Büttenredner und Diakon Pauels beim 9. Agrarforum vor vollem Haus
„Wir Westfalen lachen viel, nur später“

Dülmen. Die Lobeshymnen von Dirk Spanderen (Volksbanken im Kreis Coesfeld) und Kreislandwirt Georg Silkenbömer (Landwirtschaftskammer) hätten nicht deutlicher sein können. Waren beide Initiatoren begeistert über die Resonanz beim neunten Agrarforum.

Samstag, 15.02.2020, 08:00 Uhr
VR-Bank-Sprecher Dirk Spanderen (l.) und Kreislandwirt Georg Silkenbömer (l.) sind von der Resonanz und der Stimmung, die Büttenredner Willibert Pauels (M.) beim Agrarforum hinterlässt, begeistert. Foto: Hartmut Levermann

270 geladene Gäste nehmen auf den Stü hlen im Haus Waldfrieden in Dülmen Platz – dazwischen Ehrengäste aus Landwirtschaft und Verwaltung. Der Grund: Zwei Virtuosen. Nummer eins, die 14-jährige Ronja Ehrbar, die mit den Klängen von der Harfe das Publikum schnell für sich gewinnt. Das letzte Stück für diesen Abend, ein Flamenco, leitet die Preisträgerin des Landes-Musikwettbewerbs nach den Begrüßungsworten der Vorredner schlagfertig mit den Worten ein: „Dann will ich Mal alle wieder aufwecken.“

Wortgewaltig, mit reichlich Humor gespickt, macht sich der zweite Virtuose, Willibert Pauels, mit der Bauchfellmassage ans Werk. „De bergische Jong“ schafft einen Dreiklang der drei „K“: Kirche, Karneval und Klinik. Auch die spröden Westfalen bekommen ihr Fett mit einem Originalzitat weg: „Wir Westfalen lachen viel, nur später.“

Und die Rheinländer verschont er ebenfalls nicht mit dem trockenen Witz von Tünnes und Schäl, die nach einer durchzechten Nacht auf dem Friedhof die Augen öffnen und beim Anblick der Grabsteine den Spruch raushauen: „Auferstehung! Und wir zwei sind die ersten.“ Pauels, der Clown, kann auch Pauels, der Diakon. Witzig bleibt er dabei und schlüpft bei Humorvollen mit dem Aufsetzen der Pappnase wechselnd in die Rolle des Büttenredners.

Stecknadeln hätte man im Publikum fallen hören können, als Willibert Pauels von der depressiven Erkrankung berichtet: „Der Glauben allein heilt auch keinen Blinddarmdurchbruch.“ Fünf Millionen Schwermut-Erkrankte gebe es in Deutschland. Er gehört dazu. Vor sieben Jahren trat es bei ihm zum Vorschein. Grund war nicht der Dauerstress auf der Bühne (200 bis 300 Auftritte in der Session). Das war schon immer latent da. In den Augen des Theologen ist es mitnichten eine moderne Zivilisationskrankheit. Er zitiert dazu den Psalm 77, indem die Rede von Depression sei. Pauels Botschaft ist deutlich: Die Schwermut ist eine Krankheit, die mit professioneller Hilfe behandelt werden muss. Und dann kommt wieder die Pappnase: „In Köln gibt es die psychiatrische Klinik an der Autobahnabfahrt Köln Wahn.“ „De bergische Jong“ hat sich fachärztliche Unterstützung geholt. So gelang ihm die Ausfahrt vom „Highway To Hell“ zur Auffahrt auf den „Highway To Heaven“. Die Therapie für sich angenommen, akzeptiert und daraus persönliche Schlussfolgerungen gezogen, predigt er die heilende Kraft der anderen Perspektive. „Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern wie wir die Dinge sehen“, so der 65-Jährige, in Anlehnung an den griechischen Philosophen Epiktet. Eben nicht dogmatisch auf seine Position bestehen, sondern die Sache durch eine andere Brille oder mit anderen Augen betrachten, ohne sich dabei zu verbiegen. Seine zweite Botschaft bleibt haften: „Humor ist, wenn man über den Dingen steht und über sich selbst lachen kann.“

Der zu Anfang von Pauels auf die Schüppe genommene westfälische Applaus bleibt aus. Der gebürtige Wipperfürther bekommt donnernden Beifall für seinen gelungenen Auftritt. „Das war der beste Vortrag, den ich je auf den Agrarforen gehört habe“, meint ein Gast.

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