Nominiert für den Engagementpreis NRW: Katharina Ahlers über das Projekt der Sportjugend
„Jugendliche sind politisch sehr interessiert“

Kreis Coesfeld. Mit ihrem Projekt „Feuer und Flamme für Jugendpolitik“ ist die Sportjugend im Kreissportbund für den Engagementpreis NRW 2020 nominiert, den die Landesregierung ausgelobt hat. Damit zählt das Projekt zu den 12 Einsendungen, die die Jury aus 132 Bewerbungen auswählte. In dem Projekt bringt die Kreissportjugend junge Leute und Politiker zusammen – auf Augenhöhe diskutieren sie auf Picknickdecken, entwickeln Ideen, stellen Forderungen oder fühlen bei Wahlen den Kandidaten auf den Zahn. Unser Redaktionsmitglied Viola ter Horst sprach mit Katharina Ahlers (29) aus Billerbeck, Vorsitzende der Sportjugend im Kreissportbund.

Freitag, 16.10.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 16.10.2020, 19:47 Uhr
„Jugendliche haben viele Ideen haben und möchten sich aktiv einbringen“: Katharina Ahlers, Vorsitzende der Sportjugend im Kreissportbund. Foto: privat

Wie ist die Idee entstanden?

Katharina Ahlers: Den Anstoß hat unser Jugendforum im Kreishaus 2013 gegeben. Der Landesjugendring hatte dazu aufgerufen, diese Veranstaltungsformate durchzuführen. Wir haben da festgestellt, dass Jugendliche viele Ideen haben und sich aktiv einbringen möchten. Daraufhin haben wir überlegt, wie wir sie am besten erreichen können. Denn mit Podiumsdiskussionen gelingt das nicht. Wohl aber, wenn sie ihre Ideen einbringen und auf Augenhöhe mit den Politikern diskutieren können. Im lockeren und entspannten Rahmen. In diesem Sinne entwickelten wir seitdem immer mehr neue und wiederkehrende Formate.

Welche Veranstaltungen sind das?

Ahlers: Mehrmals im Jahr finden jugendpolitische Kamingespräche mit Politikern zu unterschiedlichen Themen statt – das ist im kleineren Rahmen, da kommen so um die 20, 30 Leute. Dann zu den jeweiligen Wahlen als größere Veranstaltung das Politikpicknick, bei dem draußen ein Picknick mit Politikern stattfindet. Zuletzt luden wir zum „Kandidatengrillen zur Landratswahl“ ein, bei dem die Teilnehmer mit den beiden Landratskandidaten grillen und diskutieren konnten. Wegen Corona lief das digital. Auch bei den U-18-Wahllokalen sind wir in Kooperationen mit Schulen und Einrichtungen dabei, bei denen Jugendliche unter 18 Jahren symbolisch ihre Stimme abgeben können wie bei der richtigen Wahl.

Ist das ein Thema, unter 18 Jahren wählen zu können?

Ahlers: Ja, einige wünschen sich, dass sie schon ab 14 wählen dürfen. Ein erster Schritt wäre, wenn das Wahlalter bei den Bundestagswahlen auf 16 Jahre abgesenkt würde.

Kreissportjugend und Politik – Sport und Politik – , wo ist der Zusammenhang?

Ahlers: Wir verstehen uns als Interessensvertretung von Kindern und Jugendlichen in Sportvereinen sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Jugendabteilungen. Das sind somit etwa 30 000 Leute im Kreis Coesfeld. Eine ganze Menge. Viele sind daran interessiert, dass sich Rahmenbedingungen verändern. Wir sehen uns als ein Bindeglied zwischen Jugendlichen und Politik. Wir wollen den Dialog fördern und der Politik zeigen: Hey, da sind junge Menschen, die haben Forderungen, Ideen und Fragen.

Es heißt ja immer schnell, Jugendliche seien an Politik nicht interessiert.

Ahlers: Ja, aber das ist eben nicht so. Wenn man den richtigen Weg findet, an sie heranzutreten, sind junge Menschen sehr interessiert. Sie haben eine eigene Meinung und können Argumente vorbringen. Sie kennen sich zum Teil sogar schon richtig gut aus. Wenn ich da eine Teilnehmerin denke, die sich mit dem Klimathema besonders beschäftigt – das ist wirklich beeindruckend, was sie darüber weiß und wie sie mit Politikern darüber diskutieren kann. Junge Leute sind vielfältig interessiert, auch wenn jeder Themen hat, die ihm besonders wichtig sind.

Wofür interessieren sich Jugendliche am meisten bei den Veranstaltungen?

Ahlers: Das ist immer unterschiedlich, aber drei Themen, um die es aktuell immer wieder geht, sind Klimaschutz, Beteiligung von Jugendlichen und Mobilität im ländlichen Raum. Wann fährt der letzte Zug, wann der letzte Bus, wie komme ich wohin – das wird eigentlich immer diskutiert.

Wo hapert es denn da?

Ahlers: Es gibt zum Beispiel keine direkte und regelmäßige Verbindung von Nottuln nach Billerbeck. Oder von Senden nach Appelhülsen. Eigentlich ein Katzensprung, aber man muss zum Beispiel erst mit dem Zug nach Münster fahren, um dann nach Appelhülsen zu kommen.

Habt ihr konkret schon Forderungen und Ideen umsetzen können?

Ahlers: Die Einführung des Juleica-Tickets im Kreis Coesfeld, mit dem ehrenamtliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit günstiger mit Zug und Bus fahren können. Eine Idee, die bei unserem Jugendforum vor sieben Jahren entstand. Auch im ÖPNV gibt es inzwischen Verbesserungen, ob das an uns lag, ist natürlich die Frage. Aber man schafft Aufmerksamkeit für die Themen bei den Leuten, die sich darum kümmern. Die Jugendlichen vermitteln ihnen, was fehlt und was sie ändern würden. Sie bleiben auch in Kontakt miteinander und vernetzen sich. Damit sind sie wichtige Ideengeber und wir können die Interessenvertretung so vorantreiben.

Ist ein Jugendparlament noch ein Thema?

Ahlers: Ja, auf jeden Fall. Bei unserem letzten Politpicknick kam das Thema für die Stadt Lüdinghausen auf. Es muss aber ja nicht unbedingt überall ein Jugendparlament sein, auch andere Formen sind möglich. Es geht um mehr Beteiligung von Jugendlichen, sie wollen sich stärker einbringen. Das ist, was sie sich wünschen.

Abstimmen beim Engagementpreis

»Jung und engagiert in NRW« – unter diesem Motto steht der Engagementpreis NRW 2020, den die Landesregierung NRW in Kooperation mit der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege in diesem Jahr ausgelobt hat. Staatssekretärin Andrea Milz gab den Vorentscheid der Jury bekannt: zwölf Projekte aus 132 Bewerbungen sind nominiert. Unter den 12 das Projekt aus dem Kreis Coesfeld: „Feuer und Flamme für Jugendpolitik“ der Sportjugend im Kreissportbund. Es ist auch „Projekt des Monats November“. Bis zum 31. Oktober haben alle Interessierten die Möglichkeit, beim Publikumsvoting zum Engagementpreis für ihr favorisiertes Projekt zu stimmen: www.engagiert-in-nrw.de/publikumsvoting-engagementpreis-nrw-2020. Die Sieger sollen im 7. Dezember bekannt gegeben werden.

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