Liebevolle Schilderungen: David Wagner stellte sein Buch „Der vergessliche Riese“ vor
Auf Lebensreise mit dem Vater

Kreis Coesfeld. Mit eindrucksvollen und dankbaren Worten begrüßte Heike König-Bölke (Referentin der Literaturkreise der Familienbildungsstätte in Lüdinghausen und Dülmen)den Berliner Schriftsteller David Wagner und rund 100 Besucher im Innenhof der Burg Vischering in Lüdinghausen. Nicht zuletzt dankte sie dem Kreis Coesfeld, der als Veranstalter diesen Abend erst möglich gemacht hat.

Montag, 07.09.2020, 19:30 Uhr
Autor David Wagner signiert in der Kabine nach der Lesung seine Bücher. Foto: Elvira Meisel-Kemper

„Das Besondere dieses Buches ist, das es fast rein in Dialogform geschrieben ist. Dadurch meint man als Leser neben Vater und Sohn herzulaufen und ihnen förmlich zuzuhören“, so Bölke-König. Damit traf sie die Machart seines Buches „Der vergessliche Riese“ auf den Punkt.

„Das Buch besteht aus neun Kapiteln, die immer andere Reisen des Sohnes mit dem vergesslichen Vater beschreiben“, ergänzte Wagner vor dem Start der Lesung. Im Mittelpunkt standen in dem Buch der 71-jährige Vater, der an Demenz erkrankt war, und der Sohn, der 1971 in Andernach geboren wurde und aus der ersten Ehe des Vaters stammte. Es war im Grunde die Familiengeschichte des Autors, der als Sohn des erkrankten Vaters von diesem „Freund“ genannt wurde.

Über zwei Jahrzehnte hatten Vater und Sohn kaum Kontakt. Auf diesen Reisen näherten sie sich und ihre Erinnerungen wieder an. Die erste Reise führte die beiden in das Haus in Bonn, in dem der Vater mit seiner zweiten Frau Claire zuletzt bis zu ihrem Tod gelebt hatte.

Eindrücklich, humorvoll, geduldig und auch liebevoll schilderte der Sohn die vergesslichen Attacken seines Vaters, die sich mit Lichtblicken der Erinnerung abwechselten. „Wohin fahren wir?“, fragte der Vater immer wieder. „Nach Bonn“, antwortete der Sohn auch immer wieder.

Die Fahrt der beiden an den Laacher See war eine Reise in die Familiengeschichte, denn dort hatte die Familie öfter mit dem Wohnwagen gestanden. Es war allerdings auch ein Ablenkungsmanöver der Kinder des Vaters. Sie vollzogen ohne das Wissen des Vaters seinen Umzug in ein Pflegeheim, da er nicht mehr allein in dem Bonner Haus leben konnte. Dort angekommen, reagierte der Vater zunächst verwundert. „Schön ist es hier. Wann kommt meine Partnerin?“, so der Vater, der damit die polnische Pflegerin Renata meinte, die ihn im Bonner Haus zuletzt betreut hatte. Am Ende fühlte sich der Vater in seinem neuen Haus wohl und gut aufgehoben.

Wagner signierte im Anschluss in der „Signierkabine“ seine Bücher, die großes Interesse fanden. Einige der Käufer erzählten ihm von ihren Erfahrungen mit Demenzkranken in der Familie. „Mein Vater lebt noch, aber er erkennt uns kaum noch“, ergänzte Wagner im Gespräch.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7572069?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F
Nachrichten-Ticker