte ab – dafür machten die Tremble Kids einen Zwischenstopp auf ihrer Tournee. Von Basel geht es über Gronau nach Wien. Mit dabei sind Trompeter Oscar Klein und Schlagzeuger Charly Antolini, die schon im Jahr zuvor von Gronauer Jazzfest angefixt worden waren . . .

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