Kreis Coesfeld
„Zu wenig in Mietwohnungsbau investiert“

Kreis Coesfeld. Wohnen ist nicht nur Leben in vier Wänden. Das „sich zu Hause fühlen“ hängt vom Umfeld mit den verfügbaren Infrastrukturen zusammen. Dazu kommen bezahlbare Miete, die schmale Haushaltsbudgets nicht überstrapazieren, so das Resümee des NRW-Gesprächs „Wohnen.Bezahlbar.Machen“, zu dem die Kreis-SPD eingeladen hat.

Samstag, 08.06.2019, 15:14 Uhr
Klarer Konsens für die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum zwischen (v. l..) Ortwin Swiderski (DGB Kreis Coesfeld), Volkan Baran (SPD-Landtagsmitglied), André Stinka (Moderator), Waltraud Bednarz (SPD-Kreistag) und Martin Althoff (IBP). Foto hlm Foto: az

Zwei Dutzend Gäste hörten Waltraud Bednarz (SPD), Martin Althoff (Interkulturelle Begegnungsprojekte e.V. [IBP]), Volkan Baran (SPD-Landtagsabgeordneter) und Ortwin Swiderski (DGB) den konsensualen Aussagen im Forum des WBK in Coesfeld zu und mischten mit eigenen Positionen mit.

An erster Stelle steht die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum. Bednarz legt für den Kreis Coesfeld Zahlen auf den Tisch: In 2017 habe es ein Plus von 31 öffentlich geförderten Wohnungen gegeben, 2018 von 62. Insgesamt listet die Pestel-Studie von 2019 einen Bestand von 3404 preisgebundenen Mietwohnungen für den „kleinen Tiger“ auf (Stand 2017).

Zu wenig? Entgegen den statistischen Berechnungen aus früheren Jahren hat die Bevölkerungszahl nicht abgenommen, sondern ist durch Zuzug und Zuwanderung gestiegen, kalkuliert der Wohnungsexperte Baran. Zu wenig sei in den Mietwohnungsbau, besonderes im öffentlich geförderten Sektor, investiert worden. Eine Besserung ist nicht zu erwarten. Bauplätze sind rar, Auftragsbücher in der Bauwirtschaft übervoll, Baurohstoffe vor Ort spärlich verfügbar und personelle Engpässe verzögern Baustarts. Der entstandene Mangel lässt die Preise steigen. „Ein Drittel einer durch-schnittlichen Rente geht für Mietkosten drauf“, meldet sich DGB-Mann Swiderski zu Wort. Gibt es eine Lösung? Schon in seiner Begrüßung forderte Carsten Rampe (SPD) die Kreistagspolitik und Verwaltung dazu auf, sich verantwortlich und mehrheitlich an der Kommunalen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft mbH (KSG) zu beteiligen. Ein Antrag der SPD Nottuln, der letztes Jahr vom Unterbezirk einstimmig beschlossen wurde. Was vor Jahren verhökert wurde, gehört zurück in die öffentliche Hand. Dazu zählen für Baran auch Unternehmen der Daseinsfürsorge, wie Stadtwerke. Genossenschaften als Rettungsanker?

Ist die Maxime nicht die Gewinnorientierung, sondern es steht ein „g“ für „gemeinnützig“ davor, ist es für den IBP-Geschäftsführer eine Perspektive. Alternative Wege schlagen andere ein: Werkswohnungen als Lockmittel für Fachkräfte. Moderator der Runde, Kreis-SPD-Chef und Landtagsabgeordneter André Stinka (Dülmen), lenkt hinüber zu Althoff. „Eine Wohnung haben, ist das eine. Eine Wohnung zu halten, das andere.“ Die Sätze spiegeln die Erfahrung des IBP-Manns wider. Er zitiert einen Vermieter: „Besser leer stehen lassen, als an Ausländer oder Harz IV-ler vermieten.“ Der Sozialwissenschaftler postuliert ein Wohntrainingskonzept für Mieter. Mit dieser präventiven Maßnahme will Althoff vor Wohnungsverlust schützen.

In ein Wespennest sticht ein Coesfelder. Er berichtet über einen „Brennpunkt“ in der Kreisstadt, bei der eine Wohnung an Zeitarbeiter zu horrenden Preisen vermietet werde. Gewerkschaftsmann Swiderski spitzt die Ohren. Baran spricht wütend von „Matratzenvermietung“, wogegen vorgegangen werden müsse.

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