Bürgermeisterkonferenz in Rosendahl nimmt Bus- und Zug-Angebot ins Visier
„Infrastruktur für Nahverkehr ausbauen“

Kreis Coesfeld. Mehr Züge, mehr Busse: Die Bürgermeister im Kreis Coesfeld sind der Meinung, dass beim öffentlichen Nahverkehr noch einiges zu tun ist. „Der Nahverkehrsplan des Kreises ist nach einem Jahr bereits überholungsbedürftig“, nennt Bürgermeistersprecher Richard Borgmann in einem Pressegespräch ein Fazit der monatlichen Bürgermeisterunde, die diesmal in Rosendahl stattfand. Dass Bund und Land so viel in den Ausbau des Nahverkehrs investieren wollen, sei vor einem Jahr ja noch nicht klar gewesen. „Die Infrastruktur im Kreis Coesfeld reicht nicht mehr aus“, stellt Borgmann fest. Viele Schnellbus-Linien und Züge seien beliebt und voll, „deswegen müssen wir die Takte verbessern und mehr Angebote schaffen.“ Der jetzt stündlich fahrende Zug von Dortmund über Lüdinghausen, Coesfeld und Rosendahl nach Enschede sei zum Beispiel äußerst beliebt, und ein Halbstunden-Takt sei nach einer Studie ab 2025 denkbar. „Für die Busstrecken müssen wir auch mehr Halbstundentakte hinbekommen und im Münsterland enger zusammen arbeiten – die Kreise und die Stadt Münster“, fordert der Bürgermeistersprecher.

Dienstag, 04.02.2020, 10:54 Uhr
Bund und Land stellen eine stärkere Förderung für Bus und Bahn in Aussicht – die Bürgermeister der Städte und Gemeinden appellieren an den Kreis Coesfeld, den Nahverkehrsplan zu überarbeiten. Foto: az

Andrerseits sei es notwendig, mehr Bürger zum Umsteigen zu animieren. Die 9-Uhr-Tickets zu bezuschussen, wie es der Kreis Coesfeld in einem Pilotprojekt unternimmt, sei dafür nicht ausreichend. Und vielleicht nicht das geeigneteste Mittel zu Beginn. „Zunächst einmal muss die Infrastruktur stimmen“, so Borgmann: Dass man nicht zu lange auf den nächsten Bus oder Zug warten muss, dass sie oft genug und verlässlich kommen. „Die Frage nach dem Preis steht erst dann an.“

Unverständnis nach wie vor, dass der Kreis Warendorf bei einer Schnellbuslinie von Drensteinfurt über Ascheberg und Lüdinghausen bis nach Haltern am See nicht mitspielen will. „Es muss doch im Interesse aller Kommunen sein, auch vor dem Hintergrund des Klimaschutzes“, sagt Borgmann. Er hofft, dass wegen der neuen Förderpläne, die Land und Bund in Aussicht stellen, der Kreis Warendorf seine Position überdenkt. „Die Ausgangslage ist ja jetzt eine ganz andere.“

Fest steht für die Bürgermeister, dass stärker im Münsterland zusammen gearbeitet und gedacht werden muss, um den Nahverkehr zu verbessern.

Auch für die Bahnhöfe an den Zugstrecken sind aus Sicht der Bürgermeister Lösungen notwendig. So liegen längst nicht alle Bahnhöfe im Kreis Coesfeld zentral im Ort. „An Bahnhöfen wie in Rosendahl-Holtwick könnte man über E-Säulen oder Fahrradstationen nachdenken“, so Rosendahls Bürgermeister Christoph Gottheil. Dafür seien Abstimmung untereinander und eine Koordination notwendig. Und mit dem „Reallabor Münsterland“ sei es ausdrücklich möglich, Mobilitätsprojekte einfach mal auszuprobieren. Vielleicht klappt es doch noch mit einem autonom fahrenden Zubringerbus, hoffen die Bürgermeister.

Ein weiteres Thema in der Bürgermeisterkonferenz war die Hausbesitzer-Beratung, die in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft für Eigentümer älterer Immobilien angeboten wird. Die Bürgermeister plädieren dafür, dass dieses Projekt, das bereits seit zwei Jahren läuft, weiter angeboten wird. Dabei beraten die Experten die Hauseigentümer, ob und welche energetischen Sanierungen sinnvoll sind. Gut ankommt laut Gottheil in Rosendahl eine Anschubfinanzierung bei einem Kauf eines Hauses, das älter als 40 Jahre ist, sofern der Käufer selber darin wohnt.

Als Gast war Klaus Ehling vom Münsterland e.V. in der Bürgermeisterrunde, der über den Stand des Projekts „Marke Münsterland“ berichtete. Der Appell an die Städte und Gemeinde, die Marke weiter voranzubringen, sei von den Bürgermeistern positiv aufgenommen worden, so Borgmann.

Angesprochen wurde zudem der Jugendförderplan, für den die Bürgermeister die Bitte an den Kreis äußerten, die Vernetzung von Trägern in der Jugendhilfe zu aktualisieren. So sollte die Jugendhilfe Werne, die im Südkreis eine Förderschule errichten will, stärker mit ins Boot genommen werden.

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