Unterricht in Corona-Zeiten – am Pictorius Berufskolleg sind Lehrer auch in den Ferien für die Schüler da
„Digitales Klassenzimmer kein Ersatz“

Kreis Coesfeld. Unterricht trotz geschlossener Schule. Das ging plötzlich, die Schulen mussten ratzfatz umstellen, als vor dem Hintergrund der Corona-Regelungen ihre Türen dicht blieben. Aufgaben per Mail verschicken, digitale Meetings, Projekte präsentieren und besprechen. Doch das digitale Klassenzimmer hat seine Grenzen.

Samstag, 04.04.2020, 06:00 Uhr
Screenshot vom Meeting mit Abi-Schülern des Pictorius Berufskollegs: Annalena Gjonkolaj, Friederike Rudzicki, , Johann Schnettker, Denise Velder und (unten rechts) Lehrerin Jurchivici. Foto: az

„Bei den Abiklassen läuft es sehr gut“, bilanziert Jennifer Jurchivici, Sprecherin und Lehrerin am Pictorius Berufskolleg in Coesfeld, nach zwei Wochen. Grenzen deshalb, weil längst nicht alle Schüler die technischen Voraussetzungen hätten. „Wenn sie nur ein Smartphone besitzen, wird es schwierig“, erklärt Jurchivici. Das Laden von Grafiken, das Schreiben, das Arbeiten. Besonders die Abiklassen profitieren aber, denn Fragen können schnell bei Meetings geklärt werden. Und: Auch in den Osterferien ab Montag wollen die Lehrer des Pictorius Berufskollegs den Schülern zur Verfügung stehen. „Wir müssen ja sowieso zu Hause bleiben“, sagt Jurchivici.

Sie selber unterrichtet Englisch in der Oberstufe bei den Gestaltungstechnischen Assistenten. Die Schüler bereiten sich gerade aufs Abi vor. „Unsere Plattform eignet sich gut bei Fragen zum Abi“, sagt Jurchivici. Die gibt es immer wieder. Ob von Shakespeare alles gelesen werden muss oder nur bestimmte Stücke? Was ist wichtig fürs Abi? Marketing- und Design-Fragen.

„Wir haben unheimlich schnell digital umgestellt“, berichtet Schulleiter Klaus Schneider. Das Engagement bei den Lehrkräften sei riesig gewesen, damit das klappt. Schließlich hätte man digitale Meeting-Plattformen in dieser Form bislang ja nicht benötigt.

Vorübergehend sei der Home-Klassenraum eine gute Möglichkeit, damit Unterricht stattfinden kann, findet Jurchivici. „Ein Ersatz für echten Unterricht ist er auf keinen Fall.“ Die persönliche Rückmeldung und der soziale Kontakt fehlen.“ Auch die Schüler brauchen das, sagt sie. Das sei ihr in der Corona-Zeit einmal mehr bewusst geworden: „Der Beruf Lehrer ist ein sozialer Beruf.“

Große Möglichkeiten, aber auch Risiken sieht auch der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) im „Homescooling“. „

Nicht nur Lernstoff, auch Anregungen für Bewegungsaktivitäten und Hinweise zur Freizeitgestaltung kommen via Internet zu den Schülern“, lobt VBE-Kreisvorsitzende Lisa Holzapfel. Viele Lehrer ließen sich da was einfallen. Aber neben den Schülern seien auch Lehrer längst nicht überall auf einem technisch angemessenen Stand. „Mit Lern-Plattformen, Apps und E-Mails erreichen wir eben längst nicht alle – und wir laufen Gefahr, dass benachteiligte Kinder und Jugendliche noch weiter abgehängt werden“, sagt Doris Feldmann vom VBE-Bezirksverband Münster

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