Hospiz-Expertinnen schulen Mitarbeiter von Senioreneinrichtungen
„Ein Geschenk für die Altenheimarbeit“

Kreis Coesfeld. Vom Fahrer über den Hauswirtschafts-Mitarbeiter bis zum Leiter des Altenheims: Alle Mitarbeiter sollen wissen, was für jeden einzelnen Bewohner am besten ist, wenn er sterbenskrank ist. Als Senior die letzte Lebensphase im Altenheim so gut wie möglich verbringen – das ist das Ziel eines Projekts, das die beiden Hospiz-Expertinnen Mandy Rode und Rabea Brake für den Verbund der Heilig-Geist-Stiftung im Kreis Coesfeld installiert haben. Ein Projekt, das die vorhandene palliative Sorge und Hospizkultur in den stationären Altenhilfeeinrichtungen stärken soll.

Donnerstag, 06.02.2020, 07:00 Uhr
Gemeinsam auf den Weg machen sich die Altenheime im Verbund der Heilig-Geist-Stiftung im Kreis Coesfeld, um die palliative Sorge und Hospizkultur zu stärken. Foto: az

Die erste Phase ist jetzt abgeschlossen und „gut gelaufen“, bilanziert Mandy Rode. „Bei unseren Treffen zunächst mit 40 Leitungskräften wurde deutlich, dass jede Einrichtung unterschiedlich arbeitet.“ Das sei auch gut so, denn es gehe nicht darum, allen ein einheitliches Konzept überzustülpen. Vielmehr soll in Netzwerkarbeit individuell herausgefunden werden, wo Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten liegen. Wie findet palliative Versorgung statt, wie können die inzwischen auch gesetzlich vorgeschriebenen Beratungen von Bewohnern ablaufen? Wie kann am besten auf die Bedürfnisse eines Bewohners individuell Rücksicht genommen werden?

„Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Abneigung gegen Lavendel und die Pflegekraft reibt Sie damit täglich ein“, nennt Mandy Rode ein Alltags-Beispiel. So etwas soll verhindert werden, indem die Bedürfnisse mit dem Bewohner rechtzeitig geklärt werden. Oder die Inhalte von Patientenverfügungen und Vollmachten, „erfahrungsgemäß sind die nämlich oft irgendwann gemacht worden und veraltet“, sagt Rode. Die aktuellen Wünsche spiegeln sie häufig nicht mehr wider.

Positiv heben die beiden Expertinnen hervor, die im Hospiz in Dülmen tätig sind, dass die Einrichtungen bereits über viele Standards verfügen. „Es ändern sich aber laufend Gesetze und Situationen, umso wichtiger sind Fortbildungen und Austausch“, so Brake. Vor allem, dass jeder Mitarbeiter in den Alteneinrichtungen des Verbunds eine Basisschulung bekomme. Denn auch die Hauswirtschafts-Fachkraft habe mit den Menschen in der Einrichtung direkt zu tun und müsse wissen, wie sie sich in bestimmten Situationen am besten verhält.

Neben den Basisschulungen, die in diesem Jahr geplant sind, laufen weitere Fortbildungen und Netzwerkarbeit, „es geht jetzt um die Umsetzung“, erklärt Rode den Stand der Dinge. So bildeten sich Steuerungsgruppen in den Einrichtungen, die sich nun regelmäßig treffen. Sie lobt die „vielen motivierten Mitarbeiter in den Einrichtungen, die palliativ arbeiten möchten“. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen. „Klar ist das erst einmal mehr Arbeit“, sagt Rode. „Aber auf Dauer ist das Ergebnis ein Geschenk.“ Es erleichtere und strukturiere die Arbeit. „Deutlich wurde uns auch, dass wir mit den sechs Alteneinrichtungen im Verbund und dem Hospiz eine starke Gemeinschaft sind“, so Brake.

Wann das Projekt abgeschlossen sein wird? Aus Sicht von Brake und Rode niemals. „Es gibt immer neue Erkenntnisse und neue Projekte, die man weitergeben sollte und über die man sich austauschen muss“, sagt Rode.

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