Kreis Coesfeld
Kutschfahrt an der Seite von Mimi

Coesfeld. Mimi stellt sich gerade ein bisschen an. „Was machst du denn, nun beweg dich doch etwas zurück“, sagt ihr Besitzer und Nebenerwerbslandwirt Norbert Steens. Einige Minuten später steht die Kuh im Geschirr. Wie eine Eins.

Donnerstag, 18.04.2019, 19:23 Uhr aktualisiert: 20.04.2019, 11:24 Uhr
Premiere: Das erst wenige Tage alte Kalb von Mimi kommt mit an die Kutsche, Mimi wird aus diesem Anlass ausnahmsweise am Strick geführt. Mit im Einsatz ihre Besitzer Norbert und Luise Steens, Enkel Felix und Hund Kira. Foto: Viola ter Horst

Mimi ist eine kleine Sensation. Eine Kuh, die eine Kutsche zieht. „Als Zugtier ist die Nutzung der Kuh heute fast völlig in Vergessenheit geraten“, sagt Steens. Um daran zu erinnern, kutschiert er mit der gutmütigen Mimi öfter durch die Straßen. Nicht jede Kuh kann so etwas, „sie muss dafür den Charakter haben“, so Steens.

Mimi ist ein reinrassiges Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind (DSN) – eine alte Rasse, die selten geworden ist. Die früher sowohl der Milch- als auch der Fleischproduktion diente. Und auf dem Acker als Zugtier arbeitete. Man nennt sie von daher Zwei- oder Dreinutzungsrasse.

Vor etwa einer Woche hat Mimi ein Kalb bekommen, „ihr viertes „und endlich ein weibliches“, freut sich Steens. Die Chancen stehen gut, dass auch der Nachwuchs ein Zugtier werden kann. „Mit einem Bullen wäre das schwierig.“ Aber auch der richtige Umgang mit dem Tier ist wichtig. „Wir haben sofort damit angefangen, das Kalb an Menschen zu gewöhnen“, so Norbert Steens’ Frau Luise.

Jetzt soll die Premiere als Zugtier neben Mutter Mimi auf dem Hof stattfinden. Noch ohne Geschirr für das kleine Kalb, nur am Tau. Mimi steht parat. Das Kalb stellt sich quer. Norbert Steens nimmt die Zügel auf der Kutsche in die Hand. Luise Steens und Enkel Felix sind unten im Einsatz. Felix stupst das Kalb an, damit es sich umdreht. Mimi schielt zum Kalb. „Die Tiere sind nicht dumm“, weiß Luise Steens. Ob es klappt? Die ersten Schritte. Die beiden laufen nebeneinander her. Nur beim Stoppen dreht sich das Kalb jedes Mal stur um.

„Na, das ist doch schon mal super gelaufen“, freuen sich die Steens.

Das Paar setzt sich für seltene Nutztierrassen schon länger ein. Es war Zufall, dass sie auf Mimi stießen. „Ich suchte nach einem Zuchtbullen für unsere Kühe der französischen Fleischrasse Charolais“, berichtet Norbert Steens. Dabei habe er zufällig gelesen, dass jemand in Brandenburg eine junge Gespannkuh der Rasse DSN verkaufen wollte. „Bis dahin war mir weder der Begriff Gespannkuh noch die Rasse DSN bekannt“, gesteht er.

„Der Besitzer wollte jemanden, der Mimi schätzen und nicht zum Schlachter bringen würde.“ Nach einigen Tagen Urlaub in Brandenburg war für die Steens klar: Mimi kommt mit nach Coesfeld.

Noch immer zieht sie brav die Kutsche, diente bereits mehrfach als Maskottchen und Fotomotiv für das Fest „Almauftrieb“ des Schützenvereins Flamschen in der ansonsten landschaftlich komplett flachen gleichnamigen Bauerschaft bei Coesfeld, in der auch Steens seinen Hof hat.

„Hier in der Gegend ist mir niemand bekannt, der noch Zugkühe auf Feldern einsetzt“, sagt Steens. Von Flamschen weiß er, dass noch nach dem Zweiten Weltkrieg auf einzelnen Bauernhöfen Kühe als Zugtiere genutzt wurden.

Das Züchten auf Hochleistung macht eine robuste, üppige Schwarzbunte wie Mimi selten. „Die alten Rassen haben aber auch große Vorteile“, sagt Steens. Die Gene seien bedeutungsvoll für die Zucht neuer Rassen und für die Stabilisierung der Hochleistungsrassen. „Die Erhaltung der alten Rassen wird deswegen staatlich gefördert“, erläutert Steens.

Die Freude bei Familie Steens über das vierte Kälbchen von Mimi war riesig. „Es trägt nun zum Erhalt der seltenen Rasse bei“, sagt Steens.

Name fürs Kälbchen gesucht:

Einen Namen hat das Kälbchen von Mimi noch nicht. Familie Steens freut sich auf Vorschläge von Lesern und würde gerne den Namen für den Nachwuchs aus den Vorschlägen auswählen. Der Preis: „Den Namensgeber laden wir zu einer kleinen Kutschfahrt mit Mimi nach Coesfeld ein“, sagt Norbert Steens. Vorschläge an die Kreisredaktion: kreis-coesfeld@azonline.de; wir leiten sie weiter an Familie Steens.

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