Rückblick
Erstes Jazzfest war eine riesige Party

Gronau -

2020 war das erste Jahr ohne Jazzfest in Gronau seit 1989.Die WN nutzen die veranstaltungsarme Zeit für einen Rückblick auf die Anfänge. Wie kam es eigentlich zum Jazzfest in Gronau?

Dienstag, 04.05.2021, 18:18 Uhr
Die Bahnhofstraße 1989. Der „Elefant“ wurde zur Jazzfabrik. Foto: Heinrich Niehoff

2020 war das erste Jahr ohne Jazzfest in Gronau seit 1989.Die WN nutzen die veranstaltungsarme Zeit für einen Rückblick auf die Anfänge. Wie kam es eigentlich zum Jazzfest in Gronau? „Die Idee entstand im Sommer 1988 in der Gaststätte Determann“, erinnerte sich Elmar Hoff, damals Leiter des Schul- und Kulturamts bei der Stadtverwaltung und einer der Jazzfest-Gründerväter, bei einem Gespräch mit den WN vor einigen Jahren. „Rolf Wagemann aus Gelsenkirchen, verheiratet mit einer Eperanerin, war zu Gast in Gronau. Bei Determann traf er den hiesigen Geschäftsmann Manfred Haupt. Sie kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass Wagemann in Gelsenkirchen ein Jazzfestival organisierte – und Haupt war sofort Feuer und Flamme. So etwas müsste doch auch in Gronau zu organisieren sein?“

Feuer und Flamme

Fachkundiger Rat war gefragt. Gronaus „Captain Jazz“, Jazztrommler Theo Eimann, machte mit. Dritter im Bunde war Elmar Hoff. Otto Lohle, damals Stadtjugendpfleger, komplettierte das Quartett. Die vier gründeten den privat haftenden Arbeitskreis Jazzfest, der die Infrastruktur der Stadtverwaltung nutzen durfte.Ende 1988, als die Pläne für das Ereignis langsam Gestalt annahmen, ächzte die Stadt unter den gravierenden Auswirkungen der Arbeitslosigkeit durch den Niedergang der Textilindustrie.

Die finanziellen Belastungen des städtischen Haushalts waren enorm – und unter diesen Voraussetzungen sollte ein Musikfest durchgeführt werden? Wer sollte das bezahlen? Manfred Haupt nutzte sein Netzwerk, um die lokale Kaufmannschaft und Unternehmen für das Projekt zu gewinnen. Hans Klaas, der inzwischen verstorbene Seniorchef des Unternehmens Klaas & Kock, legte den finanziellen Grundstock und wurde Kultursponsor der ersten Stunde.

70 000 Mark (knapp 36 000 Euro) betrug der Etat, rund 15 Prozent kamen aus der öffentlichen Hand.Der Zutritt zu den Konzerten war gratis. Nicht nur deshalb stieß die erste Jazzfest-Auflage Ende April 1989 in der Bevölkerung auf ungeahnten Zuspruch. In einer WN-Umfrage sollte es sogar zum „Ereignis des Jahres“ gekürt werden.

Konzerte im „Elefanten“

Der Textilkrise verdankte das Festival den Veranstaltungsort für die Großkonzerte: den „Elefanten“, eine riesige, leerstehende Fabrikhalle an der Bahnhofstraße. Platz satt – aber die Akustik war bescheiden. Vieles wurde improvisiert. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Drei Tage dauerte das erste Fest. Stilistisch orientierte es sich an den traditionellen Spielarten des Jazz: Blues, Gospel, Dixie, Swing.

Am Freitag wurde der Keim für die legendären Kneipenkonzerte gelegt. Jazz-Combos spielten in verschiedenen Gaststätten. Am Samstag Jazz, dann Jazz in der City und die erste Jazz-Gala, wie sie genannt wurde: In der Jazzfabrik traten unter anderem die Dutch Swing Collage Band und – spät in der Nacht – Lillian Boutté und her Music Friends auf. Die Sängerin sorgte mit ihrem unbekümmerten Auftritt für einen mitreißenden Abend. Thomas L‘Etienne, Bouttés Ehemann und Klarinettist/Saxofonist der Band, war baff: „Ich komm‘ ja aus Hamburg, und ich sag euch: Die Hamburger können noch was lernen. Es ist 2 Uhr, und ihr seid immer noch fantastisch drauf.“ Da konnte er nicht nicht ahnen, dass auch um halb vier die begeisterten Zuhörer noch Zugaben verlangen würden . . .Lillian Boutté, musikalische Botschafterin aus New Orleans, sollte noch mehrfach in Gronau auftreten. Leider ist die mittlerweile 71-Jährige an Alzheimer erkrankt. Sie wird von ihrer Familie gepflegt.

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