Kreisverbandstag der Landwirte in Coesfeld
Kräftezehrende Gespräche

Kreis Coesfeld. Die Sorge bei den Landwirten ist groß. Sie befürchten Einbußen, wenn die geplanten Verschärfungen in der Tierhaltung und im Umweltrecht kommen, sie fühlen sich ungerecht behandelt. 2019 sei geprägt gewesen von „kräftezehrende Diskussionen“, sagte Michael Uckelmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands.

Freitag, 10.01.2020, 11:00 Uhr
Beim WLV-Kreisverbandstag: v.l. Julius Aundrup, Ferdinand Limberg, Michael Uckelmann, Dr. Andreas Möller, Heinz Öhmann, Raphael van der Poel. Foto: az

Einiges sei aber inzwischen auf den Weg gebracht, wie er in seinem Bericht beim WLV-Kreisverbandstag in Coesfeld vor rund 350 Landwirten erklärte. So soll es in NRW differenziertere Messungen geben, um die Nitratwerte zu bestimmen (s. weiteren Bericht).

Intensive Gespräche laufen laut Uckelmann in der Frage nach mehr Tierwohl. Größere Ställe und Neuausrichtungen erforderten Investitionen, denn „der Verbraucher bezahlt das nicht“, so Uckelmann. Wenn mehr Tierschutz Staatsziel sei, müsse sich dieser finanziell einbringen, forderte er.

Bei der Ferkelkastration sei die Forderung des WLV, auf die Kastration im Idealfall komplett zu verzichten. In einem Projekt seien 100 000 Eber statt dessen gimpft worden. Für alle, die trotzdem kastrieren wollen, soll es Lehrgänge geben, wie mit dem Narkosemittel Isofluran gearbeitet werden kann.

Ein weiterer Punkt für die gedrückte Stimmung ist, dass Hofnachfolger oftmals fehlen, wie Geschäftsführer Raphael van der Poel veranschaulichte: „Allein im letzten Quartal 2019 führten wir 22 Beratungen zur Betriebsaufgabe.“ 2019 sei auch ein Jahr der Demonstrationen gewesen. „Überwiegend die Jugend hat sich auf den Weg gemacht“, so van der Poel. Trotzdem dürfe die Sacharbeit nicht auf der Strecke bleiben, „beide Strategien müssen verfolgt werden“.

Coesfelds Bürgermeister Heinz Öhmann mahnte in seinem Grußwort, dass die „Politik in Berlin, Düsseldorf, aber auch hier vor Ort einen starken, landwirtschaftlichen Berufsverband und nicht einen zersplitterten Berufsstand“ brauche.

Gastredner Dr. Andreas Möller, Autor des Buches „Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“, warf einen Blick auf die Veränderungen in der Gesellschaft, in der die Landwirtschaft eine seltsame Rolle spielt. Eine Rolle, bei der ihnen Verbraucher technischen Fortschritt weniger zugestehen. Vielmehr träumten sie sich ein romantisches Bild, das es nicht mehr gebe. Möller riet den Landwirten, mehr emotional zu werden, „ans Herz zu gehen“, wenn sie über Landwirtschaft reden und diese groß zu machen. Begriffe wie „Mutterkorn“ oder „Veredelung“ seien nicht verständlich und riefen nicht die passenden Assoziationen hervor. „Wenn Sie in Berlin von einem Veredelungstag reden, denken die wahrscheinlich, dass das was mit Schmuck zu tun hat.“

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