Kreis Coesfeld
Rübenkrise sorgt für dicke Luft

Nottuln-Darup. Die Zuckerrübe ist ein erstklassiger Stickstoffverwerter. „Ein Hektar verwandelt mehr CO2 zu Sauerstoff als ein Hektar Wald“, erklärt Landwirt Theo Struwe aus Darup. Und der erkennt sich aus. Schließlich wird diese Kulturpflanze in seinem Familienbetrieb schon in der dritten Generation angebaut. Großvater Theo war es, der die Ackerfrucht in den 1930-Jahren aus seiner Ursprungsheimat in der Nähe von Warburg mit ins Münsterland brachte. Nicht allein die Lebensmittelbranche verarbeitet Zucker. Auch die Medizin, Bau- und Autoindustrie nutzt diesen Rohstoff für Kunststoffe und Dämmmaterialien. Allerdings verlangen Markt und Verbote den Produzenten in den vergangenen Jahren mehr denn je Ausdauer und Flexibilität ab.

Samstag, 20.07.2019, 11:04 Uhr
Landwirt Theo Struwe baut schon in der dritten Generation Zuckerrüben an. Die Wettbewerbsnachteile im Vergleich zu anderen EU-Ländern ärgern ihn und seine Berufskollegen. Foto: Ulla Wolanewitz

Die Aufhebung der Zuckerquote 2016 führte dazu, dass auch Theo Struwe seinen Anbau auf 20 Hektar etwa verdoppelte. Dieser Einsatz wurde 2017 mit einer Superernte und entsprechend guten Preisen belohnt. Der Überhang und die schlechte Ernte in 2018 stürzten den Preis allerdings drastisch.

Auf Julia Klöckner ist er – wie auch seine Berufskollegen – derzeit nicht besonders gut zu sprechen und auch nicht auf die EU. Letztere hat diesen Landwirten den Einsatz von Saatgut, das mit Neonikotiniden (kurz: Neoniks) gebeizt ist, verboten. Gebeizt bedeutet: Der Rübensamen ist bereits gegen Schädlinge und Pilzbefall präpariert, wenn er in den Boden gelegt wird. „Heute muss dafür das Blatt von außen gegen Insektenbefall gespritzt werden, was unserer Meinung nach keine ökologische Verbesserung ist“, betont Dr. Peter Kasten, Geschäftsführer vom Rheinischen Rübenbauerverband. Theo Struwe sieht das genauso: „Bei dieser Vorgehensweise sind die Kollateralschäden eher größer!“

Während 13 von 19 Ländern, die in Europa Rüben anbauen, eine Notfallzulassung für gebeiztes Saatgut erwirkt haben, wurde das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hier nicht tätig und brockte den heimischen Anbauern somit gravierende Nachteile im Wettbewerb ein. Bei der Zusammenkunft des Agrarrats in der vergangenen Woche in Brüssel „beklagte Klöckner zwar die Notfallzulassung, versicherte aber gleichzeitig, dass diese für Deutschland nicht zur Debatte stehe“, macht Dr. Kasten deutlich.

Alle zwei Tage musste Theo Struwe in den vergangenen Wochen die Flächen auf „Zuflug“ kontrollieren. Vor wenigen Wochen machten sich die schwarze Bohnenlaus am Blattwerk zu schaffen. Diese Tatsache machte einen Insektizideinsatz notwendig. Denn: Nur ein gesunder Pflanzenapparat kann eine gute Fotosynthese leisten, die für einen guten Ertrag und einen hohen Zuckergehalt ausschlaggebend sind. Hier im Revier hielt sich der Schaden allerdings in Grenzen, sodass zwei „Überfahrten“ mit Pflanzenschutzmitteln ausreichten. Die Mehrkosten beziffert Theo Struwe mit 50 Euro pro Hektar.

„Den Entscheidungsträgern in der Politik fehlt oft der Bezug zur Praxis. Man hat das Gefühl, sie machen sich wenig Gedanken dazu, wie negativ ihre Beschlüsse bei uns durchschlagen“, erklärt der 44-Jährige und führt weiter aus: „Unsere Erzeugnisse sind doch besser denn je und auch sozialverträglich produziert, was sicherlich nicht alle Produktionsländer von sich behaupten können.“

Wie die Prognose für die Ernte 2019 aussieht? „Dafür ist es jetzt noch zu früh. Bis Mitte September dürfen die Rüben noch wachsen und gedeihen“, erklärt Dr. Kasten.

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