Teilhabe für Menschen mit Behinderung
Es begann mit einer Entschuldigung

Kreis Coesfeld. Rund 40 Motivierte saßen auf Stühlen im Corona-Abstand zueinander im großen Tagungsraum des AlexTagWerks in Dülmen. Gleich zu Beginn des Workshops, das den Teilnehmern den Rahmen für eine Gremiensatzung geben sollte, entschuldigte sich der Referent von der Koordinierungsstelle der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben (KSL), Marcus Windisch. Vorangegangen war eine Beschwerde von Burkhard Hams. Der blinde Dülmener konnte nur eingeschränkt mitwirken. Es fehlten ihm und seiner Ehefrau die Materialien als elektronische Datei. Mit den ausgedruckten Seiten konnte er nichts anfangen.

Freitag, 09.10.2020, 18:58 Uhr
Rund 40 Teilnehmer engagierten sich bei der dritten Veranstaltung der LAG Selbshilfe „Poltitische Partizipation Passgenau“. Foto: Hartmut Levermann

Windisch ging in kleinen Schritten durch sein Programm. Es hagelte Beschwerden über die Latenz der vorherigen Vertretung von behinderten Menschen auf der Kreisebene. Das Wirken sei nicht bis Vorort angekommen. Von den elf Kreiskommunen haben nur Nottuln, Senden und Ascheberg eine lokale Behindertenvertretung, die als Lautsprecher dienen könnten. Da ergriff Helga Schulze Bertelsbeck das Wort und klärte über die Arbeit der Kreis-Interessenvertretung Coesfeld der Selbsthilfe für Menschen mit Behinderung (KICS) auf. Weit über ein Jahrzehnt beriet eine Gruppe Betroffener als Experten die Gremien und Ausschüsse im Kreistag. Sie und ihre Mitstreiter wurden als Berater bei Fragen zur Barrierefreiheit hinzugezogen. Trotzdem gelang es nicht, das positive Wirken in die breite Öffentlichkeit zu transportieren. „Man wollte das auch nicht wirklich“, kritisierte Rainer Wermelt am Rand der Veranstaltung. Mit seiner Lebenspartnerin Anika Sievers hatte er sich eine Zeitlang im KICS engagierten, wollte die Öffentlichkeitsarbeit voranbringen.

Detlef Schütt von der Kreisverwaltung lobte die kompetente Zusammenarbeit mit dem KICS. Nun brauche es eine Auffrischung, da die alte Struktur nicht mehr arbeitsfähig ist. Diese hofft sich der Kreis Coesfeld mit der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe-NRW als Partner an Bord.

Wie die Nachfolgevertretung für die KICS vom Kreis finanziell ausgestattet werden soll, kann Dezernent Schütt noch nicht abschätzen. Das wird eine Aufgabe des neuen Kreistages sein.

0 Termine: 3.11., 16.30 Uhr, Großer Sitzungssaal, Kreishaus in Coesfeld: Treffen der Arbeitsgemeinschaft zur Bildung einer Interessengemeinschaft.

9.11.20, 17.30 Uhr, Burg Vischering, Lüdinghausen: Zukunftsworkshop mit Vertretern aus Politik und Verwaltung.

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