SOM führte das „Stabat mater“ auf
Ein Idyll zerbricht

Gronau -

Gute Musik hat der Sprache etwas voraus: Sie vermittelt Emotionen auf eine Weise, die die Möglichkeiten von Worten überschreiten. Auch Gefühle der Trauer und Verzweiflung lässt Musik nachempfinden, wenn sie entsprechend komponiert – und interpretiert wird.

Dienstag, 18.03.2014, 06:55 Uhr

Musik eignet sich als Emotionsträger auch deutlich besser als die visuelle Kunst. Dabei steht beim „Stabat Mater“ eigentlich ein Bild als Ausgangsmotiv für die Vertonung: das von Maria, die am Kreuz das Leiden ihres Sohnes Jesu verfolgt. Ihre Klage – als lateinisches Gedicht schon um 1300 verfasst – diente etlichen Komponisten als Grundlage für eine Vertonung. Darunter war auch Giovanni Battista Pergolesi , dessen „Stabat Mater“ das Symphonieorchester Rheine gemeinsam mit Renate Lücke-Herrmann (Sopran) und Christina Schmitt (Alt) am Sonntag in der Ev. Stadtkirche aufführte.

In allen Kunstformen wird Maria mit den Attributen Idyll, Zartheit, Geborgenheit assoziiert. Unter dem Kreuz jedoch bricht das liebliche Idyll zusammen – dennoch ist es keine Wut über das ungerechte Schicksal, die sich nun in der Figur Marias Bahn bricht. Trauer, innere Zerrissenheit und Wehmut hat Pergolesi in seiner Komposition musikalische Gestalt gegeben. Dissonanzen geben diese Gefühlswelt wieder. Hier die richtige Balance zu finden, ist eine Kunst für sich. Auch für die Interpreten.

Das SOM unter der Leitung von Klaus Böwering agierte mit angemessener Zurückhaltung bei der dramatischen Ausgestaltung des Werkes. Die Gefühlsaufwallungen, das Aufbegehren gegen das Schicksal sind dezent, aber wirkungsvoll.

Die Solo-Arien der beiden Sängerinnen transportieren die Emotionen. Die Duette verdoppeln die Wirkung nicht nur: Der gemeinsame Gesang gibt der Musik naturgemäß sowieso schon eine weitere Dimension; Lücke-Herrmann und Schmitt verwoben ihre Stimmen zu einem dichten, dennoch transparenten Geflecht, von dem eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausging. Die Musik traf das zentrale Nervensystem der Zuhörer unmittelbar. Grandios.

Das Adagio in g-Moll für Orgel und Streicher von Tomaso Albinoni bildete das passende Vorspiel für das „Stabat mater“. Der elegische Charakter des Werkes mit den feinen Soli von Han Vinke (Violine) und Peter Petermann (Orgel) führte stimmungsvoll zum Hauptwerk des Nachmittags.

Mit minutenlangem Applaus dankte das Publikum am Ende den Vortragenden für eine Darbietung voller Empathie.

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