Gesundheitsamt verzeichnet weder schwere Infektionen noch Medikamenten-Engpässe
Erstmals keine neuen Fälle im Kreis

Kreis Coesfeld. Eine erfreuliche Nachricht des Kreisgesundheitsamts zeugt davon, dass die ergriffenen Vorsichtsmaßnahmen offenbar Wirkung zeigen: Erstmals sind am Dienstag bis Redaktionsschluss keine neuen Coronavirus-Infektionen hinzugekommen. Damit bleibt es im Kreisgebiet bei den 21 bereits bestätigten Fällen. „Und“, betonte Dr. Heinrich Völker-Feldmann eine weitere gute Nachricht, „alle Fälle sind relativ harmlos verlaufen. Wir haben zurzeit keine schweren Erkrankungen, was nicht zu erwarten war.“ Der Leiter des Gesundheitsamts hatte dem Gesundheitsausschuss am Montagabend von der aktuellen Situation berichtet.

Dienstag, 10.03.2020, 18:40 Uhr
Maßnahmen wie das regelmäßige Händewaschen und -desinfizieren zeigen offenbar Wirkung: Am Dienstag gab es im Kreis Coesfeld keine neuen bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus. Foto: dpa

Wichtig sei ein gutes Zusammenspiel der drei Hauptbeteiligten – den Krankenhäusern, der ambulanten Behandlung durch Hausärzte und dem Gesundheitsamt. Die Ermittlung von Kontaktpersonen bereite dem Gesundheitsamt Schwierigkeiten und auch die Tatsache, den Menschen zu verdeutlichen, was eine häusliche Quarantäne bedeute. Denn diese stelle die Betroffenen vor viele Probleme. Sei es, dass sich Eltern Urlaub nehmen müssen, wenn sie selbst noch nicht erkrankt sind, aber ihr Kind vorsorglich in Quarantäne kommt oder „Sie haben einen Hund. Der muss raus. Aber die Person darf nicht raus“, nennt Völker-Feldmann ein weiteres Dilemma.

Probleme bereite dem Gesundheitsamt auch die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten. „Die weigern sich, Patienten anzunehmen. Aber testen ist nicht unsere Aufgabe“, betont Völker-Feldmann. Zudem sei ein Test nur eine Momentaufnahme. „Der Test kann negativ sein und am nächsten Tag sind Sie krank.“ Ein Irrglaube sei deshalb auch, „dass Betroffene meinen, wenn der Test negativ ist, kämen sie aus der Quarantäne raus“.

Auf sechs Leitungen aufgestockt habe das Gesundheitsamt mittlerweile die Telefonhotline zum Coronavirus. „Und die sind auch relativ stark ausgelastet“, so Völker-Feldmann.

Um die Ausbreitung zu stoppen, müsse man jedoch auch bewusst von den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts abweichen. Demnach müsste sich ein Arzt, der Kontakt zu einem Infizierten hatte, direkt in Quarantäne begeben. „Dann wäre er aus dem Krankenhaus aber erstmal raus.“ Zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung sollte das Klinikpersonal aber solange weiterarbeiten, bis Symptome auftreten.

Auch Schulen könne „man nicht eine nach der anderen dichtmachen“, um das gesellschaftliche Leben nicht lahmzulegen. Und wenn die aktuellen Maßnahmen nicht mehr greifen, müsse man sich darauf konzentrieren, „nur noch die Risikogruppen zu schützen“, sprach Völker-Feldmann Klartext.

Immerhin: Engpässe von Medikamenten für chronisch Kranke sind dem Leiter des Gesundheitsamts nicht bekannt, wie Dr. Völker Feldmann auf eine Nachfrage von Sonja Crämer-Gembalczyk (Linke) antwortete. Diese hatte sich erkundigt, ob es sinnvoll sei, „sich einen Vorrat anzulegen“. Und auch die Pandemie-Pläne habe der Kreis Coesfeld aktualisiert, bestätigt Völker-Feldmann auf Nachfrage von Mareike Raack (Grüne).

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7321183?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F
Nachrichten-Ticker