Kreis Coesfeld
Explodierendes Interesse und ein Brief an den Gesundheitsminister

Kreis Coesfeld (vth). Als Nina Uhlenbrock und Anika Sievers vor gut einem Jahr die Selbsthilfegruppe „LipLive“ für Betroffene mit Lip- oder Lymphödem gründeten, ahnten sie nicht, dass sich so viele Frauen melden würden. „Es haben sich aus der ganzen Region Interessenten gemeldet“, berichtet Nina Uhlenbrock. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass das so explodiert.“

Mittwoch, 13.03.2019, 19:14 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 11:16 Uhr
Freuen sich über das große Interesse an Selbsthilfe und laden zum ersten Lip- und Lymphtag ein: Nina Uhlenbrock (l.) und Anika Sievers. Foto: Viola ter Horst

Seitdem stehen regelmäßig einmal im Monat Treffen an, um zusammen etwas zu unternehmen. Austausch bieten außerdem eine Facebook- und eine Internetseite aus. Jetzt laden die beiden engagierten Frauen zum ersten Münsterländer Lip- und Lymphtag in Münster ein, „ein Traum von mir geht in Erfüllung“, freut sich Nina Uhlenbrock. In Vorträgen und Workshops sollen die Teilnehmer über die zahlreichen Facetten der Krankheit

die neusten Informationen bekommen (s. Kasten).

Bei einem Lipödem handelt es sich um eine krankhafte Fettverteilungsstörung, die nicht selten mit einfachem Übergewicht oder Adipositas verwechselt wird. Fast immer sind Frauen betroffen. „Viele schämen sich, trauen sich nicht mehr rauszugehen“, berichtet Anika Sievers. Weder durch Ernährung noch durch Sport sei das Lipödem beeinflussbar.

Befeuert wurde das Thema durch den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn, dass eine Operation Kassenleistung werden soll. Die Fettabsaugung ist für viele Frauen eine große Hoffnung. Spahns Vorschlag halten Nina Uhlenbrock und Anika Sievers zwar für längst überfällig. „Aber wir sehen eine Operation auch kritisch“, betont Uhlenbrock. Sinnvoll sei sie nicht für alle Betroffenen und außerdem blieben viele Fragen offen. Etwa nach einem geeigneten Arzt, denn schließlich gehe es nicht um eine Schönheitsoperation. „Wir haben Herrn Spahn geschrieben und zur Selbsthilfegruppe eingeladen“, berichtet Anika Sievers. Eine Antwort habe es bislang noch nicht gegeben.

„Wir sind der Meinung, dass viel früher angesetzt werden muss“, meint Nina Uhlenbrock. Denn es hapere bereits bei einer bedarfsgerechten Versorgung. Bis zur richtigen Diagnose durchliefen Betroffene häufig eine deprimierende Odyssee.

Für Nina Uhlenbrock und Anika Sievers kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Sie sehen das Problem als Herausforderung und haben bereits ihr nächstes Projekt im Auge: Ein Netzwerk aus Ärzten und Experte aufzubauen.

- Der erste Münsterländer Lip- und Lymphtag findet am 6. April im Stadthotel Münster statt. Es gibt Workshops, Vorträge und Infos über das Thema „Leben mit Ödem“. Ärzte, Physiotherapeuten und Ernährungsberater sind mit Beiträgen dabei wie auch Blogger. Eine Lesung (Petra Jahrend) ist ebenso geplant wie eine Modenschau. Beginn ist um 9 Uhr. Anmeldung bis 24. März unter www.lymphtag.de

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