Experten rechnen mit steigenden Zahlen durch Corona-Pandemie
Alkohol bleibt die Droge Nummer eins

Kreis Coesfeld. Alkohol bleibt die Droge Nummer 1. Und das mit Abstand. 2019 wurden 337 Personen von einer der drei Beratungsstellen des Caritasverbands für den Kreis Coesfeld betreut, weil sie von Alkohol abhängig waren oder missbräuchlich konsumierten. Illegale Drogen waren bei 184 Personen der Grund. 17 Personen waren von mindestens drei Substanzen abhängig und 24 Personen abhängig vom Spielen. Das geht aus dem Drogenbericht hervor, den der Caritasverband jetzt vorstellte. Insgesamt nahmen kreisweit 704 Personen an den drei Standorten Coesfeld, Dülmen und Lüdinghausen Beratung in Anspruch. Außerdem 125 Angehörige.

Mittwoch, 05.08.2020, 07:00 Uhr
Foto: az

„Durch personelle Engpässe wurden die Ergebnisse allerdings beeinträchtigt“, sagt Birgit Feldkamp, Teamleitung Suchtberatung und Suchtprävention vom Caritasverband. So konnte eine Stelle in Lüdinghausen ein halbes Jahr nicht besetzt werden, ebenso nicht in der Fachstelle für Prävention in Dülmen.

Cannabis war die Droge, die die Klienten nach Alkohol am zweithäufigsten konsumierten.

24 Jugendliche verzeichnet der Caritasverband in 2019, die mit einer Alkoholvergiftung in die Kinder- und Jugendklinik der Christophorus-Kliniken eingeliefert wurden. Davon 17 Jungen und sieben Mädchen.

„Jetzt während der Corona-Pandemie rechnen wir mit steigenden Zahlen“, sagt Feldkamp. Denn gerade Alkohol könne sich als Alltagsdroge einschleichen – und zur Sucht werden. „Das belegen auch Erhebungen des Marktforschungsinstitut GFK“ , so Feldkamp. Danach gingen von Ende Februar bis Ende März dieses Jahres ein Drittel mehr Weihnflaschen über die Ladentheke als im gleichen Zeitraum 2019.

Der Caritasverband bietet verschiedene Programme an, damit Sucht erst gar nicht entsteht. So gibt es Schulungen für Eltern im Umgang mit exzessivem Medienkonsum, erläutert Petra Nachbar von der Fachstelle Prävention. Spezielle Seminare richten sich an Erzieher und Lehrer. In gezielten Programmen erhalten Betroffene Hilfe. Beim Programm „Skoll“ für junge Menschen und Erwachsene, die übermäßig Drogen konsumieren oder problematisch spielen, steht nicht die Abstinenz, sondern die Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum im Mittelpunkt. Das Projekt „Tandem“ wendet sich speziell an Menschen mit geistiger Behinderung, berichtet Nachbar.

Gute Erfahrungen mit Online-Angeboten

Kreis Coesfeld (vth). Gute Erfahrungen mit den Online- und digitalen Angeboten hat der Caritasverband in der Corona-Pandemie gemacht. „Auch nach Corona wollen wir digitale Beratungen und Seminare anbieten“, betont Birgit Feldkamp, Teamleitung Suchthilfe. Durch die Krise sei deutlich geworden, dass in verschiedenen Bereichen Online-Angebote sogar besser angenommen werden. „Beratungen sind für Betroffene zunächst unkomplizierter und unverbindlicher und auf Wunsch auch anonym möglich“, sagt Präventions-Expertin Petra Nachbar. Das nimmt Hemmungen. „Wer ein Alkoholproblem hat, traut sich vielleicht nicht, persönlich in die Beratungsstelle“, nennt sie ein Beispiel. Online sei es für den Betroffenen einfacher, den Fuß in die Tür zu bekommen. Online-Beratungen seien zudem unabhängig von den Öffnungszeiten der Beratungsstellen. „Deswegen bauen wir die Angebote künftig sicher noch weiter aus“, sagt Feldkamp.

Wenn auch nicht alle Bereiche Vorteile haben, wenn sie digital laufen. Das Zauberwort lautet „Blended Counseling“ – eine Verknüpfung von Präsenz- und Distanzberatung, eine Mischform, die durch unterschiedliche Kommunikationsformen realisiert wird. Telefonisch, online, vor Ort. Auch Seminare seien online erfolgreich verlaufen. „Für die Schulen wäre eine eigene App interessant, die im Unterricht verwendet werden kann“, nennt Feldkamp ein weiteres Beispiel.

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