Die Grünen im Kreis setzen sich für mehr Polizisten ein / Bundestagsabgeordneter muss um Mandat bangen
Mit Veggie-Burgern gegen den Umfrage-Trend

Kreis Coesfeld. Die Umfrageergebnisse sind im Keller. Aktuell empört sich das Netz über die angebliche Dienstwagen-Doppelmoral von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann. „Die Lage ist ernst. Da gibt es nichts zu beschönigen“, sagt Bio-Bauer Friedrich Ostendorff (64) aus Bergkamen über die Ausgangssituation für Bündnis 90/Die Grünen im Superwahljahr, an dessen Ende er wieder für den hiesigen Wahlkreis in den Deutschen Bundestag einziehen will. 2005 war er da schon mal rausgeflogen, weil seine Partei schwächelte. Für Listenplatz 12 hat er sich sogar gegen den „Promi“ Volker Beck durchgesetzt. Nur sechs Prozent, wie Meinungsforschungsinstitute den Grünen derzeit vorhersagen, werden aber auch damit nicht für einen Einzug reichen. Ostendorff bleibt trotzdem gelassen: „Dann kommt die Rente etwas früher“, lacht er.

Donnerstag, 13.04.2017, 10:21 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 12.04.2017, 18:19 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 13.04.2017, 10:21 Uhr
Ziehen optimistisch in den Wahlkampf: (v. l.) Grünen-Kreissprecherin Dr. Anne-Monika Spallek Bundestagsabgeordneter Friedrich Ostendorff und Landtagskandidatin Mareike Raack. Foto: Detlef Scherle

Aber ausgemacht ist das noch nicht. „Wir werden kämpfen“, kündigt er im Gespräch mit unserer Zeitung an. Es gehe letztlich ja auch nicht um seine Person oder die Partei, sondern um Themen, die alle beträfen. „Dafür braucht es uns. Kein anderer wird das tun“, spricht er den „bedrohlichen Klimawandel“ an, aber auch den „dramatischen Artenrückgang“ und eine Wende in der Landwirtschaftspolitik für mehr Tierschutz und Ressourcenschonung. „Leider haben diese grünen Themen derzeit keine Konjunktur“, stellt er fest. „Sie bleiben aber wichtig.“ Erinnerungen werden wach an den ersten Wahlkampf im vereinten Deutschland, als 1990 alle über die Einheit sprachen und nur die Grünen über das Wetter (Klima). Damals mussten sich zumindest die West-Grünen für eine Legislaturperiode aus dem Bundestag verabschieden.

Erstmal geht es am 14. Mai um die Fortsetzung der rot-grünen Koalition in NRW. Gesicht dafür zeigen als Direktkandidaten im Kreis Coesfeld (beide ohne Listenabsicherung und damit so gut wie chancenlos) Mareike Raack aus Coesfeld und Patrick Jansen aus Dülmen. Und sie wollen im Wahlkampf nicht nur die urgrünen Themen beackern. „Man muss die Gefahren ernst nehmen“, spricht Raack (24) den jüngsten Terroranschlag an. Auch die Grünen seien „für mehr Polizeipräsenz“ und für einen Erhalt der dezentralen Struktur mit den Landrats-Polizeibehörden. CDU und FDP, erinnert Raack, hätten zu ihrer Regierungszeit 10 000 Stellen bei der Polizei in NRW gestrichen. Rot-Grün habe schon danach 8000 zusätzlich eingestellt. Und es sollen noch mehr werden.

Im Wahlkampf setzt die grüne Partei vor allem auf die Ansprache an der Haustür. „Wir wollen zeigen, dass wir uns um die Anliegen der Bürger kümmern“, erläutert Dr. Anne-Monika Spallek, Kreissprecherin aus Billerbeck. Und es gehe grundsätzlich darum, darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, überhaupt zur Wahl zu gehen.

Aber auch in mehr Großplakate als in vorausgegangenen Wahlkämpfen investieren die Grünen im Kreis Coesfeld. Über 30 der so genannten „Wesselmänner“ wurden diesmal angemietet. „Die werden einfach mehr wahrgenommen als die kleinen Plakate“, so Spallek. Pfiffige Aktionen – insbesondere mit der Grünen Jugend – sollen den Wahlkampf der beiden jungen Kandidaten abrunden. Am 28. April bauen sie Torwand und Kicker in Havixbeck auf, um Jungwähler zu erreichen. Am 3. Mai gibt es in Coesfeld kostenlose vegetarische Burger.

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