Mehr als die Hälfte der Apotheken in Zukunft von Schließung bedroht
Kaum Rezepte gegen den Abwärtstrend

Kreis Coesfeld. Die Zukunft der pharmazeutischen Versorgung sieht alles andere als rosig aus. Mehr als die Hälfte der 48 Apotheken im Kreis Coesfeld könnte in den kommenden zehn Jahren von einer Schließung bedroht sein. Da hilft es kaum, an den Symptomen des Apothekensterbens wie fehlender Nachfolge oder einem unrentablen Geschäft herumzudoktern, wenn Rezepte gegen die Ursachen dieses Abwärtstrends fehlen oder nicht eingelöst werden.

Dienstag, 14.01.2020, 10:14 Uhr
Foto: az

Dass der Kreis Coesfeld noch vergleichsweise gut dasteht sei dem Wirtschaftswachstum in dieser Region zu verdanken, wie Kreisvertrauensapotheker Dr. Stephan Barrmeyer erläutert: „54 Apotheken haben wir im Kammerbezirk Westfalen-Lippe allein in 2019 verloren.“ Im Kreis Coesfeld haben neun Apotheken seit 2009 ihre Pforten geschlossen. Gleichzeitig gab es vier Neueröffnungen. Einer, der beide Seiten der Medaille kennt, ist Dr. Wolfgang Graute. Im vergangenen Jahr hat sich der 60-Jährige gemeinsam mit seiner Frau dazu entschieden, die Wolfsberg-Apotheke im Süden von Lüdinghausen nach 32 Jahren zu schließen und dafür in Dülmen eine dritte Filiale – die Wildpferd-Apotheke – zu eröffnen. „Der Standort in Lüdinghausen hatte sich verschlechtert, weil viele Ärzte weggezogen sind“, spricht Graute die enge Verzahnung zwischen ärztlichem Versorgungsgrad und Apotheken an. Als nun in Lüdinghausen der Mietvertrag auslief, wollte sich Graute nicht für weitere fünf bis zehn Jahre binden und ist mit seinem Personal kurz vor Weihnachten nach Dülmen gegangen. „Der Standort ist aussichtsreicher. Mit unseren Apotheken bilden wir nun ein Dreieck in der Innenstadt“, erklärt Graute. „Das ist ganz praktisch bei der Kooperation.“

Außer der ärztlichen Versorgung gibt es jedoch noch weitere Ursachen für die schwindende Rentabilität einer Apotheke. „Der Online-Handel macht vor allem im freiverkäuflichen Bereich eine Menge aus“, sagt Dr. Stephan Barrmeyer. Rund jedes fünfte dieser Medikamente werde online erworben. Bei den verschreibungspflichtigen Arzneien seien es ein bis zwei Prozent – noch. Gefährlich könne es werden, wenn das geplante E-Rezept kommt, noch bevor Gesundheitsminister Jens Spahn sein Apothekenstärkungsgesetz durchgebracht hat. Dieses soll Ärzten verbieten, Rezepte direkt an Online-Händler weiterzugeben. Ein weiteres Problem sei der Kontrahierungszwang. „Wir müssen ein Medikament liefern, ob wir etwas daran verdienen oder nicht. Das gilt für ausländische Versandapotheken nicht“, moniert Barrmeyer. Ein weiterer Punkt, wo der Gesetzgeber aus Sicht des Apothekensprechers ansetzen könnte, wäre die Mehrwertsteuer. Hier liegt Deutschland mit 19 Prozent auf Platz drei in Europa. In den Niederlanden liegt sie bei nur neun Prozent.

Das Hauptsymptom des schleichenden Apothekensterbens zeigt sich jedoch in der Altersstruktur der Inhaber bei gleichzeitigem Nachwuchsmangel. „Nur ein Kollege ist Mitte 30“, sagt Barrmeyer. 62,5 Prozent der Apotheker im Kreis Coesfeld sind über 50 Jahre und gehen voraussichtlich in den nächsten zehn bis 15 Jahren in den Ruhestand. Doch außer dem allgemeinen Fachkräftemangel trägt auch die zunehmende Bürokratie – wie durch neue Lieferverträge mit den Krankenkassen – nicht unbedingt zu einer gesteigerten Attraktivität des Berufsstands bei. „Ich bin jetzt selbst 55“, meint Dr. Stephan Barrmeyer. „Ob ich in zehn Jahren die Chance habe, meine Apotheken an einen Nachfolger zu übergeben, weiß ich nicht“, wagt der Inhaber der Laurentius-Apotheke in Coesfeld keine Prognose.

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