Beratungsstelle in Dülmen registriert 264 Anfragen mehr als im Vorjahr / Internet-Probleme nehmen zu
Verbraucherzentrale gefragter denn je

Kreis Coesfeld. Rat und Hilfe von der Verbraucherzentrale ist im Kreis Coesfeld gefragter denn je. Im vergangenen Jahr bearbeiteten die drei Mitarbeiter Susanne Terwey, Laura Lüders und Uli Mensing von der Beratungstelle in Dülmen 5615 Anfragen. Das sind 264 mehr als 2015. „Zunehmend beschäftigen uns Verbraucherprobleme im digitalen Konsumalltag“, berichtete Leiterin Terwey gestern bei der Jahrespressekonferenz der Einrichtung in Dülmen. Zwar gebe es immer noch krumme Geschäfte an der Haustür, lächelte sie, aber an der Häufigkeit der Anfragen zu Internet-Themen sei erkennbar, dass sich auch dort immer mehr Abzocker und Betrüger tummelten. So müssten sich viele Verbraucher im Kreis Coesfeld mit unberechtigten Inkasso-Forderungen von Internet-Firmen auseinandersetzen. Und auch mit dem Smartphone könne man schnell in von findigen Geschäftemachern aufgestellte „Fallen“ tappen. Bei Handy-Verträgen seien oftmals Flüchtlinge die Leidtragenden, weil sie aufgrund fehlender Erfahrung und Sprachkenntnisse nicht selten für sie ungünstige Verträge abschlössen und sich ungewollt verschuldeten. „In ihren Heimatländern gibt es gar keine Verträge mit so langer Laufzeit“, erklärte sie. Da laufe alles im Prepaid-Verfahren. Um Migranten zu beraten, führt die Verbraucherberatung regelmäßig Sprechstunden im Café International in Dülmen durch.

Donnerstag, 08.06.2017, 10:34 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.06.2017, 18:32 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 08.06.2017, 10:34 Uhr
Den Jahresbericht 2016 der Verbraucherzentrale in Dülmen stellten Leiterin Susanne Terwey und ihr Mitarbeiter Uli Mensing vor. Foto: Detlef Scherle

Immer wieder hatte Terwey praktische Beispiele aus dem Beratungsalltag parat. Sie erzählte von einem Rosendahler, der einen Wartungsvertrag für einen Blitzableiter abgeschlossen hatte, der sich immer wieder um 10 Jahre verlängerte. Erst als er die Verbraucherberatung einschaltete, wurde er aus dieser illegalen Praxis entlassen. So lange Verlängerungen seien nämlich gar nicht mehr zulässig – auch nicht wenn das so im alten Vertrag steht.

Helfen konnte die Verbraucherberatung auch einer Sendenerin, die zu einem Energielieferanten gewechselt war, der dann unterjährig die Preise erhöhte. „Darauf hätte er hinweisen müssen. Und dann hätte die Kundin eine sechswöchige Frist zur Kündigung gehabt“, so Terwey.

Ärger gibt’s auch mal im Urlaub, wie der Fall einer Dülmener Familie zeigt, deren Flieger nicht wie angekündigt am frühen Nachmittag, sondern erst am späten Abend auf Mallorca gelandet war. Nach einer EU-Verordnung muss der Veranstalter dafür einen Ausgleich zahlen. Im vorliegenden Fall konnten pro Familienmitglied 250 Euro erstritten werden – „die kamen dann zu Weihnachten“.

Insgesamt 236 Rechtsvertretungen – rund 50 mehr als im Vorjahr – hat die Verbraucherberatung kreisweit übernommen. „In 70 Prozent der Fälle waren wir erfolgreich“, freute sich Terwey über eine hohe Quote. Es gab allerdings auch Fälle, wo nichts zu machen war. Besonders gut im Gedächtnis geblieben ist der Beratungsstellenleiterin der Fall eines jungen Mannes („Der tat mir sehr leid, weil er nur wenig Geld hatte.“) Der hatte sich für den Muskelaufbau Nahrungsergänzungsmittel aus den USA bestellt. Er überwies 150 Euro – die Produkte kamen aber, obwohl er einen regen Briefwechsel mit dem Anbieter führte, nie an. „Fake-Shops im Internet“ – auch das sei ein zunehmendes Problem. Da bleibe der Verbraucherzentrale aber nur, immer wieder davor zu warnen.

Prävention hat sie sich ohnehin auf die Fahnen geschrieben. So war sie bei Senioren-Messen in Coesfeld und Dülmen präsent, bei den Energie-Tagen in Dülmen, schulte Interessierte in Vorträgen zu den unterschiedlichsten Themen und führte an Schulen „Durchblick-Veranstaltungen“ durch, bei denen Fragen aus der Lebenswelt von Schülern aufgegriffen wurden.

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