Prozess vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags / Zeugin belastet Angeklagten
„So viel Blut habe ich noch nie gesehen“

Münster/Gronau -

Die junge Frau hatte eine Verabredung in einem Lokal in der Bahnhofstraße. Zufällig trifft sie hier einen ehemaligen Mitschüler aus Grundschulzeiten wieder. Die beiden stoßen auf das unverhoffte Wiedersehen an, dann wendet sich jeder wieder seinen Bekannten zu. Als die 26-Jährige den ehemaligen Mitschüler in dieser Nacht auf der Bahnhofstraße noch einmal trifft, ist dieser über und über voll Blut. „Ich habe noch nie zuvor so viel Blut gesehen.“

Dienstag, 18.03.2014, 18:55 Uhr

So schilderte am Dienstag eine Zeugin vor dem Landgericht Münster die Vorfälle aus der Nacht vom 12. auf den 13. Mai 2013, bei denen zwei Männer durch Schnitte am Hals schwer verletzt wurden. Als Täter verdächtig sind drei Männer. Einer von ihnen sitzt auf der Anklagebank, die beiden anderen sind auf der Flucht und werden mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Und die 26-Jährige sagte auch aus: Als sie den ehemaligen Mitschüler blutüberströmt gesehen habe, habe nur zwei, drei Meter entfernt ein Mann gestanden. Der habe ein blutverschmiertes Butterfly-Messer in der rechten Hand gehalten und an seinem Ärmel oder seiner Jeans abgewischt. Der gleiche Mann sei später noch mal in das Lokal gekommen, in dem der Streit seinen Anfang genommen hatte. Er habe eine Pistole gezogen, diese auf die Theke gerichtet und offensichtlich etwas oder jemanden gesucht.

Sie sei sich ganz sicher, dass es sich bei dem Mann, der erst das Messer hielt und später mit der Pistole herumfuchtelte, um den Angeklagten handele. Bei dieser Aussage blieb die Zeugin auch, als der vorsitzende Richter sie mit kleinen Ungereimtheiten im Vergleich mit ihren Aussagen bei der Polizei und mit Widersprüchen zu anderen Zeugenaussagen konfrontierte. „Ich habe bei der Polizei keinen Mist erzählt, sondern das, was ich noch wusste.“ Eventuelle Abweichungen erklärte sie damit, dass die besagte Nacht inzwischen fast ein Jahr zurück liege.

Unaufgelöst blieb aber insbesondere ein Widerspruch: Laut einer Gutachterin des Landeskriminalamts NRW war zwar Blut eines Opfers an der Kleidung des Angeklagten, allerdings nicht an den Stellen, an denen er das Messer abgewischt haben soll. Andererseits gibt es auch verschiedene Aussagen darüber, dass der Angeklagte sich im Laufe der Nacht umgezogen habe.

Drei Zeugen, die ebenfalls am Dienstag gehört wurden, konnten auch kein entscheidendes Licht in die Dunkelheit der Tatnacht bringen. Drei weitere Zeugen erschienen am Dienstag nicht und wurden für den nächsten Verhandlungstag (nächsten Dienstag, 25. März) erneut geladen. Neben ihnen und weiteren Zeugen soll dann auch ein Rechtsmediziner gehört werden.

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