Mit Alois Bosman geht nach 49 Jahren der dienstälteste Kreismitarbeiter in Ruhestand
Zuerst Zigarren-Besorger – zuletzt Lotse

Kreis Coesfeld. Ein guter Lotse kennt den heimischen Hafen wie seine sprichwörtliche Westentasche; er berät den Kapitän (Landrat) und den Ersten Offizier (Kreisdirektor), die das Kommando haben. Er schöpft aus langer Erfahrung, weiß um Untiefen und Gefahrenpunkte, kennt aber auch die schönsten Stellen. An das geflügelte Wort vom Lotsen, der von Bord geht, erinnerte sich mancher, als jetzt beim Kreis Coesfeld die Ära Alois Bosman endete – nach genau 49 Jahren und zwei Monaten. In einer Feierstunde dankten ihm Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Kreisdirektor Joachim L. Gilbeau für seinen treuen Dienst und großen, prägenden Einsatz: „Der Abschied fällt nicht leicht, und wir werden Sie in bester Erinnerung behalten“, betonte der Landrat.

Montag, 12.06.2017, 18:47 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 12.06.2017, 18:45 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 12.06.2017, 18:47 Uhr
Bei der Verabschiedung: (v. l.) der neue Landrats-Büroleiter Wolfgang Heuermann, Kreisdirektor Joachim L. Gilbeau, Neu-Pensionär Alois Bosman, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Personalratsvorsitzender Stephan Terfloth. Foto: Christoph Hüsing

Die berufliche Spanne reichte vom Auszubildenden, der in Sitzungen für den Zigarren-Nachschub der Kreistagsmitglieder zu sorgen hatte, bis zum Büroleiter des Landrates – eine Funktion, die Bosman seit Mai 2011 innehatte. Seine Vita umfasst elf dienstliche Stationen und sieben Beförderungen. Damit verbunden sind zahlreiche Erlebnisse – „spannender als jeder Krimi“, fand der Landrat. So berichtete Bosman von Wendezeit und Wiedervereinigung, was „ein Stück deutscher Geschichte war, das man miterleben durfte“. Schon vorher kannte er die frühere DDR, war als Kreisgeschäftsführer des „Kuratoriums Unteilbares Deutschland“ aktiv. Tatkräftig half er später beim Verwaltungsaufbau im Partnerkreis Neuruppin. Noch heute schult Bosman als Dozent Verwaltungsfachkräfte in Brandenburg.

Von 1989 bis 2002 war Alois Bosman der Pressesprecher des Kreises Coesfeld: Kenntnisreich, stets gut informiert und meinungsstark – so konnte er sich des Respekts der Presseleute sicher sein. Mit den Medien hat er auf Augenhöhe kommuniziert und war das, was man bewundernd einen „alten Hasen“ nennt. Er ist ein Verwaltungsmann durch und durch, weiß aber auch, wie Medien „ticken“. Das Bild des Kreises hat Bosman über die Jahrzehnte geprägt: von der Pressemitteilung bis hin zum Buchprojekt, vom Amtsblatt bis hin zur Internetpräsenz.

Durch tatkräftige Mithilfe des Lotsen bei der Navigation kann das Schiff Klippen umfahren und stets sicher einlaufen. Denn er ist Teil einer großen Mannschaft, die genau dieses gemeinsame Ziel hat – vom Leichtmatrosen bis hin zum Steuermann. Alle Generationen der Kreisverwaltung waren vertreten, als sich Bosman mit einem Empfang in der Kantine bei seinen Weggefährten bedankte. Es war ein Moment des Abschieds und der Anerkennung. Alois Bosman machte am Ende bescheiden deutlich: „Gegen Kritik kann man sich wehren, gegen Lob nicht.“

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